Klassik und Moderne im Zeichen von Natur und Kunst

Gassenhauer vorprogrammiert: Landestheater präsentierte Spielplan für die Saison 21/22

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„Le nozze di Figaro“ und „Aida“, Nestroy und Shakespeare, „Schwanensee“ und „Cinderella“. Allen ausgehungerten Kulturfreunden bietet das Linzer Landestheater in der kommenden Spielsaison 2021/22 ein Programm, das vor Gassenhauern nur so strotzt.

Aber auch Neuentdeckungen und Modernes sind traditionell mit an Bord. Das Bühnen-Jahr wird von der thematischen Spange „Natur und Kunst“ zusammengehalten, und es wurde am Mittwoch via Online-Pressekonferenz aus dem Musiktheater präsentiert.

Eine Reihe von Aufführungen, die bereits für die vergangene Saison geplant waren, aber corona-bedingt verschoben werden mussten, kommen ab Herbst zum Zug, vieles ist neu dazugekommen und alles ergibt ein stimmiges Bild: „Ohne einen Gemischtwarenladen zu produzieren, sondern mit thematischer Stringenz“, sei man bei der Planung vorgegangen, wie Landestheater-Intendant Hermann Schneider betont.

„Natur erleben wir jetzt ambivalent, zum einen positiv etwa als Ort der Rekreation, zum anderen das aktuelle Zurückschlagen derselbigen.“ Stücke wie der Broadway-Musicalhit „Titanic“ (Musik und Gesangstexte: Maury Yeston, Buch: Peter Stone), Shakespeares „Macbeth“, Wagners „Parzifal“ oder die Uraufführung des Auftragswerkes „Unter dem Gletscher“ von Michael Obst greifen in der kommenden Spielzeit die Thematik auf.

Weitere Uraufführungen in der Sparte Musiktheater werden „Lachesis“, eine Kammeroper von Marijn Simons (Libretto: Hermann Schneider), die Crossopera „Otherness: Fear and Discovery“ von Luigi Cinque, Jasmina Mitrusic Deric und Valentin Ruckebier sein. Das Opernsensemble wird zum Teil mit Gästen ergänzt, Neuzugänge im Ensemble sind, wie berichtet, Ilona Revolskaja und Anna Alàs i Jové.

Cinderella bis Schwejk

Neben der Natur richtet sich der Fokus auf das Thema Kunst: Das Musical „Wie im Himmel“ von Kay und Carin Pollak und Fredrik Kempe — mit dem übrigens der Saisonauftakt am 11. September bestritten wird — beschäftigt sich mit Künstlern in einer Krise, Puccinis „La Bohème“ konfrontiere auch mit Krankheit, so Schneider. Den Ballettklassiker „Cinderella“ lege Mei Hong Lin als „Selbstfindungsprozess einer Künstlerin“ aus. Gespannt sein darf man auch auf „Schwanensee“, das zum zweiten Mal von der Ballettchefin in Linz auf die Bühne gebracht wird.

Klassisch geht es auch im Schauspiel zu: Hier seien etwa Goethes „Die Wahlverwandtschaften“, „Die Nibelungen“ von Friedrich Hebbel, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hasek genannt. Mit Nestroys „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ oder Horvaths „Geschichten aus dem Wienerwald“ setzt man auch wieder einen Schwerpunkt in Sachen österreichische Literatur. Der Moderne wendet man sich etwa mit „Amadeus“ von Peter Shaffer, Thomas Melles Künstlerdrama „Ode“ und Daniel Kehlmanns „Der Mentor“ und auf der Opernbühne auch mit dem Musiktheater „Europeras 3 & 4“ von John Cage oder „Kain und Abel oder Der erste Mord“, einer Produktion des Oberösterreichischen Opernstudios mit Musik von Bernardo Pasquini und George Antheil, zu.

Im Bereich Musical gelangen neben den erwähnten die schon für die aktuelle Saison geplanten, aber verschobenen Stücke „Priscilla — Königin der Wüste“ von Stephan Elliott und als Uraufführung „Fanny und Alexander“ nach dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergman zur Aufführung. Wieder zu erleben wird die großartige Daniela Dett in und als „Piaf“ sein.

39 Neuproduktionen

Insgesamt sind in der kommenden Spielzeit 39 Neuproduktionen vorgesehen, darunter sieben Uraufführungen, vier österreichische und eine deutschsprachige Erstaufführung. Die Anzahl der Premieren in der kommenden Saison orientiert sich an den Spielplänen der vergangenen Jahre, bleibt also in etwa gleich, lediglich im Bereich Junges Theater wird deutlich mehr geboten. Die Anzahl der Premieren hat sich laut Schneider nahezu verdoppelt. Hier ragt „Die Weiße Rose“ von Petra Wüllenweber anlässlich von Sophie Scholls 100. Geburtstag heraus.

Sollten entsprechende Öffnungsschritte im Mai wie geplant möglich sein, dann könnte auch in der aktuellen, bis Mitte Juli laufenden Spielsaison noch die eine oder andere Premiere oder Wiederaufnahme zu sehen sein, so Schneider. Ein solches Vorhaben unterstützt Landeshauptmann Thomas Stelzer: „Wenn die Entwicklungen so bleiben, dann ist es auch verantwortbar, im Mai alle Bereiche und eben auch die Kultur in einem gewissen Rahmen und mit Sicherheitsvorkehrungen zu öffnen.“

Er freue sich über den „ambitionierten, breiten und vielfältigen Spielplan“ für die kommende Saison, besonders auch über die „verstärkte Kooperation mit jungen Künstlern“: An der Musical-Produktion „Grimm. Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ (ab 12 Jahre) mit Musik von Thomas Zaufke und einem Text von Peter Lund werden unter dem Titel „Jugend spielt Musical“ Schüler aus dem Oö. Landesmusikschulwerk beteiligt sein: „Es ist ein wichtiges Markenzeichen für die Kultur unseres Landes, das große Miteinander zu suchen“, so Stelzer.

Poschner-Festpiele

„Unglaubliche Highlights“ bietet die Spielsaison auch für den Chefdirigenten des Bruckner Orchesters Markus Poschner, der erstmals drei Premieren begleiten wird: „,La Bohème´, ,Figaro´ und ,Parzifal´ bedeuten innere Festspiele für mich“, freut sich Poschner. Die Proben für die Puccini-Oper würden demnächst beginnen.

Abonnenments für die Spielzeit 21/22 werden laut kaufmännischem Geschäftsführer Thomas Königstorfer in den kommenden Tagen veröffentlicht und ab Mai zum Verkauf angeboten. Der freie Verkauf soll im Juni starten.

Von Melanie Wagenhofer

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