Kinder bewusst mit Masern in Kontakt zu bringen, ist strafbar

Hochinfektiöse Erkrankung könnte durch Impfung verhindert werden – Durchlebte Masern schädigen das Immunsystem über lange Zeit

Kinder sollten gegen Masern geimpft werden, um nicht daran zu erkranken. Eltern, die Maserpartys veranstalten, machen sich zudem strafbar.
Kinder sollten gegen Masern geimpft werden, um nicht daran zu erkranken. Eltern, die Maserpartys veranstalten, machen sich zudem strafbar. © yanadjan - stock.adobe.com

LINZ – Mit mehr als 70 Masernfälle im heurigen Jahr ist die hochinfektiöse und keineswegs harmlose Kinderkrankheit schon ungewöhnlich oft aufgetreten. Dabei würde eine Impfung davor schützen. Dennoch gibt es immer noch eine erkleck- liche Zahl an Impfgegnern oder Eltern, die glauben, dass eine „kontrollierte Ansteckung“ bei sogenannten Masernpartys das beste für ihr Kind sei.

Bei einer Veranstaltung der OÖGKK wurde von Univ.-Prof. Alois Birklbauer, Strafrechtswissenschafter an der Johannes Kepler Universität Linz, herausgearbeitet, dass die Veranstaltung und Teilnahme an einer Masernparty genauso wie ein ärzt- licher Rat nach „natürlicher Immunisierung“ den Tatbestand der – allenfalls versuchten – schweren Körperverletzung erfüllt und damit nach dem Strafgesetzbuch strafbar ist. „Es wird nicht nur die Krankheit bewusst herbeigeführt, so dass das Kind diese mit all ihren Konsequenzen und ohne spezifische Therapiemöglichkeit durchmachen muss. Es wird mit der bewussten Ansteckung auch das öffentliche Gut des Herdenschutzes konterkariert und die Volksgesundheit gefährdet, was ein eigener Strafbestand ist“, schrieb Lisa Cohen in ihrer Dissertation.

Auch Eltern, die ihre an Masern erkrankten Kinder wissentlich in die Schule schicken, sind straffällig, wenngleich von einer Strafverfolgung bislang kaum Gebrauch gemacht wurde.

Von 10.000 Ungeimpften erkranken 9000

Wie hochansteckend die Krankheit ist, belegen Zahlen des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger: Demnach würden von 10.000 nicht geimpften Personen nach Masernkontakt mehr als 9000 erkranken und bis zu 28 auch daran versterben. Hingegen wären von 10.000 Geimpften weniger als 1000 von Masern betroffen, in zwei Fällen könnten diese letal enden. Das Argument von Impfschäden wird durch die Tatsache widerlegt, dass von 10.000 Geimpften im Schnitt ein Kind einen Blutblättchenmangel aufweist und maximal 16 Kinder Fieberkrämpfe bekommen.

Landessanitätsdirektor Georg Palmisano wies darauf hin, dass eine durchlebte Maserninfektion im Gegensatz zu anderen Erkrankungen das Immunsystem nicht stärkt, sondern im Gegenteil über lange Zeit sogar schädigt. Dadurch sind Masernpatienten in der Folge weit anfälliger für andere Infektionserkrankungen. Steckt sich ein Kind trotz Impfung an, verläuft die Erkrankung viel harmloser.

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