Kneissl in Dhaka: Bangladesch ortet “Win-Win-Situation”

Eine “Win-Win-Situation” für beide Staaten ortete Bangladeschs Außenminister Abdul Momen am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner Amtskollegin Karin Kneissl (FPÖ) in der Hauptstadt Dhaka. Bei den Gesprächen sei eine verstärkte Kooperation in den Bereichen Investment und Technologietransfer erörtert worden.

Im Zuge eines Luftfahrtabkommens, das in Bälde abgeschlossen wird, soll es in Zukunft auch Linienflüge zwischen Wien und Dhaka geben.

Momen erklärte, dass es für österreichische Firmen unterschiedlichste Bereiche gebe, in kleinem oder großem Stil in dem südasiatischen Land zu investieren. Kneissl strich die Beteiligung österreichischer Firmen im Wirtschaftsprozess Bangladeschs bevor, die vorwiegend im Bausektor und in der Medizintechnik engagiert sind. “Bangladesch bietet Österreich einen großen Markt von 160 Millionen Menschen.”

Gemeinsam mit Außenminister Momen und seinem Kollegen für Information und Kommunikationstechnologie, Zunaid Ahmed Palak, nahm sie auch an einem Business-Lunch mit österreichischen Firmen teil, die in Bangladesch engagiert sind. Vertreter waren unter anderem die Unternehmen Andritz Hydro, bit media, Rosenbauer, VACE Systemtechnik, VAMED, Red Bull und die Raiffeisenbank.

Das asiatische Land ist am Sprung, die von der UNO definierte Kategorie der “Least Developed Countries” zu verlassen und bis 2024 als Entwicklungsland eingestuft zu werden. Im Wirtschaftsbereich zeigt es sich besonders an österreichischer Expertise und Technologien zur dezentralen und nachhaltigen Energiegewinnung interessiert. Zudem sieht Bangladesch die Erschließung und Nutzung von Wasserkraft als mögliches zukünftiges Feld der Zusammenarbeit mit Österreich. Derzeit sind rund 30 österreichische Firmen in Bangladesch vertreten.

Außenminister Momen erinnerte auch daran, dass Österreich eine führende Rolle im Unabhängigkeitsprozess seines Landes gespielt habe, weil Wien 1972 die Eigenständigkeit des zuvor zu Pakistan gehörenden Landes als einer der ersten Staaten anerkannt habe. Kneissl wiederum lobte die “beeindruckende Entwicklung” Bangladeschs in den vergangenen zehn Jahren. Es sei gelungen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in diesem Zeitraum zu verdreifachen. Es beträgt freilich mit 4.600 US-Dollar (4.082,36 Euro) immer noch nur rund ein Zehntel des österreichischen Werts (42.060 Euro pro Einwohner).

Kneissl betonte bei der Pressekonferenz neuerlich, dass Österreich 500.000 Euro aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung stellen wird, um Bangladesch die Betreuung von Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar zu erleichtern. Bangladesch habe viel humanitäre Hilfe geleistet. Längerfristig müssten aber die Bedingungen für eine Rückkehr der Geflohenen ermöglicht werden. Rund eine Million zur muslimischen Minderheit zählenden Rohingya flüchtete seit 2017 vor Diskriminierung und Gewalt aus ihrer mehrheitlich buddhistischen Heimat in das überwiegend islamische Bangladesch.

Am Nachmittag (Ortszeit) wurde Kneissl von einer Kinderschar erwartet. Sie werden üblicherweise im Rahmen eines von Österreich mitfinanzierten Hilfsprojekts “Hope87” mit einem Schulbus (“Mobile Quality School Bus”) von den Slums abgeholt und zum Unterricht gebracht. Für Kneissl wurde der Bus am Parkplatz eines Hotels im Stadtzentrum von Dhaka zur Inspektion abgestellt.

Zudem stand am Mittwoch auch ein Höflichkeitsbesuch bei Ministerpräsidentin Sheikh Hasina auf dem Programm. Hasina war am 7. Jänner zum vierten Mal als Premierministerin vereidigt worden. Die 71-Jährige ist eine Tochter des Staatsgründers Scheich Mujibur Rahman, des 1975 ermordeten ersten Präsidenten von Bangladesch. Sie ist seit 2009 im Amt und regierte auch schon von 1996 bis 2001. Die Opposition sowie Menschenrechtsaktivisten werfen Hasina einen autoritären Regierungsstil vor.

Kneissl, die in den frühen Morgenstunden in Dhaka angekommen war, hatte am Mittwoch aber einen langen Tag zu bewältigen. Nach einer “Networking Dinner Reception” war beim Denkmal Shaneed Minar eine Kranzniederlegung geplant. Das Muttersprachen-Monument erinnert an die bangladeschischen Studenten, die vor der Eigenständigkeit des Landes im Rahmen der Bewegung für die Anerkennung des Bengalischen als Staatssprache in Pakistan bei Demonstrationen im Februar 1952 ihr Leben ließen. Das Denkmal soll auch an die Bedeutung der bengalischen Sprache für die soziale und kulturell Entwicklung von Bangladesch erinnern. Im Zuge der Teilung Indiens 1947 war die historische Region Bengalen in einen indischen Teil – heute Unionsstaat Westbengalen – und in einen pakistanischen Teil – das heutige Bangladesch – geteilt worden.

Der 21. Februar (Donnerstag) ist als “Tag der Muttersprachen” ein wichtiger Feiertag in Bangladesch. Kneissl zeigt sich erfreut, diesen Feiertag in Dhaka begehen zu können. Als Autorin mehrerer Bücher wisse sie um die Bedeutung von Sprache Bescheid, sagte die Außenministerin. Es sei ihr auch 5wichtig, vor jedem Besuch in einem Staat einen Roman dieses Landes zu lesen.