Klubobfrau Kirchmayr: „Zeit für Zusammenarbeit, nicht für Wahlkampf“

Klubobfrau Kirchmayr über Corona, die Arbeit im Landtag und die Zeit bis zur Geburt ihres Kindes

Im Oktober erwartet OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr ihr zweites Kind, ans Kürzertreten denkt sie aber noch nicht. Sie wolle arbeiten, „so lange es geht, denn ich bin schwanger und nicht krank“sagt sie im VOLKSBLATT-Gespräch. Ob es ein Mädchen oder ein Bub wird, wisse sie nicht, aber ihre Tochter Magdalena sei schon sehr neugierig, ob sie einen Bruder oder eine Schwester bekomme, so Kirchmayr.
Im Oktober erwartet OÖVP-Klubobfrau Helena Kirchmayr ihr zweites Kind, ans Kürzertreten denkt sie aber noch nicht. Sie wolle arbeiten, „so lange es geht, denn ich bin schwanger und nicht krank“sagt sie im VOLKSBLATT-Gespräch. Ob es ein Mädchen oder ein Bub wird, wisse sie nicht, aber ihre Tochter Magdalena sei schon sehr neugierig, ob sie einen Bruder oder eine Schwester bekomme, so Kirchmayr. © OÖVP-Klub/Wakolbinger

VOLKSBLATT: Hat die Corona-Pandemie Ihren politischen Arbeitsalltag eigentlich nachhaltig verändert?

KIRCHMAYR: Die Corona-Pandemie war und ist eine enorme Herausforderung. Nicht nur für die Politik, sondern für uns als Gesellschaft. Also ja, die Pandemie beeinflusst unser aller Leben. Die wenigsten Menschen meiner Generation haben jemals solch einschneidende Maßnahmen erlebt wie wir sie in diesem Frühjahr erlebt haben. Ich bin sehr froh, dass wir bisher alles so gut bewältigt haben. Es ist ein enormer Kraftakt, der uns in der Politik mehr denn je fordert, zusammenzuarbeiten und besondere Maßnahmen zu ergreifen.

So haben wir unseren Null-Schulden-Kurs vorübergehend verlassen, um jene Kraft, die wir uns in den letzten Jahren antrainiert haben, für Oberösterreich einzusetzen. Wir haben immer betont, aus Schulden Chancen machen zu wollen. Heute können wir sogar noch mehr – wir können Sorgen lindern. Wir können den Menschen, wir können den Unternehmern in Oberösterreich Perspektiven bieten. Oberösterreich wieder stark machen – das ist unser Ziel. Deshalb haben wir in guten Zeiten gespart – damit wir dann helfen können, wenn es notwendig ist.

Politik lebt vom unmittelbaren Kontakt mit den Menschen, der muss eingeschränkt bleiben. Wie erreicht man die Menschen trotzdem?

Wir haben viel aus der Corona-Pandemie gelernt. Zum Beispiel, dass nicht jede Besprechung von Angesicht zu Angesicht geführt werden muss. Wir haben Sprechtage sehr rasch auf digitale Formate wie WhatsApp umgestellt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das werden wir auf jeden Fall beibehalten. Ich bin der Meinung, dass es kein „nur digital“ oder kein „nur Stammtisch“ geben kann – es ist die Mischung, die es ausmacht. Dennoch: Ein Gespräch über den Bildschirm kann ein persönliches Treffen nicht immer ersetzen. Das gilt vor allem für den Bürgerkontakt, den wir jetzt zumindest mit Abstand wieder pflegen können.

Einige Zeit gab es bei der Krisenbewältigung über die Parteigrenzen hinweg eine politische Geschlossenheit, die nun abhanden zu kommen scheint. Sind wir schon im Wahlkampf?

Für mich gibt es einen wichtigen Grundsatz, an dem ich mich stets orientiere: Wer für Oberösterreich etwas zusammenbringen will, muss Standpunkte zusammenbringen. Im Landtag – und in der täglichen Arbeit. Dieser Grundsatz gilt in dieser besonderen Zeit mehr denn je. Es wird momentan viel über Normalität geredet. Ich möchte gerne erklären, was für mich Normalität bedeutet: Normal ist, für sein Land zu arbeiten. Notwendig ist es, sich für Oberösterreich mit ganzer Kraft einzusetzen. Nicht normal ist es für mich, in Zeiten wie diesen den Streit zu suchen und auf die Zusammenarbeit zu vergessen. Jetzt ist nicht die Zeit für Gegeneinander – jetzt ist die Zeit für Zusammenhalt. Und ganz ehrlich: Jetzt ist vor allem nicht die Zeit für Wahlkampf. Arbeit und Zusammenarbeit – das ist der richtige Weg, um gut durch diese Krise zukommen.

Stichwort Wahlkampf: Als bald zweifache Mutter wird der wohl bei Ihnen sehr eingeschränkt sein.

Wir wählen im Herbst 2021 – bis dahin gibt es noch zu viel zu tun, als dass wir jetzt über Wahlkampf nachdenken sollten. Wenn wir nächstes Jahr wieder miteinander reden, können Sie mir diese Frage gerne stellen. Aber um Ihre Frage nach meinem Engagement mit bald zwei Kindern zu beantworten: Ich weiß aus den Erfahrungen mit meiner ersten Tochter, dass vieles eine Frage der Organisation ist. Und ich habe zudem das große Glück, dass mich meine Familie sehr unterstützt.

Jetzt kommt der Sommer – wie und wo können Sie ausspannen?

Ausspannen ist momentan nicht wirklich in meinem Vokabular. Ich habe eine Baustelle zuhause, bin hochschwanger und das Arbeitspensum ist mit Corona auch gewaltig gestiegen.

Viele Eltern sind besorgt, ob es mit der Kinderbetreuung klappt. Reicht das Angebot, wo sollte man nachbessern?

Unser Bestreben ist es, Betreuungsplätze bedarfsgerecht anzubieten. Das Angebot orientiert sich an der Nachfrage, die in den letzten eineinhalb Monaten bei den Bürgermeistern abgefragt wurde. Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander hat das Angebot massiv erweitert, mit dem Covid19-Gesetz die Landesbeiträge voll abgesichert und zusätzliche Mittel für Ferienbetreuung freigegeben. Ich denke, dass wir damit einen großen Beitrag leisten, um Familien im Sommer zu unterstützen und den Gemeinden damit auch finanziell stark unter die Arme greifen.

Manche Themen sind von Corona verdrängt worden. Wo bedauern Sie das besonders?

Im Umweltbereich. Wir warten seit fast einem Jahr auf einen Entwurf des Abfallwirtschaftsgesetzes, zu dem wir uns bereits mit vielen wichtigen Organisationen ausgetauscht haben. Ich denke dabei an die Verwendung von Mehrweg und an die hunderten Vereine in Oberösterreich, die sich ihre Vereinstätigkeit durch Feste finanzieren. Und ein weiteres wichtiges Thema: Das achtlose Wegwerfen von Müll in der Natur. In Oberösterreichs Straßengräben landen jährlich 650 Tonnen Müll. Das verursacht nicht nur immense Kosten, sondern hat auch weitreichendere Folgen wie verseuchtes Tierfutter, Mikroplastik und verunreinigter Boden.

Sie sind im OÖVP-Klub unter anderem Sprecherin für Digitalisierung. Wie groß ist hier, gemessen auch an den Erfahrungen mit dem Corona-Lockdown, der Aufholbedarf?

Oberösterreich nutzt die Breitbandmilliarde des Bundes am stärksten und ist im Breitbandausbau das führende Bundesland. Für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich ist das von immenser Bedeutung. Die Notwendigkeit eines flächendeckenden Ausbaus hat sich in der Zeit des Lockdowns bestätigt: Das Arbeiten von Zuhause ist ein Modell, das an Bedeutung gewinnt, aber natürlich auch die nötigen Voraussetzungen braucht. Ich sehe uns dabei auf einem sehr guten Weg, der Ausbau ist aber nichts, was von heute auf morgen vollständig durchgeführt werden kann.

Im heurigen Oktober haben Sie auch Ihr fünfjähriges Amtsjubiläum als OÖVP-Klubobfrau. Im Rückblick betrachtet: Was war für Sie die größte Herausforderung in dieser Funktion?

Jeder Tag ist aufs Neue eine große Herausforderung. Mein Ziel ist es, alle auf einen gemeinsamen Weg für Oberösterreich zu bringen, weil dies auch der Weg zum Erfolg ist.

Warum engagieren Sie sich eigentlich in der Multiple Sklerose Gesellschaft?

Ich finde es wichtig, dass sich Menschen für jene einsetzen, die es im Leben schwerer haben. Mir geht es darum, ein Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen, den Anliegen und Sorgen der Betroffenen eine Stimme zu geben und ihnen damit auch ein Stück weit den Rücken zu stärken. Dieses Engagement ist mir persönlich sehr wichtig. Was mich besonders beeindruckt ist, wie positiv viele Betroffene und Angehörige, die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte und um die wir uns in der Multiple Sklerose Gesellschaft annehmen, mit dieser Krankheit umgehen.

In der politischen Auszeit vor der Geburt könnten Sie ein bisschen mehr Zeit für Ihr Hobby Lesen haben: Haben Sie schon eine Lektüre-Liste im Kopf?

Ich lese grundsätzlich sehr gerne, wenn auch momentan aufgrund des dichten Programms eher wenig. Ich fürchte, dass vor der Geburt für große Lektüre eher weniger Zeit bleibt, dem VOLKSBLATT werde ich aber auch in der Zeit treu bleiben.

Mit OÖVP-Klubobfrau HELENA KIRCHMAYR sprach Markus Ebert

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