Kirchdorfer-Chef: „Gasimportstopp wäre für uns eine Katastrophe“

Stahl- und C0 2 -Preise setzen Gruppe zu – Sorge um Ersatzbrennstoffe

Das Kirchdorfer Zementwerk ist ein CO2-Großemittent - Als Brennstoffe werden u.a. Reifenflusen und Schlacke eingesetzt.
Das Kirchdorfer Zementwerk ist ein CO2-Großemittent - Als Brennstoffe werden u.a. Reifenflusen und Schlacke eingesetzt. © Kirchdorfer

Die Baugruppe Kirchdorfer stellt sich nach einem Rekordjahr mit teils zweistelligen Zuwächsen auf ein schwieriges Jahr 2022 ein.

„Wir erleben explodierende Stahlpreise und die CO2-Preise haben sich seit einem Jahr fast vervierfacht“, sagt Kirchdorfer-Chef Erich Frommwald im VOLKSBLATT-Gespräch.

Das zum Konzern gehörende Zementwerk in Kirchdorf ist CO2-Großemittent, wofür Ausgleichszertifikate zugekauft werden müssen.

Ersatzbrennstoffe würden von Gas-Aus mitgerissen

Der Gaspreisanstieg setzt dem Werk aktuell nur indirekt zu, weil schon seit längerer Zeit Ersatzbrennstoffe wie Reifenflusen oder Schlacke verwendet werden.

Frommwald: „Sollte es aber zu einem Gasimportstopp kommen, wären diese Ersatzbrennstoffe Mangelware und die Folgen für uns eine Katastrophe.“ Um die Kostenexplosion einigermaßen abzufangen, werden im ganzen Konzern die Preise mit kürzeren Gültigkeitsdaten versehen.

Frommwald: „Preisgarantien für sechs Monate sind Geschichte.“ Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr ist Frommwald zufrieden. Der Umsatz in der Gruppe ist nach vorläufigen Berechnungen knapp zweistellig auf rund 370 Millionen Euro gestiegen. Die Gewinne stagnierten – „weil wir die ab Jahresmitte stark steigenden Stromkosten nicht weitergeben konnten.“

Mit dem Zementwerk erwirtschaftete Kirchdorfer rund 50 Millionen Euro Umsatz. Für heuer rechnet Frommwald mit keinen großen Sprüngen beim Umsatz. Wachstum erwartet er bei der Fertigteilsparte Maba, die vom Green Deal der EU profitiert.

Maba stellt Beton-Bahnschwellen her, die in der Bahnbauindustrie aufgrund des Ausbaus der Bahnnetze stark nachgefragt sind. So liefert Kirchdorfer etwa für den Koralmtunnel Gleisstrangplatten für die gesamte Tunelllänge.

Delta Bloc-Absatz wegen Corona eingebrochen

Auch das Geschäft mit Delta Bloc – Autobahnzwischenwände aus Beton – soll laut Frommwald wieder wachsen, nachdem es in der Coronazeit deutlich eingebrochen ist. Frommwald: „Da haben wir viele Geschäfte in Übersee nicht abschließen können.“

Südamerika sei sogar komplett ausgefallen. Kirchdorfer lässt die Delta-Blocs über Lizenzen weltweit herstellen und verkauft diese sogar bis nach Australien. Die Kirchdorfer Industries GmbH ist über die Hoffmann Holding in Privatbesitz.

Das Unternehmen besteht aus rund 60 Unternehmen bzw. Beteiligungen an Unternehmen in 15 Ländern. Kirchdorfer ist weder in Russland noch in der Ukraine tätig. Zuletzt wurden 1950 Mitarbeiter beschäftigt.

Von Karl Leitner

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