Klana Bua, rode Sporttoschn

Pop: Voodoo Jürgens mit der Ansa Panier im Linzer Posthof

Spielte im Posthof auf: Voodoo Jürgens.
Spielte im Posthof auf: Voodoo Jürgens. © Ingo Pertramer

In dieser Welt riecht es noch. Oder miachtlt oder siaßlt, aber es riecht. Das ist prinzipiell gut, im Fall von David Öllerer auch mit Verwahrlosung verbunden. Im fantastischen „Tulln“ tritt der „klane Bua mid de Schneckal“ hinter seiner Kunstfigur Voodoo Jürgens hervor, singt und erzählt in beseelter Wortflut.

Im Kindergarten pressten sie ihm mit Tritten das Wurstsemmerl ab, „91′ is da Voda in Hefn marschiert“. Wahre Geschichte. In den anderen Liedern verfranst sich die Wahrheit, wird zum kaum weniger wahren G’schichtl. Voodoo Jürgens am Mittwoch im Posthof, der (abgetrennte) Große Saal war g´steckt voll. Voodoo auf der Bühne eine Art Schlangenbeschwörer, tänzelt, groovt, gestikuliert. Die Ansa Panier begleitet scheppernd und beherzt, gesanglich und am Akkordeon steht ihm Alicia Edelweiß zur Seite.

Einst Konditorlehrling beim Demel, später Friedhofsgärtner, hat sich Voodoo mit dem vergoldeten 2016er-Debüt „Ansa Woar“ in die Elite räudig-lyrischen Dialektgesangs gearbeitet. Der Nachfolger „’S Klane Glücksspiel“ ein Schritt weiter zu auf Abgötter wie Qualtinger, Artmann, Dylan oder Waits.

Voodoo im Retro-Sakko und 70er-Hemd mit breitem Kragen, besingt Säufer, Feitlschwinger und Kortnspüla. Zwischen Trauermarsch und wilder Schunkelei, der Sarg vulgo „Hoizpyjama“ immer eine Option. Ein Loser hängt noch am Tropf der Mutter („Suach da endlich a Frau!“), die Fliegen tot am „Fenstabrettl“, die Haxn in die Luft gestreckt wie glückliche Katzen. Lustig findet der Voodoo, wenn die „Rode Sporttoschn“ aus der Strizziwelt unbeabsichtigt ibiziöse Aufladung erfährt. Dutzende Kehlen repetieren den gewaltigen Rausch in „Heite grob ma Tote aus“. Ein elektrisierender Ausreißer „Angst haums“, quasi Polit-Analyse. Abgang mit „Heast do hob i scho gnua“, fast besinnliche Beziehungskrise, „du bist die Flaxn im Gulasch“. So was kann ewig halten! Christian Pichler

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