Russland verstärkt offenbar Truppen in Ostukraine

Die russischen Streitkräfte haben offenbar Militär aus Russland ins Angriffsgebiet verlegt, um die Offensive in der Ostukraine zu beschleunigen. Zwei taktische Bataillone seien in die Stadt Isjum verlegt worden, teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch auf Facebook mit. Zudem seien in der russischen Grenzregion Belgorod zwei weitere Raketendivisionen aufgestellt worden. Russland meldete unterdessen die Zerstörung einer „großen Menge“ westlicher Waffen in der Ukraine.

Die von den USA und europäischen Ländern an die Ukraine gelieferten Waffen sollen bei einem Raketenangriff im Südosten der Ukraine zerstört worden sein. „Mit hochpräzisen seebasierten Langstreckenraketen vom Typ Kalibr wurden auf dem Gelände des Aluminiumkombinats Saporischschja Flughallen mit einer großen Ladung ausländischer Waffen und Munition zerstört“, teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mit. Die Waffen stammten aus den USA und Europa, fügte er hinzu.

Die Regionalverwaltung von Saporischschja dementierte die russischen Angaben: es sei „keinerlei Munitions- oder Waffenlager getroffen worden“, die betroffene Fabrik sei „seit sechs Jahren nicht mehr in Betrieb“. Am Dienstag hatten die ukrainischen Behörden ohne weitere Details von Raketentreffern auf ein Unternehmen in Saporischschja berichtet.

Nach Konaschenkows Angaben flog die russische Luftwaffe seit Dienstag 59 Angriffe gegen Militärobjekte in der Ukraine, Artillerie und Raketenstreitkräfte beschossen 573 Ziele. Neben Truppenansammlungen und Stellungen für Artillerie, Luftabwehr und Raketenwerfer seien dabei auch Munitionsdepots vernichtet worden, sagte der Generalmajor. Zudem meldete er den angeblichen Abschuss von zwei Bayraktar-Drohnen.

Dem ukrainischen Lagebericht nach konnten die russischen Truppen einige Geländegewinne im nordostukrainischen Gebiet Charkiw erzielen. Südlich von Isjum haben sie das Dorf Sawody eingenommen und sind bis zum Nordrand der Ortschaft Welyka Komyschuwacha vorgedrungen. Beide Orte befinden sich schon auf der Südseite des Flusses Siwerskyj Donez, den die Truppen damit überquert haben. Das weitere Vordringen der russischen Truppen Richtung Süden zielt darauf ab, die ukrainischen Truppen im Donbass einzukesseln.

Auch an der Frontlinie um Donezk gab es demnach heftige Kämpfe. Die russischen Truppen hätten Angriffe Richtung Sjewjerodonezk, Popasna, Kurachowe und Liman geführt und dabei die Ortschaften Saritschne und Nowotoschkiwske eingenommen, teilte der ukrainische Generalstab mit. Auch die Bombardierung des Stahlwerks Azovstal in Mariupol gehe weiter. Wenig Veränderungen gab es demnach im Süden der Ukraine: Dort hätten die Russen Truppen umgruppiert und seine Positionen verstärkt, heißt es.

Die ukrainische Armee meldete zudem, dass sie russische Stellungen auf der zu einem Symbol des ukrainischen Widerstands gewordenen Schlangeninsel bombardiert habe. Auf der Insel im Schwarzen Meer sei ein russischer Kontrollposten getroffen und ein Luftabwehrsystem zerstört worden, meldete die Armee am Dienstagabend auf ihrer Facebook-Seite. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung des Angriffs.

Russischen Behördenvertretern meldeten unterdessen, dass es in der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine erneut zu Beschuss gekommen sei. Dieses Mal sei das Dorf Schurawlewka getroffen worden; dabei seien mindestens zwei Personen verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Montag in seinem Kanal in dem sozialen Netzwerk Telegram mit. Die laut Behörden bereits mehrfach beschossene Region grenzt an das ukrainische Gebiet Charkiw.

Präsidentenberater Olexij Arestowytsch stimmte die Ukrainer indes auf einen möglicherweise bis ins kommende Jahr andauernden Krieg ein. „Das Ende der aktiven Phase im Donbass bedeutet nicht das Ende des Krieges. Es wird weiterhin taktische Aktionen, Luftangriffe, Krieg geben. Es ist eine lange Geschichte, und sie könnte sehr lange sein, bis ins neue Jahr andauern“, sagte Arestowytsch am Dienstag nach Angaben der ukrainischen Agentur Ukrinform. Er wies darauf hin, dass die westlichen Waffenlieferungen erst „Ende Mai oder Anfang Juni (…) wesentliche Auswirkungen auf dem Schlachtfeld haben“ werden.

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