Knall und Hall im Marmorsaal

Originelles Eröffnungskonzert bei den „Brucknertagen“ in St. Florian

Unverkrampfter Umgang der Musiker mit Bruckner
Unverkrampfter Umgang der Musiker mit Bruckner © R. Winkler

Von Paul Stepanek

Anton Bruckners „Siebte“ Sinfonie ist das beherrschende Thema der diesjährigen „St. Florianer Brucknertage“, die am 12. August im Marmorsaal des Stiftes St. Florian mit einem mehr als originellen Konzert des „European Brass Collective“ eröffnet wurden. Stil und Ablauf des Abends signalisierten: Wir gehen unverkrampft mit dem Thema Bruckner um und wollen offene Wege zum Kosmos seiner Musik aufzeigen. Bruckner-Brubeck-Britten lautete die Reihenfolge des Programms, in die sich freilich auch Keiko Abe und Kurt Weill mischten, ohne mit „Br“ etwas zu tun zu haben. Bruckner wurde ausgiebig und gekonnt mit einem Arrangement des Scherzos der „Siebten“ von Dirigent Daniel Perpinan und einer sehr gelungenen „Bruckner Fantasy“ von Paul Frost gehuldigt. Dazwischen schob sich ein jazziges „Blue Rondo alla Turk“ von Dave Brubeck und die „Prism Rhapsody“ von Keiko Abe, deren vielfältige Klangflächen auf der Marimba vom jungen Oberösterreicher Jürgen Leitner virtuos-differenziert präsentiert wurden. Apropos differenziert: Um die Saalakustik scherten sich die Bläser und Dirigent Perpinan einen Tinnef. So gut wie alle Stücke samt Zugaben landeten — oder strandeten — zumindest einmal in einem Fortissimo, das besorgte Blicke zur Saaldecke auslöste und knallig jedes musikalische Detail auslöschte.

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Es blieb genug reizvolle Substanz übrig, vor allem in Benjamin Brittens feinem Pausenruf „Fanfare for St. Edmundsbury“ und seinem „Russian Funeral“. Wie Kurt Weills „My Ship“ ins Programm kam, konnte nur durch eine Anekdote über Dave Brubeck erklärt werden. Abgesehen vom schon charakterisierten akustischen „Overdrive“, machte die bejubelte Eröffnung mit ihrem zwanglosen Stil Gusto auf mehr: Dies könnten die noch kommenden neun Veranstaltungen unter dem im Vergleich zur propagierten Lockerheit etwas hoch gegriffenen Motto „Der Triumph über Raum und Zeit“ durchaus einlösen.

Info: brucknertage.at