Kleine Auszeiten, damit die Schule Eltern und Kinder nicht überfordert

Bedenken, was Corona-Maßnahmen mit dem Nachwuchs machen

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LINZ – Zu Schulbeginn steigt generell der Stresspegel – vor allem bei den Müttern – , gilt es doch den Nachwuchs bestens auf den Schulstart vorzubereiten. Diesen Herbst kommt hinzu, dass keiner weiß, welche Überraschungen und Maßnahmen das Coronavirus mit sich bringen wird. „Vielfach haben die Schulschießungen im Sommersemester die Eltern an den Rand ihrer Belastungs- kapazitäten gebracht. Das Homeschooling war extrem fordernd, die Akkus waren leer und konnten hoffentlich im Sommer aufgetankt werden“, sagt Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Psychotherapeutin der Telefonseelsorge, im VOLKSBLATT-Gespräch. Sie hat gemeinsam mit ihren Kollegen vermehrten Beratungsbedarf erlebt.

Allein der Gedanke, daran, dass es bald wieder so weit sein könnte, dass Schulen schließen, könne Angst machen. Die Psychotherapeutin rät Müttern, „ihren Perfektionismus abzulegen und sich zumindest kleine Auszeiten – und wenn es nur ein Kaffee in Ruhe ist – zu gönnen.“ Oder einmal eine Freundin zu bitten, die Kinder zu nehmen, wenn die Großeltern als „Babysitter“ ausfallen.

„Kinder brauchen andere Kinder“

„Der Lockdown hat auch die Entwicklung der Kinder beeinflusst. Denn Kinder brauchen für ihren sozialen Umgang andere Kinder. Aber auch das Abstandhalten und Maskentragen macht etwas mit ihnen, die Berührung kommt zu kurz“, weiß Psychiater Thomas Kapitany, Ärztlicher Leiter des Kriseninterventionszentrums Wien.

Natürlich hätten die Kinder durch das Homeschooling vermehrt gelernt, mit den technischen Tools umzugehen, gleichzeitig trugen diese aber zu einer gewissen Isolation bei.

Auch der Landesverband der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen hofft, dass nun wieder die ersehnte Tagesstruktur einkehrt. Gleichzeitig tun sich Fragen auf: Wie wird sich die Lagen entwickeln? Wie wirkt sich eine neuerliche Phase von Distance-Learning auf mein Kind aus? Präsident Helmut Hodanek betont, dass es in der Schule nicht nur um Wissensvermittlung geht, sondern auch darum, dass durch das Agieren in der Gruppe soziale Kompetenzen ausgebildet und verfeinert werden. Die nonverbale Kommunikation werde durch den Mund-Nasen-Schutz schwierig. Er mahnt, dass bei allen Entscheidungen bedacht wird, welchen Einfluss sie auf die Zukunft der Kinder haben.

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