Kiesbauer: „Generell habe ich einen Beschützerinstinkt“

Arabella Kiesbauer moderiert ab 26. Februar die Gesangscastingshow „Starmania 21“ im ORF

Als „Starmania-Mama“ ein Anker für die Kandidaten: Arabella Kiesbauer (51) moderiert die neue Ausgabe der Suche nach dem heimischen Popstar.
Als „Starmania-Mama“ ein Anker für die Kandidaten: Arabella Kiesbauer (51) moderiert die neue Ausgabe der Suche nach dem heimischen Popstar. © ORF/Ramstorfer

Mit „Starmania 21“ kehrt nicht nur ein Kultformat in den ORF zurück, sondern auch dessen Moderatorin: Arabella Kiesbauer über neue Regeln bei der Gesangscastingshow, den Einfluss von Instagram & Co und ihre Rolle als „Starmania-Mama“.

VOLKSBLATT: Wie erleben Sie die Corona-Zeit?

ARABELLA KIESBAUER: Mittlerweile hat sich eine gewisse Normalität eingestellt. Das letzte Jahr ist eine Ausnahmesituation auch für meine Familie und mich gewesen. Aber positiv denkend machen wir das Beste daraus.

Nach zwölf Jahren stehen Sie wieder auf der Bühne von „Starmania“. Wie fühlt sich diese Heimkehr an?

Ich habe tolle Erinnerungen an die ersten Staffeln und freue mich sehr, in das Abenteuer mit den Kandidaten einzutauchen.

Sie sind mit „Bauer sucht Frau“ auf ATV sehr erfolgreich. Haben Sie gezögert, die „Starmania“-Moderation zu übernehmen?

Mir war wichtig, beides unter einen Hut zu bekommen. Das ist gut geglückt. Wir bereiten schon die 18. Staffel von „Bauer sucht Frau“ vor.

1700 Kandidaten haben sich für die aktuelle Staffel von „Starmania“ gemeldet, in den ersten beiden 2002 und 2003 waren es 11.000 und 12.000. Danach ging das Interesse zurück. Liegt das an den vielen ähnlichen Shows und an den neuen Möglichkeiten, die Instagram & Co heute bieten?

Ich glaube, dass auf den verschiedenen Social Media-Kanälen eigentlich das, was Andy Warhol einmal gesagt hat, nämlich, dass jeder seine 15 Minuten Ruhm haben kann, viel leichter realisierbar ist. Das sehe ich allerdings eher als befruchtend im Sinne einer gewissen Professionalität im Umgang mit Öffentlichkeit, die heute gerade bei jungen Leuten viel mehr gang und gäbe ist als vor 12 Jahren.

Sie haben selbst einmal ein Lied aufgenommen. Wäre die Bewerbung für eine Castingshow etwas für Sie gewesen?

Nein, das hätte ich mich nicht getraut. Die Begeisterung und die Leidenschaft für das Singen wären zwar da, aber leider zu wenig Vertrauen in die eigenen gesanglichen Fähigkeiten.

Und würden Sie Ihren Kindern dazu raten, wenn eines davon solche Ambitionen hätte?

Das hängt von der Persönlichkeit ab. Prinzipiell ja, weil natürlich eine Show wie „Starmania“ eine Bühne bietet, die man sehr wohl für sich nutzen kann.

Was wird neu an „Starmania“, was bleibt?

Neu ist etwa, dass wir eine dreiköpfige Jury haben, die direkt nach den Performances entscheiden wird, wer weiterkommt oder wer gehen muss. Das Publikumsvoting wird erst nach Sendung 8 zum Tragen kommen. Im Finale entscheidet ausschließlich das Publikum, wer als neuer Popstar des Landes von der Bühne geht. Das Friendship-Ticket von früher gibt es nicht mehr.

Mit zwei Ö3-Moderatoren wird es auch wieder Kommentatoren geben …

Philipp Hansa ist sozusagen der Kommentator, der auch den Blick hinter die Kulissen ermöglicht, Robert Kratky derjenige, der Einblicke in die Musikbranche gibt.

Sie wurden damals schon als „Starmania-Mama“ bezeichnet …

Als Moderatorin bin ich die, die alles zusammenhält. Das mit der „Starmania-Mama“ hat sich damals ergeben, weil wir viele junge Kandidaten hatten, die ganz unbedarft zum ersten Mal auf der Bühne standen und Kritik ausgesetzt waren. Ich habe damals gemerkt, dass nicht jeder so ein breites Kreuz hat wie ich. Es war für mich einfach, beschützend aufzutreten und aufzupassen, dass keiner fertiggemacht wird und trotz Kritik mit einem guten Gefühl von der Bühne geht. Generell habe ich einen Beschützerinstinkt und bin ein unglaublicher Gerechtigkeitsfanatiker. Ich mache mich gern für andere stark.

Haben Sie schon Kandidaten kennengelernt und dürfen wir mit großen Talenten rechnen?

Nein, noch nicht. Ich habe aber von den Coaches gehört, dass es bei dieser Staffel wieder neben herausragenden Stimmen auch besondere Persönlichkeiten gibt. Und es gibt die, die schon ein bisschen selbstsicherer auf die Bühne gehen, weil sie schon Erfahrungen gesammelt haben, aber auf der anderen Seite auch zum Glück immer noch, und das ist ja besonders reizvoll und charmant, absolute Neulinge, ungeschliffene Rohdiamanten.

Zwei Drittel derer, die sich für das Casting beworben haben, sind Frauen. Woran könnte das liegen?

Ich weiß es nicht. Vielleicht sind die Frauen einfach mutiger und Männer haben vielleicht eher Angst davor, sich einer Bewährungsprobe zu stellen. Es wäre sehr interessant, dem nachzugehen.

Oft sind es die Zweitplatzierten gewesen, die dann Karriere gemacht haben — man denke an Conchita oder Christina Stürmer. Woran liegt das?

Viel kommt auch von der Persönlichkeit des jeweiligen Kandidaten. „Starmania“ bietet eine Plattform, bekannt und berühmt zu werden. Aber ob die Rechnung danach langfristig aufgeht, weiß man vorher nicht. Ob man dann mit den richtigen Leuten zusammenarbeitet, liegt auch in der Hand des jeweiligen Kandidaten.

Haben Sie die Wege Ihrer Schützlinge von damals weiterverfolgt?

Ja, ja, wir sehen uns immer alle irgendwann einmal wieder und haben dann gleich einen dicken Grinser im Gesicht, weil wir in dem Moment wieder in der Erinnerung an früher drin sind. Wir haben ja auch viel gemeinsam erlebt, ganz egal, ob das die Christina ist, der Tom Neuwirth, der Lukas Perman oder die Nadine Beiler. Das ist schon eine besondere Zeit und ein ganz besonderes Abenteuer, auf das sich alle einlassen, wenn sie bei „Starmania“ mitmachen.

Die Show findet ohne Live-Publikum statt. Macht es das für die Kandidaten schwieriger oder leichter?

Ich glaube, dass es für die Kandidaten ein bisschen schwieriger ist, weil vom Publikum viel Energie kommt. Das Publikum ist sehr wohlwollend, es kristallisieren sich schnell Fans heraus, die die Kandidaten durch die Performance tragen. Das ist schade, dass das so nicht stattfinden kann. Ich habe letztes Jahr mit „The Masked Singer“ erstmals eine so große Show ohne Publikum gemacht. Es ging trotzdem gut. Ich war so begeistert und in meinem Element, das hat das fehlende Publikum sogar wettgemacht.

Bei „DSDS“ treten viele Schlagersänger auf, dürfen wir das auch bei „Starmania“ erwarten oder bleibt´s bei der Suche nach dem österreichischen Popstar?

Die Songauswahl treffen die Kandidaten. Vielleicht kann man da einen gewissen Trend ablesen — aber eigentlich geht es um den neuen Popstar des Landes. Aber die Schlager, die sich heute teilweise millionenfach verkaufen, die haben ja auch was von Popsongs. Auch, was die Performances und die Kostüme betrifft. Da gibt’s, überspitzt formuliert, gar keinen so großen Unterschied, ob Beyoncé auftritt oder Helene Fischer. Beides topmodern!

Mit ARABELLA KIESBAUER sprach Melanie Wagenhofer

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