KHM zeigt “Caravaggio & Bernini”

“Entdeckung der Gefühle” nennt das Kunsthistorische Museum (KHM) seine neue Ausstellung, die erstmals in Österreich die Barockkünstler Caravaggio und Bernini gemeinsam präsentiert. “Es sind in jüngster Zeit ein paar andere starke Gefühle über unser Haus hereingebrochen”, so KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag bei der Pressekonferenz. “Wir haben uns aber auf die Ausstellung konzentriert.”

Haag wollte auch auf Nachfrage nichts zu der gegenwärtigen causa prima der heimischen Kulturpolitik Stellung nehmen: Die brüskierend kurzfristige Absage des designierten KHM-Generaldirektors Eike Schmidt, dessen Mandat als Direktor der Uffizien nun um vier weitere Jahre verlängert wurde, hat dazu geführt, dass die Museumschefin nicht wie geplant in zwei Wochen das Haus an ihren Nachfolger übergibt, sondern als interimistische Generaldirektorin weiterarbeitet. Ob sie, der bei der letzten Ausschreibung Schmidt vorgezogen wurde, sich bei der von Kulturminister Alexander Schallenberg für die nächsten Tage angekündigten Neuausschreibung wieder bewerben werde, wollte sie coram publico nicht sagen.

In allererster Linie sei sie von “großer Vorfreude auf diese Ausstellung, die ich mir besonders gewünscht habe als große Ausstellung zur Beendigung meiner Amtszeit” und mit der an den Themen gearbeitet werde, “die unsere Kernkompetenz sind”, erfüllt gewesen. Die anderen Gefühle, die sich dazu gemischt hätten, wolle sie nicht öffentlich teilen. “Was mich in den vergangenen Wochen durchgetragen hat, war das große Verantwortungsgefühl, das ich diesem Haus gegenüber empfinde, gegenüber vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit unglaublicher Professionalität, Herzblut, Engagement, Expertise und Kompetenz tagtäglich hier arbeiten. Diese wunderbare Ausstellung ist ein beredetes und lustvolles Zeugnis dafür.”

“Nie wurde mit mehr Energie und Einfallsreichtum an der Darstellung von Gefühlen gearbeitet als im Rom des 17. Jahrhunderts”, sagte Kuratorin Gudrun Swoboda. Deshalb ist die in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum entstandene Schau, die ab 14. Februar in Amsterdam zu sehen sein wird, auch nicht chronologisch, sondern nach Begriffen geordnet: Wunderbares & Staunen, Entsetzen & Schrecklichkeit, Liebe, Vision, Leid & Mitleid, Lebhaftigkeit, Bewegung & Aktion sowie Scherz. Und deshalb hat man zudem acht eigene Emojis kreiert, die auf einer Ausstellungs-Website auch als animierte GIFs zur Verwendung in Instagram- und Facebook-Stories abrufbar sind. Als Vorbild dienten Hauptwerke der Ausstellung, etwa Berninis Medusa oder Caravaggios “Knabe, von einer Eidechse gebissen”.

Man besitze im KHM mit rund 40 Gemälden den größten Bestand an “caravaggiesker Malerei” außerhalb Italiens, berichtete Gemäldegalerie-Direktor Stephan Weppelmann nicht ohne Stolz. Seit der Publikation des entsprechenden Bestandskatalogs 2010 sei diese Ausstellung, in der auch rund 70 Leihgaben aus aller Welt zu sehen sind, vorbereitet worden. Die Idee, den Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610), der Rom im Frühbarock zwischen 1600 und 1650 zum Mittelpunkt der Kunstwelt machte, mit dem Bildhauer Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) zu koppeln, sei naheliegend gewesen. “Wenn man von Barock spricht, spricht man schnell über Skulptur, und wenn man über Skulptur spricht, landet man schnell bei Bernini.” Fünf Werke von Bernini und das Gemälde “Maria Magdalena in Ekstase” von Artemisia Gentileschi seien überhaupt noch nie öffentlich zu sehen gewesen, betonte Swoboda. Die Ausstellungsgestaltung von Michael Embacher sei “nicht nur ansprechend und schön, sondern auch historisch angemessen”.

In den dunklen Sälen bringen Spots die einzelnen Bilder buchstäblich zum Leuchten. Neben Caravaggios “Narziss” aus dem Palazzo Barberini und “Hl. Johannes der Täufer” aus den Musei Capitolini zählen auch Guido Renis “Bethlehemitischer Kindsmord” aus Bologna zu den Preziosen der Schau, die mit einer zeitgenössischen Präsentation ergänzt wird: Der österreichische Künstler Klaus Mosettig hat Röntgenaufnahmen von Caravaggios Gemälde “David mit dem Haupt des Goliath” zur Vorlage für fünfzehn großformatige Zeichnungen genommen. Seine “David Plates” sind – vergleichsweise lieblos präsentiert – im zweiten Obergeschoß zu sehen.

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