Kirchenkritiker Adolf Holl ist tot

Der unkonventionelle Theologe und Kirchenrebell Adolf Holl ist tot. Laut “Presse” und “Kleine Zeitung” starb er Donnerstagfrüh nach längerer Krankheit im Alter von 89 Jahren im 19. Bezirk in Wien, der Residenz Verlag bestätigte sein Ableben. Holl wurde 1976 als katholischer Priester und Universitätslehrer suspendiert. Bekannt wurde er auch als Diskussionsleiter im “Club 2” des ORF.

Holl wurde am 13. Mai 1930 in Wien geboren, wo er auch Theologie und Philosophie studierte. Von 1954 bis 1973 war er Kaplan und Religionslehrer in der Wiener Pfarre Neulerchenfeld, ab 1963 Dozent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. “Eigentlich müssten Sie eine neue Kirche gründen”, mit diesen Worten suspendierte Kardinal Franz König 1976 den auffälligen Seelsorger vom Priesteramt.

Bereits drei Jahre zuvor war ihm die kirchliche Lehrbefugnis wegen “schweren Irrtümern gegen die katholische Lehre” entzogen worden. Holl stieß kirchliche Würdenträger und manchen kirchentreuen Katholiken mit seiner Auslegung der Bibel vor den Kopf. Auch sein internationaler Bestseller “Jesus in schlechter Gesellschaft” rief den Kardinal auf den Plan. Den Umgang der Amtskirche mit neuen Idee oder gar Kritik von außen empfand Holl zunehmend als “Mischung aus Selbstgefälligkeit, Heuchelei und Tatsachenblindheit”.

Holl lebte als Schriftsteller und freier Autor in Wien. Seine Bücher, darunter “Die linke Hand Gottes”, “Falls ich Papst werden sollte” oder “Geschlecht und Gewalt in der Religion” wurden in zwölf Sprachen übersetzt. Im Jahr 2000 wurde er Ehrendoktor der Universität Klagenfurt. 2003 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik, 2015 den Preis der Stadt Wien für Publizistik.

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