Klimakrise verliert bei Zeitungen gegen Pandemie und Krieg

Ukraine-Krieg und Pandemie verdrängten die Klimakrise aus Zeitungen © APA/GEORG HOCHMUTH

Klimakrise, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg: So übel das Dreiergespann für die Gesamtsituation, so viel Stoff gibt es für Medienhäuser zu berichten. Wie eine Langzeitanalyse der APA-Comm zeigt, hat es aber speziell die Klimakrise schwer, sich neben den beiden in der Printberichterstattung heimischer Tageszeitungen zu behaupten. Von 2018 auf 2019 stieg das Interesse zwar markant an der Thematik an, mit Corona sackte es aber sogleich wieder deutlich ab.

Der Medienbeobachter und PR-Dienstleister APA-Comm wertete ab 2010 die Anzahl der Beiträge in den Printausgaben der österreichischen Tageszeitungen aus, die das Wort Klimakrise oder weitere verwandte Begriffe wie Klimawandel, Klimaerwärmung, Klimakatastrophe enthielten. Dabei zeigt sich, dass bis inkl. 2016 um die 5.000 Beiträge pro Jahr einen der Begriffe aufwiesen. Mit 2017 kam es zu einem Anstieg auf rund 7.200. Im Jahr 2019 verdreifachte sich die Meldungsanzahl sprunghaft auf ca. 21.400. Damals besuchte die Klimaaktivistin Greta Thunberg nicht nur diverse Klimagipfel, um den Mächtigen dieser Welt ins Gewissen zu reden. Auch die Fridays For Future-Bewegung startete in Österreich durch, und das Europäische Parlament rief den Klimanotstand aus.

Im Jahr darauf sackte die Aufmerksamkeit für den Klimawandel wieder um rund ein Drittel auf ca. 14.400 Beiträge ab. Erklärbar ist das wohl unter anderem mit der Corona-Pandemie, die speziell ab März 2020 die Titelseiten des Landes dominierte. Im gesamten Jahr 2020 registrierte APA-Comm in ca. 220.000 Beiträgen die Wörter „Corona“ oder „Covid“ – und damit in etwa fünfzehn Mal so oft wie die Klimakrise. Mitten im ersten bundesweiten Lockdown wurde von 23. bis 29. März mit ca. 6.800 Beiträgen in den heimischen Tageszeitungen die intensivste Corona-Berichterstattungswoche registriert.

Im Vorjahr war das Medieninteresse an der Pandemie weiterhin gewaltig, wenngleich mit rund 178.000 Beiträgen etwas geringer als noch 2020. Damit war für die Klimakrise wieder etwas mehr Raum gegeben. Die rund 18.600 Meldungen zum Thema im Jahr 2021 blieben aber unter dem Niveau von 2019 (21.400).

Für heuer zeichnet sich ein weiterer Rückgang ab. Bis inkl. Juni kamen der Klimawandel oder verwandte Begriffe rund 7.900 Mal in Beiträgen von Tageszeitungsprintausgaben vor. Bei einer simplen Verdoppelung läge die Zahl unterhalb des Vorjahreswerts. Dabei ist zeitgleich auch die Corona-Berichterstattung weiter rückläufig. 52.400 Beiträge zählte APA-Comm bis Ende Juni.

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Die Finger mit im Spiel hat hier zweifellos der Ukraine-Krieg. 24.000 Meldungen hatten ihn im 1. Halbjahr in Printausgaben zum Thema oder erwähnt. Damit ist er in absoluten Zahlen dreimal präsenter als die Klimakrise und kommt in etwa halb so häufig wie die Corona-Pandemie vor. Aber auch hier ist im Zeitverlauf eine sinkende Beitragszahl zu beobachten. Intensivstes Monat war mit rund 9.200 Beiträgen der März kurz nach dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine. Im April waren es 5.075 Meldungen, im Mai 3.760, im Juni 2.630.

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