Kleiner kantiger Keil

Mehr als sieben Millionen Exemplare des kleinen Jazz hat die japanische Autoschmiede Honda seit 2001 abgesetzt. Hierzulande ist der Kleinwagen noch ein Geheimtipp – doch das soll sich mit dem 130 PS starken Benziner ändern.

Von Oliver Koch

Das Segment der Kleinwagen erfreut sich – no na net – besonders im urbanen Raum großer Beliebtheit, man denke nur an die Wendigkeit. Honda hat hier im Portfolio den Jazz zu bieten, der aber hierzulande eher als Geheimtipp gilt. Daher haben die Japaner im aktuellen, leicht modifizierten Jazz einen stärkeren Motor verbaut und auch optisch wurde der Kleinwagen überarbeitet.

Die aktuelle Version verfügt nun über hat geänderte Scheinwerfer und Tagfahrlichter, auch die Heckpartie wirkt jetzt präsenter und knackiger, vorne wirkt der Wagen wegen seiner scharfen Konturen wie ein Keil, wodurch er aggressiv und dynamisch wirkt.

Typenschein

Honda Jazz 1.5 i-VTEC Dynamic

Preis: ab € 21.790,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 22.875,- inklusive Platinum White Pearllackierung € 445,- und Honda Connect Navigation € 640,-; einen Honda Jazz (1.3 i-VTEC Trend) gibt es ab € 17.990,-
NoVA/Steuer: 9 %/ € 538,56 jährlich
Garantie: 3 Jahre bis max. 100.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: laut Serviceheft bzw. Bordcomputer

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, 1498 cm³, 96 kW/130 PS bei 6600 U/min, max. Drehmoment 155 Nm bei 4600 U/min
Getriebe: Sechsgangschaltung
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,7 s
Leistungsgewicht: 8,48 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 7,2/5,1/5,9 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 7,2 Liter
CO2-Ausstoß: 134 g/km
NOx: 0,0041 g/km; Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4051/1694/1550 mm
Radstand: 2530 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1102/1605 kg
Kofferraum: 354-1314 Liter
Tank: 40 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 185/55 R16 82H auf 16“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/RSR/LDW
Airbags: 6

Der exakt verarbeitete Innenraum verströmt einen Mix aus modern und Retro-Design. Am besten ersichtlich ist das anhand der Mittelkonsole: Oben prangt der digitale, farbenfrohe Touchscreen, einen Knopf zur Regulierung der Lautstärke sucht man indessen vergebens – stattdessen darf man auf der Touch-Sensitivleiste nach oben (lauter) oder nach unten (leiser) streichen um den Sound zu steuern; und darunter befinden sich die Drehregler für die Klimaanlage mit einem Highlight aus den 70er- oder 80er-Jahren, einen Schieberegler für Umluft oder Frischluft.

Generell ist die Bedienung des Infotainmentsystems etwas sperrig und nicht wirklich intuitiv – das haben andere Hersteller besser gelöst. Dafür fällt das Platzangebot für einen Kleinwagen riesig aus, speziell Fahrer und Beifahrer profitieren von großzügigen Platzverhältnissen. Puncto Ablagen zeigt sich der Jazz ebenfalls ausreichend ausgestattet, ins Auge sticht der größenverstellbare Becherhalter für den Fahrer links des Lenkrads.

Magische Sitze

Das sehr gut verarbeitete Gepäckabteil fasst wohlfeile 354 Liter, wartet mit einer hoch aufschwingenden Heckklappe und einer niedrigen Ladekante auf, weshalb sich der Jazz auch als Transporter – was man aufgrund seiner Länge von gerade einmal 4,05 Metern nicht annehmen würde – empfiehlt. Dank der Magic Seats kann sich auch die Innenraumvariabilität sehen lassen. Diese sind eigentlich der Clou an dem Wagen: Wie Kinositze kann man nämlich die hinteren Sitzflächen nach oben klappen, dadurch lassen sich im Fond auch hohe Gegenstände gut transportieren. Klappt man die Rücksitzlehnen nach unten, senken sich die Sitzflächen mit ab und man erhält einen phänomenalen, ebenen Laderaum für das Mountainbike oder den Kinderwagen.

Weil sich zusätzlich der Beifahrersitz umklappen lässt, steigt die Ladeflächenlänge auf 2,48 Meter – so wird der Kleinwagen zum Transporter selbst für große und lange Sachen, wie etwa Regale.

Unter der Haube werkt ein 130 PS starker Benziner, der laufruhig und leise agiert. Für den 1100 Kilo schweren Fünftürer ist dieses Aggregat damit mehr als ausreichend, denn er beschleunigt hurtig und knackt beispielsweise nach 8,7 Sekunden die Hundertermarke. Doch damit diese guten Beschleunigungswerte zustande kommen können, braucht der Motor hohe Drehzahlen; auch deswegen wurde die Getriebeübersetzung von Honda kurz gewählt. Und Stichwort Getriebe: Die Sechsgangschaltung lässt sich leicht, präzise und schnell führen, die darüber hinaus im Alltag dem Fahrer nicht allzu viele Schaltvorgänge abverlangt. Die hurtige Melange aus Motor und Getriebe hat aber auch eine Kehrseite; der Verbrauch fällt mit 7,2 Litern relativ hoch aus.

Auf der Habenseite verbucht der Japaner indessen eine veritable Kurvenlage, eine angenehm straffe Federung und standfeste, gut dosierbare Bremsen. Schade nur, dass die Lenkung etwas schwammig ist. In Bezug auf Assistenzsysteme zeigt sich der knapp 23.000 Euro teure Wagen solide ausgestattet.

Fazit: Außen kantig gezeichnet, entpuppt sich der spurtstarke Honda Jazz beim Fahren als richtig runde Sache. Wie gewohnt ist der Fünfsitzer kein Schnäppchen, aber durchaus eine Überlegung wert, wenn man auf der Suche nach einem kräftigen Kleinwagen ist, der noch dazu ziemlich schlau konzipiert ist.

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