Kräuter fürs Mutterglück

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Ingeborg Stadelmann empfiehlt in ihrem Buch „Die Hebammensprechstunde“ einen Schwangerschaftstee aus Brennessel, Frauenmantel, Himbeerblättern, Johanniskraut, Melisse und Schafgarbe. Für einen Stilltee können Fenchelsamen mit Kamille gemischt werden — diese Mischung wirkt milchbildend und blähungshemmend. © Nimmervoll

Von Gisela Nimmervoll

Als sanfte Alternative verlassen sich viele Menschen heutzutage wieder auf die Hilfe des einen oder anderen Kräuterleins, um diverse Beschwerden und leichte Erkrankungen zu lindern. Besonders werdende Mütter greifen in der Schwangerschaft gerne zum Kräutertee, um einen gesunden Schwangerschaftsverlauf und das Wohlbefinden des Babys zu unterstützen.
In dieser besonderen Zeit muss bedacht werden, dass manche Kräuter ebenso wie Arzneimittel zwar Beschwerden lindern, aber auch Nebenwirkungen mit sich bringen können: Kräuter und Gewürze wie Beifuß, Beinwell, Mutterkraut, Süßholz, Wacholder und Wermut sollten in der Schwangerschaft auf jeden Fall gemieden werden, da sie Frühwehen auslösen können oder Stoffe enthalten, die in die Plazenta wandern und sich negativ auf das Baby auswirken können.
Ingwer, Petersilie, Pfefferminze, Schafgarbe, Thymian und Zimt sollten in Maßen genossen werden, da sie in großen Mengen die Gebärmutter stimulieren und zu frühzeitigen Wehen führen können — als Gewürz sind sie aber weitgehend unbedenklich. Wieder andere Kräuter wie Fenchel, Melisse, Zinnkraut oder Zistrose werden von den meisten Experten in der Schwangerschaft als unbedenklich eingestuft und zum Teil auch für die Gesundheit von Mutter und Kind empfohlen.

Verschiedene Meinungen

Dennoch stellt die Auswahl des richtigen Kräutertees Schwangere oft vor eine Herausforderung: Vielfach herrscht unter Experten nämlich Uneinigkeit zur Verträglichkeit mancher Kräuter in der Schwangerschaft.
So wird beispielsweise Frauenmantel und Schafgarbe in manchen Foren als gebärmutterstimulierend und daher erst zur Geburtsvorbereitung empfohlen. Der Frauenmantel soll aber auch gebärmutterstärkend und positiv auf den Hormonhaushalt wirken, was in den ersten Wochen der Schwangerschaft besonders hilfreich sein kann. Auch von der Brennnessel wird manchmal abgeraten, da sie entwässernd wirkt — diese Eigenschaft kann sich bei Wassereinlagerungen und bei Harnwegsinfekten in der Schwangerschaft aber auch als sehr nützlich erweisen. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass zusätzlich zum Brennnesseltee auch genügend Wasser getrunken wird. Brennnesselblätter verbessern zudem die Eisenaufnahme im Blut — bei Eisenmangel in der Schwangerschaft ein weiterer Vorteil.
Im Klassiker „Die Hebammensprechstunde“ empfiehlt die angesehene Hebamme Ingeborg Stadelmann eine Teemischung aus Brennnesselkraut, Frauenmantel, Himbeerblättern, Johanniskraut, Melissenblättern, Schafgarbenkraut und Zinnkraut. Diese könne laut Stadelmann auch schon von der 16. bis in die 20. Schwangerschaftswoche getrunken werden, um spezielle Körperfunktionen frühzeitig zu unterstützen.
Grundsätzlich gilt beim Genuss von Kräutertees und Gewürzen: „Die Dosis macht das Gift“. Selbst von Schwangerschaftstees sollten nicht mehr als drei Tassen täglich über drei Wochen getrunken werden. Danach gilt, zumindest für eine Woche vom Tee pausieren oder zwischendurch eine andere Kräutermischung wählen.
Werdende Mütter können außerdem auf ihr Gefühl vertrauen: Stellen sich Unwohlsein oder Beschwerden nach dem Genuss gewisser Kräuter oder Gewürze ein, sollten diese künftig gemieden und dies mit dem Arzt abgesprochen werden.

Kräuter in der Schwangerschaft und Stillzeit

Unterstützende Kräuter: Brennnessel (blutbildend), Fenchel (gegen Blähungen, milchbildend), Melisse (beruhigend), Zinnkraut (stärkt das Bindegewebe), Zistrose (in der Grippezeit gegen Viren und Bakterien), Kamille (mild beruhigend)
In der Schwangerschaft mit Umsicht dosieren:
Ingwer, Lavendel, Liebstöckel, Majoran, Petersilie, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei,
Schafgarbe, Thymian, Zimt
Kräuter und Gewürze, die es in der Schwangerschaft zu meiden gilt:
Aloe Vera, Beifuß, Beinwell, Berberitze, Eisenkraut, Ginseng, Mutterkraut, Süßholz,
Wacholder, Wermut
Zur Geburtsvorbereitung: Himbeerblätter (lockern die Beckenmuskulatur auf und unterstützen eine leichtere Geburt), Brennnessel, Schafgarbe, Frauenmantel
Im Wochenbett: Hirtentäscherl und Schafgarbe (blutstillend), Melisse, Zinnkraut, Ringelblume und Gänseblümchen (wundheilend)
Kräuter für stillende Mütter: Fenchel und Kümmel (milchbildend und blähungswidrig für Mutter und Kind), Kamille (wohltuend für den Magen und beruhigend)