„Klaus Luger hat unsere Institution schwer beschädigt“

SPÖ und FPÖ stimmten im Gleichklang gegen den Theatervertrag

Auf das Musiktheater könnten schwierige Zeiten zukommen.
Auf das Musiktheater könnten schwierige Zeiten zukommen. © Reinhard Winkler

Der erwartete Imageschaden für die Kulturszene in Linz und Oberösterreich ist eingetroffen: Der Linzer Gemeinderat hat am Donnerstag den Ausstieg aus dem Theatervertrag mit dem Land OÖ beschlossen. Geschlossen gegen den Vertrag marschiert sind dabei FPÖ und SPÖ, gegen die Auflösung waren ÖVP, Grüne, Neos und KPÖ. Bgm. Klaus Luger begründet seinen Schritt, der 2020 schlagend wird, mit einer Schieflage bei den Transferzahlungen zwischen Stadt und Land. Luger moniert, beim Theatervertrag mit einem Minus von 5,6 Mio. Euro dazustehen.

„Rund 1000 Mitarbeiter nicht hängen lassen“

„Wir als Land Oberösterreich werden unsere Verantwortung wahrnehmen und das Landestheater und Bruckner Orchester Linz mit seinen mehr als 1000 Mitarbeitern nicht hängen lassen“, betonte LH Thomas Stelzer am Donnerstag. Bürgermeister Klaus Luger fühlte sich berufen, das Bruckner Orchester (BOL) auch weiterhin als Residenzorchester des Brucknerhauses zu betrachten. Da das BOL rund zehn Mal im Jahr gratis für die LIVA auftritt, wird Luger nach Aufkündigung des Vertrages, der auch das Künstlerische betrifft, wohl in die Geldtasche greifen und weitere Zugeständnisse machen müssen.

„Ein kulturpolitisch katastrophales Signal haben SPÖ und FPÖ soeben im Gemeinderat gesetzt“, sagte Stadträtin Eva Schobesberger von den Grünen. Auch ÖVP-Vbgm. Bernhard Baier fürchtet, dass die Kündigung dem Ruf der Stadt schaden werde. Der Ausstieg sei „verantwortungslos und kurzsichtig“. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer wies darauf hin, dass die „größte Erfolgsgeschichte von Linz“ im Kulturbereich — 2009 Europäische Kulturhauptstadt — ohne die Mitwirkung des Landes gar nicht möglich gewesen wäre.

„Die Auflösung des Vertrags habe ich erwartet, aber ich bin enttäuscht, dass wir hinterhältig getäuscht wurden, weil man nicht mit uns geredet hat“, sagte Landestheater-Intendant Hermann Schneider zum VOLKSBLATT. Das sei die Arroganz der Macht. Er sei betroffen, dass die Kulturhauptstadt 2009 nicht einmal für zehn Jahre ihre Strahlkraft bewahrt habe. Dies sei bei der FPÖ vorhersehbar gewesen, bei der SPÖ nicht. Er könne an den Landeshauptmann Stelzer keine Forderung stellen, hoffe aber, dass bei der Aufsichtsratssitzung am 14. Dezember positive Signale bezüglich Finanzen kommen könnten. „Von Luger erwarte ich nichts mehr.“

„Den Optimismus habe ich mir abgeschminkt. Bezüglich Spielzeit 2019/20 bin ich ab sofort nicht mehr handlungsfähig“, betonte der Intendant. Es gebe keine sichere Planung mehr für eine Spielzeit, die in neun Monaten beginne, aber längst geplant sei. Er könne seine Vorhaben momentan nicht einhalten. Bis es hier zu konkreten Zusagen komme, würden Monate vergehen. „Durch den Wegfall des Vorverkaufs in dieser Zeit hat Luger unserer Institution schwer beschädigt“, ist Schneider erzürnt. Dennoch bereue er es nicht, nach Linz gekommen zu sein. Auch einer Vertragsverlängerung 2019 stehe er positiv gegenüber. „Ich will in dieser Stadt arbeiten, aber nicht um jeden Preis“, so Schneider, Intendant und Regisseur. Er könne sich über Angebote nicht beklagen.

Ph. W.