Köstinger sieht noch Hürden für EU-weiten grünen Pass

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Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sieht eine Herausforderung darin, mit allen EU-Staaten bis zum Sommer zu einer Einigung zum grünen Pass zu kommen, der das Reisen wieder ermöglichen soll.

Scheitert dies, wolle Österreich bilateral mit Nachbarstaaten Vereinbarungen treffen, kündigte sie am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ an. Hierzulande werde der grüne Pass noch vor einer EU-Lösung umgesetzt und Türen in die Gastronomie, Hotellerie und Dienstleistungen öffnen.

Öffnungen gibt es am 19. Mai. Vorerst hat man Zutritt mit negativen Testnachweisen, Impfnachweisen oder Genesungsnachweisen. Ab Anfang Juni soll es in Österreich als grünen Pass eine App bzw. Webanwendung mit QR-Code geben, die später EU-weit Gültigkeit haben soll. Darin ist ersichtlich, ob man gegen Corona geimpft, negativ getestet oder genesen ist.

Anti-Pandemie-Begleitmaßnahmen bleiben vorerst – Gästebeschränkungen, Abstand, FFP2-Maske wenn man sich im Gastraum bewegt. Botschaft: „Mit dem Impffortschritt wird es uns gelingen, bis zum Sommer durchaus weitere Lockerungen in Aussicht zu stellen“, kündigte die Politikerin an.

Details zum Wie der Öffnung ließ Köstinger offen. „Es wird morgen ein vielfaches mehr Klarheit geben“, sagte sie bezogen auf einen Gipfel mit den Landeshauptleuten am Montag. Für Gastronomie und Hotellerie kündigte sie an, dass diese mit Gratistests versorgt werden sollen, „damit es vor Ort so einfach wie möglich gehen kann“. Ein Test wird jeweils nur für eine Betriebsstätte gelten, nicht etwa für einen ganzen Tourismusort. Dass es kompliziert sei mit verschiedenen Tests, die unterschiedlich gelten, sei die Freiheit, die man so erlange, wert. Und: „Jeder Test hilft bei der Bekämpfung der Pandemie.“

„Nach dem Dauerlockdown erwarten sich die Gastronomie- und Tourismusbetriebe einfache und klare Regeln fürs Aufsperren“, kritisierte FPÖ-Tourismussprecher Gerald Hauser. Er forderte ein Ende der „Pflanzerei“ sowie der „Schönrederei“ und warf der Regierung „Untätigkeit“ vor.

„Als Tourismusland ist für uns eine europaweite Lösung unverzichtbar“, sagte Köstinger weiter. Auch andere Tourismusländer machten Druck. „Österreich wird bilateral mit Nachbarstaaten Abkommen ausverhandeln, so es keine EU-Lösung gibt.“ Die EU-Staats- und Regierungschefs verschoben diese Thematik auf den nächsten EU-Gipfel. Was in den einzelnen Ländern mit dem grünen Pass möglich ist, entscheidet der jeweilige Nationalstaat. In Österreich gilt man am 22. Tag nach der Erstimpfung als immun und kann etwa auf ein Schnitzel zum Wirt. In allen anderen Ländern gilt dies erst nach der zweiten Teilimpfung.

Etwa der Wiener Tourismus hat das Sicherheitssiegel „Safe Stay“ schon vorigen Sommer entwickelt. Beherbergungsbetriebe können damit zeigen, dass sie für höchste Standards bei Sicherheit und Hygiene stehen. Bisher haben rund 70 Wiener Hotels diese kostenfreie Möglichkeit bereits genutzt. „Die hohen Sicherheits- und Hygienestandards im Wiener Tourismus haben durch die Covid-19-Krise noch mehr an Bedeutung gewonnen“, so der Wiener Stadtrat Peter Hanke in einer Aussendung. „Wir setzen auf aktives Destinationsmanagement und unterstützen Unternehmen dabei, rechtzeitig zur Öffnung der Hotels für den Freizeittourismus mit ihren Leistungen breite Sichtbarkeit zu erlangen“, hieß es vom Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner. „Das ist auch wichtig, um die Stadt nach Corona beim Reisepublikum zu positionieren. Wir rechnen mit einer schrittweise einsetzenden Erholung der touristischen Nachfrage, wirken der pandemiebedingten Krise mit Serviceleistungen für die Reisebranche entgegen und setzen Aktivierungsmaßnahmen überall dort, wo Potenzial für nennenswertes Gästeaufkommen besteht.“

Datenschutzbedenken würden vom Gesundheitsministerium ernst genommen, so Köstinger. Daher sei auch die Idee vom Tisch, die E-Card zum grünen Pass zu machen. In den nächsten Wochen gebe es Gespräche mit Experten.

Bei der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie hat Köstinger etwas Bewegung signalisiert. Während sie zuletzt gegenüber der APA betonte, dass eine Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie bewusst als freiwillige Maßnahme im Regierungsprogramm vereinbart worden sei, sagte sie heute, dass der Kennzeichnung „Tür und Tor geöffnet“ sei, wenn die geplante Umsetzung für Gemeinschaftsverpflegung und verarbeitete Produkte einmal mit einem lückenlosen Kontrollsystem funktioniert. „Dann führt an weiterer Kennzeichnung kein Weg vorbei.“ Zuerst müsse man aber bei den Großen ansetzen, bevor „Dorfwirte“ drankämen. Köstinger erinnerte an das „Bürokratiemonster“ der Allergenkennzeichnungen in Speisekarten. Zuletzt gab es ein kleines Match mit den Grünen um eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie.

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