Klassisches Klangwolkenkonzert vom „Nachbar“ gerettet

Hans Graf dirigierte
Hans Graf dirigierte © LIVA

Das nö. Tonkünstler-Orchester in Großbesetzung stellte sich für die „Klassische Klangwolke 20“ am Samstag als Einspringer zur Verfügung und kam statt der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, die mit ihrem Chef Pietari Inkinen wegen Corona absagen mussten.

Mit unseren „Nachbarn“ kam der in OÖ 1949 geborene und als Dirigent in der weiten Welt bekannte Hans Graf zum Einsatz. Er übernahm auch das geplante Konzert „Brahms IV gegen Bruckner VII“ als Thema des diesjährigen Brucknerfestes („Kontroverse“). Bruckners „Siebte“ entstand von 1881 bis 1883 in Wien.

Mit Arthur Nikisch gelang bereits 1984 in Leipzig die begeisterte Uraufführung. Eine Kontroverse dieser beiden Sinfonien Brahms Nr. 4 e-Moll und Bruckner Nr. 7 E-Dur fand schon in Wien 1886 unter Hans Richter mit den Wiener Philharmonikern statt, erregte dabei aber nur Achtungserfolg.

Begeisterung von Beginn an

Hier im Brucknerhaus war bereits nach dem 1. Satz von Brahms die Begeisterung des Publikums hörbar geworden. Der vermeintliche „Gegenspieler“ Bruckners fand bei seiner vierten und letzten Sinfonie nicht den kämpferischen Charakter wie bei den Vorgängern, sondern das Werk gilt als die „Elegische“ mit stilvollen Mitteln der Barockmeister, bei der die strenge Kunst einer Chaconne, aber auch die strahlenden Klänge mit prunkhaft archaischen Zügen der Harmonik mit Grafs Führungskunst als Dirigent wunderbar ausgekostet wurde. Schon vor der Pause gab es Jubel und Applaus.

Mit Bruckners „Siebter“ schaffte der schon 60-jährige Komponist den Durchbruch, den auch Eduard Hansliks Verunglimpfung als „symphonische Riesenschlange“ nicht aufhalten konnte. Der überwältigende Erfolg führte dazu, dass in diesem Werk keine gravierenden Änderungen vorgenommen wurden und deshalb nur eine Fassung vorliegt. Die Tonkünstler stellten in Linz ihre Meisterschaft der Interpretationskunst unter Beweis.

Klanggewaltig aufbrausend, aber auch im klagenden Trauerchoral dezent im Blech und sensibel emotional geladen in den Streicherpassagen. Hans Graf lenkte die Werkdramaturgie Bruckners mit sicherer Gestik und wurde gemeinsam mit dem Orchester mit langen Bravorufen bedankt.

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