Keine Schonzeit für diese Wölfe!

„Ülkücü“-Bewegung und verwandte Vereine treiben ihr extremistisches Unwesen auch in OÖ

Wolfsrudel auf Instagram-Profil der Avusturya Turk Federasyon, einer Kultusgemeinde der Islamischen Glaubensgemeinschaft.Unten: Alparslan Türkes, Hitlers Mann in der Türkei.
Wolfsrudel auf Instagram-Profil der Avusturya Turk Federasyon, einer Kultusgemeinde der Islamischen Glaubensgemeinschaft © Screenshot Instagram

Man stelle sich vor, ein Hitler-Fan und Rassist würde auf Facebook als Idol gepriesen. Ein antifaschistischer Shitstorm bräche los, die Politik schaltete in Betroffenheitsmodus. Und weil die Huldigung des Rechtsextremisten im Umfeld einer Glaubensgemeinschaft passiert, streute auch diese sofort Asche aufs Haupt.

So wäre das wohl, oder? Nicht unbedingt. In Österreich wird auf Hunderten Facebook-Seiten genau so ein rassistischer Extremist zum Idol stilisiert. Der vor 23 Jahren Verstorbene war der türkische Verbindungsmann zum Nazi-Regime und er war ein Putschist.

Aber obwohl sein Name in sozialen Medien tausendfach gepriesen wird, ist er hierzulande selbst eingefleischten Antifaschisten kaum geläufig: Alparslan Türkes, Gründer der rechtsextremen „Grauen Wölfe“.

Brauner Wolf

Türkes‘ Ideologie ist mindestens so gefährlich wie autochtoner Extremismus. Denn sie grassiert ohne zivilgesellschaftliche Korrektive weitgehend unter Ausschluss der nicht-türkischen Öffentlichkeit auch in Österreich. Der 1960 am Putsch in der Türkei beteiligte Oberst hat 1961 jene „Ülkücü“-Bewegung (Idealisten) gegründet, die den militanten Flügel seiner heute das Erdogan-Regime stützenden „Partei der Nationalen Bewegung“ (MHP) bildet.

Alparslan Türkes, Hitlers Mann in der Türkei.©Screenshot Instagram
Alparslan Türkes, Hitlers Mann in der Türkei.©Screenshot Instagram

Dort dreht sich alles um die Überlegenheit der türkischen Rasse. Dass Türkes tickte wie die von ihm bewunderten Nazis, belegt dieses Zitat: „Wenn ihr Kurden weiterhin eure primitive Sprache sprecht (…), werdet ihr von den Türken auf die gleiche Weise ausgerottet, wie man schon Georgier, Armenier und Griechen (in der Türkei, Anm.) ausgerottet hat.”

Symbolisiert wird die mit islamistischen Elementen unterfütterte Überlegenheitsideologie durch den Wolf, woraus sich der Name ihrer Anhänger ableitet: „Graue Wölfe“. Das Symbol der MHP sind drei Halbmonde, welche für die Kontinente Asien, Afrika und Europa stehen. Deutsche Verfassungsschützer fanden in der „Ülkücü“-Propaganda auch diese Erklärung: Ein Halbmond steht für „Türkische Einheit“, der zweite für „Islamische Einheit“ und der dritte für „Türkische Weltherrschaft“…

Von der MHP spaltete sich 1993 die islamistisch geprägte „Große Einheitspartei“ (BBP) ab, zu der die Massenjugendorganisation „Alperen Ocaklari“ (etwa: „Heldenrudel“) zählt. Der Drahtzieher des Mordes am armenischen Journalisten Hrant Dink im Jänner 2007 kam aus der BBP. Auch das Mordkommando, das drei Monate später in Malatya zwei türkische Christen und einen deutschen Missionar bestialisch umgebracht hatte, wurde dem BBP-Umfeld zugerechnet.

Durchsichtiger Schafspelz

Es scheint unvorstellbar, dass derartige Gruppierungen außerhalb der Türkei agieren können. Tun sie aber. Auch in Österreich, wo die MHP als „Avusturya Türk Federasyon“ (ATF) auftritt. Die „Grauen Wölfe“ sind unter uns — und zwar so, wie es im deutschen Verfassungsschutzbericht 2019 steht: „Während sich die Dachverbände nach außen um ein gesetzeskonformes Verhalten bemühen, demonstrieren unorganisierte Anhänger der ‘Ülkücü’-Bewegung insbesondere im Internet ihre rassistischen Überlegenheitsvorstellungen.“ Auf ihrer Facebook-Seite trauert die ATF um die Opfer des Wiener Anschlages und distanziert sich von Unruhen in Favoriten, an denen „Wölfe“ beteiligt waren. Gleichzeitig huldigt sie Rudelführer Türkes. Geliked werden die ATF-Beiträge von Austro-Türken, auf deren Profilen es vor „Wolfsgrüßen“ und „Drei Halbmonden“ wimmelt. Der ATF selbst gelingt das Wahren des Scheins nicht immer: Ihr Instagram-Profil zeigt ein Gruppenfoto, auf dem 21 junge Männer ihre hochgestreckte Rechte zum „Wolf“ formen. Der Gruß, (noch) nicht aber die Organisation, ist in Österreich bereits verboten.

Auch in Oberösterreich…

Unter denen, die am Todestag von Alparslan Türkes (4. April) auf der ATV-Seite um ihr Idol trauern und sich einschlägig grüßend präsentieren, sind auch Oberösterreicher. Die BBP-Jugendgruppe ist ob der Enns sogar mit einer Dependance vertreten: In Braunau residiert an der Adresse der Nizam-i Alem-Moschee der Verein „ANF Braunau Alperen Ocaklari“, der im Berg-Karabach-Konflikt „unseren (Aserbaidschans, Anm.) Sieg“ über die Armenier und in Syrien gefallene türkische Soldaten als Märtyrer feiert. Auch Bezüge zum türkischen Antisemiten und Milli-Görüs-Gründer Necmettin Erbakan finden sich in dem Milieu.

IGGÖ in der Verantwortung

So schließt sich der Bogen vom politischen zum religiösen Extremismus. Und deshalb ist auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) gefordert: Die ATF ist eine offizielle Kultusgemeinde der IGGÖ, die eine VOLKSBLATT-Anfrage dazu unbeantwortet ließ….

Eine Analyse von Manfred Maurer

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