Kia e-Soul: „Auf die Länge kommt es an“

Was zeichnet den kantigen Kia e-Soul aus? Über die Optik des elektrischen Kombi-Crossovers kann man trefflich streiten, aber nicht über seine Langstreckentauglichkeit. Die ist – neben der mannigfaltigen Serienmitgift – auch sein größter Pluspunkt.

Von Oliver Koch

Laut Erhebung des Verkehrsministeriums sind 40 Prozent der Autofahrten in Oberösterreich kürzer als fünf Kilometer, 60 Prozent kürzer als zehn Kilometer und nur 17 Prozent länger als 20 Kilometer. Spricht also eigentlich für E-Autos. Doch wie lautet dann das Argument der strikten Gegner? Man kommt doch nie von Wien nach Salzburg! Und wenn ja, dann muss man stundenlang warten, bis der Akku wieder voll ist.

Typenschein

Kia e-Soul Platin e-Motor
Long Range

Preis: ab € 46.590,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 46.990,- inklusive Zweifarblackierung € 400,-; einen Kia e-Soul (Titan e-Motor) gibt es ab € 34.990,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 0,- jährlich
Garantie: 7 Jahre bis max. 150.000 km, 5 Jahre bis max. 150.000 km Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 7 Jahre bis max. 150.000 km auf Antriebsbatterie, 2 Jahre ohne km-Begrenzung auf Fahrzeugbatterie
Service: alle 15.000 km oder jedes Jahr

Technische Daten:
Motor: Permanent-Magnet-Synchronmotor mit 150 kW/204 PS Maximalleistung, Nenndauerleistung 29 kW/39,4 PS, max. Drehmoment 395 Nm bei 0-3600 U/min, Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, 356 Volt Spannung, Kapazität 180Ah, Energie 64,0 kWh
Getriebe: einstufiges Reduktionsgetriebe
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 s
Leistungsgewicht: 8,43 kg/PS
Stromverbrauch: 15,7 kWh
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 17,2 kWh
CO2-Ausstoß: 0 g/km

Eckdaten:
L/B/H: 4195/1800/1605 mm
Radstand: 2600 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1720/2180 kg
Kofferraum: 315-1339 Liter
Reifen: 4 x 215/55 R17 94V auf 17“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/ACC/LKA/TPMS
Airbags: 6

Ein Auto, das vielen die Reichweitenangst nehmen kann, ist der Kia e-Soul. Nun gut, er ist nicht der einzige Stromer mit gut 400 Kilometern Reichweite, aber auf seine Angaben sind Verlass.

Denn der 204 PS starke Stromer hält zum Gutteil, was er verspricht. Dem kantigen Koreaner wohnt dabei eine Lithium-Ionen-Batterie inne, die 64 Kilowattstunden Kapazität verspricht. Das macht dann auch das Auto ganz schön schwer: Der e-Soul wiegt stolze 1720 Kilogramm, bei einer Länge von 4,19 Metern. Daher eignet sich der üppig ausgestattete Fünfsitzer nicht fürs Hatzerl auf der Autobahn, maximal bei Stadtrennen nach der roten Ampel lässt er so manchen Benzinbruder verblüfft stehen.

Der metallisch singende E-Motor beschleunigt den kantigen Fünftürer rapide, speziell im Sport-Modus erweist sich der Koreaner als bissig. Doch jenseits der 130 km/h geht dem eher weich gefederten e-Soul dann die Kraft aus – während die Reichweitenanzeige im digitalen Cockpit rapide runtergeht. Prinzipiell ist die Rechnung recht einfach: Mit rund 16 bis 17 Kilowattstunden je hundert Kilometer muss man kalkulieren, bei weiteren Autobahnfahrten empfiehlt sich sowieso der Eco-Modus (der unter anderem die Spitzengeschwindigkeit auf 130 km/h limitiert) – oder man richtet es sich auf der rechten Spur mit dem adaptiven Tempomaten gemütlich bei Tempo 100 oder 110 ein.

Schnelle Lastwechsel und aggressive Kurvenfahrten liegen dem e-Soul, der über vier Rekuperationsstufen (also wie viel Energie beim Bremsen zurück in die Batterie fließt verfügt, nicht. Seine Stärke ist die beschauliche Fahrt durch Stadt und Land.

Dabei bleibt auch genügend Zeit, um das vielfältige Repertoire an Assistenzsystemen und Ausstattungsfeatures zu begutachten. Angefangen beim hochauflösenden 10,25 Zoll großen Touchscreen über Sitzheizung, Sitzkühlung, Rückfahrkamera, DAB-Tuner, USB-Ports sowie Licht- und Regensensor bis hin zu Klimaanlage, Head-up-Display, elektrisch einstellbaren Vordersitzen und Spurhalteassistent. Platzmäßig ist der e-Soul vor allem vorne eine Wucht, hinten wird es zu Dritt schon sehr eng.

Dank der Höhe von 1605 Millimetern ist die Kopffreiheit kaum enden wollend. Zudem verfügt der elektrische Familienfreund über etliche Ablagen, die ausreichend dimensioniert sind. Die Verarbeitung des Innenraums ist höchst passabel, das Cockpit ist allerdings auch in der höchsten Ausstattungslinie namens Platin ziemlich lieblos und strotzt vor Plastik. Der Kofferraum wiederum ist mit 315 Litern Volumen eher klein und weist einen tiefen Ladeboden aber eine niedrige Ladekante auf.

Laden sollte man den e-Soul, dessen Port links vorne ist, vornehmlich an Schnellladesäulen oder über Nacht. Wenn der Akku einmal leer ist – da muss man aber mehr als 400 Kilometer weit fahren – dauerts an der Haushaltssteckdose mehr als 24 Stunden.

Fazit: Ein lokal emissionsarmes Fahrzeug mit viel Potenzial: Das Platzangebot ist überraschend üppig, der Energieverbrauch hält sich in Grenzen und der e-Soul mit der großen Batterie ist ein Reichweitenangst-Killer.

Wie ist Ihre Meinung?