Arbeitskräftemangel fordert laut Köstinger Tourismus weiter

Obwohl durch die Kurzarbeit und die Verlängerung der Wiedereinstellungszusage während der Corona-Krise die Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Tourismus in andere Branchen deutlich gebremst wurde, ist im vergangenen Jahr die Anzahl der Tourismusbeschäftigten um mehr als 40.000 gesunken.

Besonders dramatisch sei der Rückgang bei der Einstellung von Lehrlingen gewesen, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion in Wien.

In Gastronomie und Tourismus seien im letzten Jahr um gut ein Viertel weniger Lehrlinge angestellt worden, was angesichts der unsicheren Situation nachvollziehbar sei, zumal „Training am Gast“ ja nicht möglich gewesen sei, sagte Köstinger. „Wir wollen daher bei den Lehrlingen einen Schwerpunkt setzen.“

„Arbeitskräftemangel gehört zu den größten Herausforderungen für unseren heimischen Tourismus“, so die Ministerin. „Das war bereits vor Corona ein großes Thema und wurde durch die Pandemie zusätzlich verschärft. Viele Arbeitskräfte und Lehrlinge sind in andere Branchen gewechselt.“ 2010 waren durchschnittlich noch 180.000 Menschen in der Hotellerie und Gastronomie tätig gewesen, bis 2019 stieg die Beschäftigung in dieser Branche auf mehr als 220.000. Durch die Krise wurde dieser Trend jedoch gestoppt: Im Coronajahr 2020 ging die Zahl der Tourismusmitarbeiter auf 178.025 zurück. „Wir müssen alles dafür tun, dass viele dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder zurückkehren in den Tourismus und junge Menschen motivieren, im Tourismus zu arbeiten.“

Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit in der Branche besonders hoch. „Wir haben 70.000 Menschen im Tourismus in der Arbeitslosigkeit, um 40.000 mehr, als das normalerweise zu diesem Zeitpunkt der Fall wäre“, sagte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP). Der Tourismus habe einen Anteil von 7,3 Prozent an der österreichischen Wertschöpfung, Österreich sei extrem abhängig von ausländischen Touristen.

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Die Arbeitslosigkeit habe sich in den letzten drei Monaten in allen Branchen entspannt, allerdings gebe es eine starke Zweiteilung am Arbeitsmarkt, mit einer bereits relativ guten Situation in der Industrie, am Bau sowie im Gewerbe und Handwerk, während Tourismus und Gastronomie noch immer in einer sehr schwierigen Lage seien. Aber mit der geplanten Öffnung am 19. Mai gebe es Grund zu Optimismus, „die schlimmste Zeit liegt glücklicherweise hinter uns“.

Derzeit seien insgesamt 240.000 Menschen in Österreich zur Kurzarbeit vorangemeldet, sagte Kocher. Diese Maßnahme werde von der Beherbergung und Gastronomie am meisten genutzt, mehr als vom Handel und vom Produktionssektor. Die Kurzarbeit habe gut funktioniert, „weil sie großzügig war“. 80 bis 90 Prozent der Leute, die im April 2020 in Kurzarbeit waren, hätten ihre Beschäftigung auch im Herbst noch gehabt.

Für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr sieht Kocher gute Chancen auf einen starken Konsum, allerdings werde die Erholung in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich sein. „Wir werden natürlich die Kurzarbeit so umgestalten in der Phase 5 ab 1. Juli, dass die Betriebe, die sie noch brauchen, eine Absicherung haben und die Kurzarbeit weiter nutzen können.“ Falls es im Herbst doch schlechter kommen sollte als erwartet, werde die Kurzarbeit wieder ein Sicherheitsnetz sein. Geplant sei, die Phase 5 der Kurzarbeit noch im Mai vorzustellen.

Man habe gesehen, dass die Öffnungsschritte im Handel sofort zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit geführt hätten, sagte Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Denselben Effekt erwarte man von den Öffnungen am 19. Mai und den großen geplanten Öffnungsschritten im Sommer. Es gebe aber eine Reihe von Branchen, etwa die Stadthotellerie oder den Kongress- und Messebereich, die das noch nicht spüren würden, „die brauchen weiterhin das Instrument der Kurzarbeit“, so Kopf, „und wir werden es noch eine ziemlich Zeit lang brauchen, in manchen Branchen sicher tief ins nächste Jahr hinein und wie wir gehört haben möglicherweise darüber hinaus“.

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