Kontinuität, die von Veränderungen geprägt ist

Die neuen Festival-Chefinnen Sabine Gebetsroither und Katharina Riedl über ihre Pläne für Crossing Europe

Ein Duo, das sich auch privat gut versteht: Katharina Riedler (l.) und Sabine Gebetsroither.
Ein Duo, das sich auch privat gut versteht: Katharina Riedler (l.) und Sabine Gebetsroither. © Crossing Europe/Violetta Wakolbinger

Das Linzer Crossing Europe Festival wird ab Oktober von Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler geleitet. Die beiden folgen Christine Dollhofer nach, die die Geschäftsführung des Filmfonds Wien übernimmt. Crossing Europe und der Hauptgesellschafter, die Moviemento Programmkino GmbH, entschieden sich für eine interne Nachbesetzung. Das neue Führungsduo hat in vielen Jahren Festivalpraxis im Crossing Europe-Kernteam sowie bei Filmfestivals im In- und Ausland erworben. Die Vorbereitungen für die 19. Festivalausgabe (27. April bis 2. Mai 2022) sind angelaufen, Gebetsroither und Riedler werden sie gemeinsam bestreiten. Mutterschutz bedingt steigt Riedler erst im Jänner ein.

VOLKSBLATT: Herzlichen Glückwünsch zur neuen Aufgabe! Sie sind beide schon lange bei Crossing Europe mit dabei — sicher ein Vorteil …

SABINE GEBETSROITHER: Wir freuen uns irrsinnig über diese Aufgabe und, dass man uns das Vertrauen schenkt, gerade nach eineinhalb Jahren, wo es in der Kino- und Festivallandschaft so schwierig war. Wir hoffen, das aus unserer Erfahrung heraus gut bewältigen zu können. Wir kennen den Betrieb, aber auch das Umfeld sehr gut.

Wie ist es zur Bestellung gekommen und warum haben Sie sich zu zweit beworben?

GEBETSROITHER: Nachdem der Wille vonseiten der Moviemento GmbH da war, das Festival nach 18 Jahren und jemandem, der so prägend war wie Christine Dollhofer, so weiterzuführen, wie es sich über die Jahre etabliert hat, war für uns rasch klar, dass wir uns da sehen und das sehr gern machen würden. Der steigende Organisationsaufwand der letzten Jahre hat gezeigt, dass es Sinn macht, zu zweit zu sein.

Wie wird Ihre Zusammenarbeit aussehen?

GEBETSROITHER: Wir machen gemeinsam und gleichberechtigt künstlerische und wirtschaftliche Leitung. Wir haben als Kolleginnen begonnen und uns zu Freundinnen hochgearbeitet.

Soll es bei aller gewünschten Kontinuität trotzdem frischen Wind geben?

RIEDLER: Wir müssen erst einmal die Pandemie verarbeiten und haben vor, die nächste Ausgabe mit Kontinuität weiterzuführen. Größere Veränderungen sind im Jahr darauf zu erwarten. Wir haben Ideen, sammeln Ideen und planen voraus. Veränderungen hat es bei Crossing Europe immer wieder gegeben.

GEBETSROITHER: Wir wollen weiterhin Filme zeigen, die keinen Verleih in Österreich haben. Die Jugendschiene möchten wir vertiefen und internationalisieren und wir wollen die ökologische Verantwortung noch ernster nehmen, also die Green- Event-Aktivitäten ausbauen. Wir werden sicher die europäische Vernetzung verstärken, inhaltlich, aber auch mit unserem Festivalnetzwerk. Auch unsere Nightline soll es wieder geben. Nach zwei Jahren ohne Party soll sich da auch wieder etwas tun …

Christine Dollhofer besuchte viele Festivals und war als Kuratorin sehr gut vernetzt. Wie sehen Ihre Kontakte aus?

RIEDLER: Wir haben über die Jahre immer wieder Festivals besucht und sind in Europa auch über das Festivalnetzwerk MIOB gut vernetzt.

Bleibt ein Schwerpunkt auf Filmen aus dem Osten?

GEBETSROITHER: Hochgerechnet waren meist 40 Prozent der Filme aus Osteuropa. Für uns ist Europa auf jeden Fall nicht an der ungarischen Grenze zu Ende.

Können Sie mit dem aktuellen Budget gut weitermachen?

GEBETSROITHER: Es gibt schon Herausforderungen: So wird das Thema Fair Pay immer virulenter. Dadurch, dass es über viele Jahre keine Index-Anpassung bei diversen Förderungen gab, haben wir mittlerweile ein Problem, qualifizierte Leute auf lange Sicht adäquat zu bezahlen.

Crossing Europe im Geiste oder auch mit der Unterstützung Christine Dollhofers?

RIEDLER: Der Austausch mit Christine ist wirklich toll, den wollen wir auf jeden Fall beibehalten. Das ist für uns auch ein großes Geschenk.

Mit KATHARINA RIEDLER & SABINE GEBETSROITHER sprach Melanie Wagenhofer

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