Konjunktur in den Bundesländern brummte 2021 wieder

Die Industrie gab einigen Bundesländern einen Schub © APA/ROLAND SCHLAGER

Nach dem Schock durch die Pandemie fand die österreichische Wirtschaft im Jahr 2021 wieder in die Wachstumsspur. Auf den Erholungszug sprangen alle Bundesländer auf, sektoral bedingt zeigten sich aber Unterschiede beim Wachstumstempo. Vor allem industriestarke Länder wie Oberösterreich und Kärnten legten vergleichsweise deutliche Sprünge hin, berichtete die Bank Austria am Montag. Auch der erwartete Dämpfer durch den Ukraine-Krieg dürfte manche Regionen etwas härter treffen.

Im ersten Coronajahr 2020 war die heimische Wirtschaft in ein historisches Tief geschlittert, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging um 6,7 Prozent zurück. Getragen von einer Erholung des Privatkonsums und einer höheren Investitionsbereitschaft erstarkte die Wirtschaft danach aber rasant. 2021 folgte ein Wachstum von 4,8 Prozent. Der Konjunkturmotor brummte vor allem in der Industrie und am Bau. Einzig der besonders von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogene Dienstleistungssektor – und darin vor allem Gastronomie sowie Hotellerie – hinkte noch leicht nach, wie aus einer aktuellen Analyse der Bank Austria hervorgeht.

Von dem Aufwärtstrend erfasst wurden alle Bundesländer, mit Blick auf das Wachstum zeigt sich aber ein uneinheitliches Bild. „Wachstumskaiser“ war laut Bank-Austria-Ökonom Robert Schwarz mit 6,3 Prozent das industriestarke Oberösterreich. Kräftig an Fahrt nahm das Wirtschaftswachstum auch in Kärnten (+5,8 Prozent), Niederösterreich (+5,3 Prozent) und in der Steiermark (+5,2 Prozent) auf. Knapp unter dem österreichischen Durchschnitt befand sich Wien mit einem Plus von 4,7 Prozent, wobei der starke öffentliche Sektor und der Auftrieb in manchen Dienstleistungsbereichen Rückenwind gaben.

Ebenso unterdurchschnittlich fiel das Wachstum im an sich mit einer großen Industrie ausgestatteten Vorarlberg (+4,5 Prozent) aus. Grund dafür war der Einbruch im Tourismus- und Gastronomiebereich. Dieser wusste jedoch vor allem die Konjunktur in den Tourismushochburgen Salzburg (+3,7 Prozent) und Tirol zu bremsen, das mit einem 1,9-prozentigen Wachstum das Schlusslicht unter den Bundesländern bildete. Einen ebenso relativ geringen Beitrag zum Gesamtwachstum in Österreich leistete das Burgenland mit plus 3,9 Prozent.

Entscheidend für das Erholungstempo seien regionale Spezifika wie die sektorale Zusammensetzung bzw. die Branchenstruktur. Genannt wurden die Faktoren Robustheit und Gewicht von Industrie und der Bauwirtschaft. Auch die Ausrichtung des Dienstleistungssektors spiele eine Rolle. „Vor allem die industrieorientierten Länder lagen 2021 voran, während die tourismusorientieren Bundesländer wie Salzburg und Tirol unterdurchschnittliches Wachstum verzeichneten“, erklärte Schwarz bei einem Pressegespräch.

Für heuer rechnet die Bank Austria nur mehr mit einem Gesamtwachstum von 4,4 Prozent – eine Prognose, die wegen des Krieges in der Ukraine um 1,6 Prozent zurückgeschraubt wurde, wie Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer einräumte. Erwartet werden weitere Belastungen durch Lieferkettenprobleme sowie den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Diese könnten dann insbesondere Bundesländer wie Oberösterreich oder die Steiermark treffen.

Einen Schub dürfte es nach Bruckbauers Einschätzung aber im von Corona gezeichneten Tourismus geben, der in den vergangenen Jahren starke Einbußen erlitt. Davon sollten dann vor allem die westlichen Bundesländer sowie die Bundeshauptstadt profitieren, wo die Buchungslage derzeit gut sei.

Für 2022 gehe man von einem überdurchschnittlichen Wachstum für die drei Bundesländer im Westen und die Bundeshauptstadt Wien sowie Tirol aus. „Dagegen erwarten wir einen schwächeren, aber immer noch robusten Anstieg der Wirtschaftsleistung für die Industrieländer Steiermark, Ober- und Niederösterreich“, meinte Schwarz. Insgesamt schätze man aber, dass sich der Trend fortsetzt und heuer alle Bundesländer auf Wachstumskurs bleiben.

Ebenso unterschiedlich dürfte sich die Last der direkten wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf die einzelnen Bundesländer verteilen. In der österreichischen Industrie hänge die Wertschöpfung zu 1,5 Prozent von der russischen Nachfrage ab, so Bruckbauer. Die größten Anteile würden dabei auf Wien und das Burgenland mit jeweils mehr als 2 Prozent entfallen. Geringe Auswirkungen werden für den Tourismus erwartet, da der Zustrom von Gästen aus der Ukraine und Russland zuletzt ohnehin schon gering ausgefallen sei. Die beliebtesten Urlaubsdestinationen für Urlauber aus Russland und der Ukraine sind der Analyse zufolge Wien und Tirol.

Bruckbauer merkte jedoch an, dass die direkten ökonomischen Kriegsfolgen für Österreich aufgrund geringer Import- und Exportvolumen ohnehin nur schwach seien. Insgesamt sei auch „kein Bundesland extrem auf Russland oder die Ukraine angewiesen“. Wesentlich schwerer ins Gewicht fielen die indirekten Auswirkungen, wie die bereits erwähnten Lieferkettenprobleme und die Steigerungen bei den Energiepreisen.

2023 dürfte das Wachstum in Österreich 1,5 Prozent betragen. Sollte es keine weitere kriegsbedingte Eskalation wie einen Energielieferstopp geben, erwartet Bruckbauer keine Rezession. Eine Stagflation wiederum sei nur denkbar, wenn die Konjunktur schwächle und die Nachfrage gleichzeitig gut bleibe. In diesem Fall könnten weitere Preiserhöhungen bei nach wie vor hoher Inflation durchgesetzt werden, was einem Stagflationsszenario ähnle.

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