Konzertgemälde in leuchtenden Farben

Luka Okros debütierte im Linzer Brucknerhaus

Luka Okros am Flügel
Luka Okros am Flügel © Egor Matasov

Die im Vorjahr gestartete Kooperation des Brucknerhauses mit dem C. Bechstein Centrum in Linz ermöglicht die Bekanntschaft mit Klavier-Jungkarrieristen und begann am Donnerstag im Mittleren Saal ihre neue Saison. Der in London lebende Georgier Luka Okros (29) machte den Anfang einer fünfteiligen Konzertreihe und begeisterte mit einem Programm, das auch durch populäre Werke in einer neuen Sicht auf großes Interesse stieß. Erst nach drei Zugaben konnte sich das in Ovationen schwelgende Publikum von dem Jungstar trennen. Ein Stargehabe zeigte der sympathische, kultiviert fein auftretende Künstler, der viele Preise in der Tasche hat, eigentlich gar nicht. Sein Auftreten verriet quasi eine Vermählung mit dem warmklingenden Bechstein-Flügel, den er mit Beethovens „Mondschein-Sonate“ vorstellte: Sich selbst vorerst mit dem Aufbau einer klug durchdachten Tempodynamik in dem auf schulischem Boden überstrapazierten Werk; ganz natürlich im Kopfsatz, dann die Akkordschläge nicht übertrieben aber mit differenziertem Anschlag, um im Finale das Presto agitato zu erstürmen, ohne jedoch in ein bloßes Geläufigkeitsfieber zu verfallen.

Romantiker am Flügel

Chopins Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35 kehrte den Romantiker Okros hervor, statt Verträumtheit kreierte er jedoch ein Konzertgemälde in leuchtenden Farben, und nicht einmal der Trauermarsch verfinsterte sein gestalterisches Konzept. Überhaupt hatte jedes Werk sein signifikantes Charakterbild und geriet zu keiner Selbstdarstellung des Interpreten — auch nicht die „6 Moments musicaux“ op. 16 des 23-jährigen Sergei Rachmaninoff, der in den Stücken eine verspielte Harmonie aufregender Momente schrieb, die eine mentale Konzentration erfordern. Vielleicht als eine Reminiszenz an seine Ausbildung in Moskau spielte sie Okros auch mit dem Ausdruck emotionaler Hingabe. Demonstrativ hob er als Programmabschluss an zur meistbekannten zweiten Ungarischen Rhapsodie in cis-Moll von Franz Liszt, auch hier nicht nach üblichen Virtuoseneffekten heischend, sondern als Vorführung seines meisterlichen Vortragsrepertoires.

Georgina Szeless

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