„Kern verliert völlig die Fassung“

ÖVP und FPÖ sind empört über Interview des SPÖ-Chefs in deutscher Zeitung

Schritt gestern zur Zeugnisverteilung an die Regierung: Ex-Kanzler und SPÖ-Klubchef Christian Kern.

„Kern verliert offenbar völlig die Fassung und ist nur noch unglaubwürdig“, er schrecke „nicht einmal davor zurück, Österreich im Ausland schlecht zu machten“, polterte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer. Und auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker schlug ganz ähnliche Töne an: „Es ist schon ein Trauerspiel, wenn er auf unser Land und seine Wähler loshackt und nach dazu hanebüchene Verschwörungstheorien von sich gibt.“

Gereizt hat die Manager der Koalitionsparteien ein Interview, das Ex-Kanzler und SPÖ-Chef Christian Kern der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ gab. Österreich habe eine „lupenrein rechtspopulistische Regierung“, die FPÖ verbreite „antisemitische Verschwörungstheorien“, jede Woche „gibt es einen rassistischen, rechtsextremistischen Ausritt“, es gebe eine „permanente Abwertung der demokratischen Strukturen, die ein Staatswesen tragen“, konstatierte Kern unter anderem (siehe auch „Zitiert“). Und: Die Unterschiede zwischen FPÖ und AfD seien „graduell“.

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„So ein Verhalten ist eines früheren Kanzlers unwürdig“, attestierte Nehammer dem SPÖ-Chef, um ihn daran zu erinnern, dass er nach der Wahl „selbst noch um eine Koalition mit der FPÖ gebettelt“ habe. Im Burgenland koaliere die SPÖ mit der FPÖ, „andererseits patzt er nun Österreichs Regierung deshalb an“, so der ÖVP-General.

Sein FPÖ-Gegenüber Hafenecker konstatierte, dass „Nestbeschmutzungen unseres schönen Österreichs mittels ausländischer Medien“ Kerns „überhaupt einziges politisches Credo“ sein dürfte. Es werde ihm aber „nicht gelingen, hier Zwietracht zu säen, weder innerhalb der Bevölkerung noch innerhalb der Koalitionspartner“. Hafeneckers Befund: „Der Sozialismus als Relikt der Phantasten hat ausgedient — Europa benötigt eine wirtschaftliche und politische Sicherheit.“

Generalsekretär Nehammer merkt zudem noch an: Wenn Kern „groß über Europa und Rechtsstaatlichkeit“ spreche, frage er sich, warum er zu den „Zuständen in Rumänien weiterhin schweige“.