Klage nach dem Sommergespräch Ibiza-Einblicke ab morgen in Buchform

Hofer-Aussage zu anonymer Anzeige wird Fall für die Justiz

Sein Auftritt im ORF-Sommergespräch hat dem designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer eine Klage eingebracht — und zwar vom ehemaligen Vorstand der Casinos AG (Casag), Dietmar Hoscher.

Hofer hatte nämlich gemutmaßt, der als SPÖ-nahe geltende Hoscher habe jene anonyme Anzeige rund um die Bestellung des FPÖ-Bezirksrates Peter Sidlo zum Casag-Finanzvorstand getätigt, die dann zu zahlreichen Hausdurchsuchungen geführt hatte, etwa auch bei EX-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Hoschers Anwalt Michael Pilz erklärte gestern in einer Aussendung: „Der unwahre Vorwurf, er (Hoscher, Anm.) hätte ohne Rücksprache mit seinen Vorgesetzten eine anonyme Anzeige erstattet, die das Unternehmen ins Gerede bringt, ist eine klare Kreditschädigung.“ Man werde Hofer auf Unterlassung, Widerruf und Veröffentlichung des Widerrufs im ORF klagen.

Der FPÖ-Chef wiederum befand, die Suppe für die Hausdurchsuchung bei Strache sei „dünne“ gewesen. Eventuell sei es ja darum gegangen, an das Handy von Strache zu kommen. Gleichzeitig verliefen die Ermittlungen in Sachen Ibiza-Video „schleppend“, so Hofer: „Das ist alles völlig absurd.“ Es passe „hinten und vorne nicht zusammen“.

Nur bei Türkis-Blau

Dessen ungeachtet hielt der Strache-Nachfolger an der FPÖ-Spitze fest, dass sich eine baldige Rückkehr Straches in die Politik nur schwer ausgehen werde. Voraussetzung sei, dass „alle rechtlichen Vorwürfe geklärt sind“.

Wahlziel der FPÖ sei ein Ergebnis über 20 Prozent und so stark zu werden, dass sich Schwarz-Grün nicht ausgehe, er selbst stehe nur für Türkis-Blau zur Verfügung: Sollte er in der künftigen Regierung vertreten sein, werde er nicht bei der kommenden Bundespräsidentenwahl antreten, so Hofer. Sollte die FPÖ in der Opposition landen, dann wäre ein Antreten jedoch „durchaus möglich“.

In ihrem morgen erscheinenden Buch „Die Ibiza-Affäre — Innenansichten eines Skandals“(Kiepenheuer & Witsch) bieten die Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (Süddeutsche Zeitung) — sie hatten das Ibiza-Video mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus zugespielt bekommen — Einblicke in die Entstehung ihrer Ibiza-Geschichte und in den gesamten Inhalt des Videos. Sukkus: Strache und Gudenus haben im Sommer 2017 auf der Partyinsel nicht nur wenige Minuten über mögliche illegale Parteispenden, die Übernahme der „Kronen Zeitung“, die Verteilung von Staatsaufträgen und einer Teilprivatisierung des Wassers an russische Oligarchen fantasiert, sondern an diesem Abend stundenlang und hauptsächlich über diese Dinge gesprochen.

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