Kopfschütteln in Seilbahnbranche über Manipulation an Notbremse

Nach Unfall in Italien: Holzinger schließt aus, dass in Österreich Betriebsleiter Vorschriften missachten würden – Seilriss ist aber weiter ein Rätsel

FB
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Unverständnis und Kopfschütteln hat in der heimischen Seilbahnbranche das unfassbare grob fahrlässige Verhalten der Kollegen in Italien ausgelöst, das am Sonntag zum tragischen Unglück mit 14 Toten geführt hatte.

„Die Verantwortlichen sind für die Manipulation am Notbremssystem zur Rechenschaft zu ziehen“, sagt Helmut Holzinger, Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer Oberösterreich und Vorstandsdirektor der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG (Hiwu), im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

Denn die besten Vorschriften in puncto Sicherheit und Wartung seien wirkungslos, wenn absichtlich ein Notbremssystem außer Betrieb gesetzt werde, betont der Experte. Daran könne auch der Umstand nichts ändern, dass die Verantwortlichen offenbar darauf vertraut haben, dass ein Seilriss ausgeschlossen ist.

Es gibt keinen Grund, Angst zu haben

„Würde es in Österreich zu einer elektrischen Störung kommen, wie sie offenbar bei der Pendelbahn am Lago Maggiore aufgetreten ist, müsste die betroffene Seilbahn sofort stillgelegt und die von der Behörde im Ministerium vorgeschriebenen Überprüfungen durchgeführt werden“, betont der Branchensprecher. Keinesfalls würde ein geprüfter heimischer Betriebsleiter eine derartige Manipulation vornehmen, um die Störung zu überbrücken. „In unserem Land sind die Seilbahnen sicher, die Betreiber müssen eine Vielzahl von Vorschriften erfüllen und regelmäßige Prüfungen durchführen. Versäumnisse sind mir nicht bekannt.“

Rätselraten über Grund für den Seilriss

Ein Rätsel ist aber für Holzinger der Seilriss, das aufgeklärt werden muss. Denn die Stahlseile seien nicht nur überdimensioniert, sondern würden in regelmäßigen Abständen überprüft und gewartet. Und in Italien habe der Hersteller bei der letzten magnetinduktiven Seilprüfung im November 2020 keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Somit sei ein Seilriss eigentlich gar nicht vorstellbar.

In Oberösterreich beförderte beispielsweise bereits seit 100 Jahren eine Pendelbahn Skifahrer und Wanderer auf den Feuerkogel, ohne dass es laut Hiwu-Chef zu technischen Problemen gekommen wäre.

Von Heinz Wernitznig

Wie ist Ihre Meinung?