Kranich vertilgt nächsten Konkurrenten

Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin — easyJet will auch noch Happen — Letztes Wort hat Wettbewerbsbehörde

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Nach Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines schluckt die Lufthansa nun auch die insolvente Air Berlin. Kolportiert wird ein Kaufpreis von 210 Millionen Euro.
Nach Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines schluckt die Lufthansa nun auch die insolvente Air Berlin. Kolportiert wird ein Kaufpreis von 210 Millionen Euro. © Lufthansa Group

Von Harald Gruber

Mit der Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin baut die Lufthansa ihre Wettbewerbsposition weiter aus: nach zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Unternehmen in der Nacht auf gestern endgültig geeinigt. Über einen kleineren Restbestand an Flugzeugen verhandelt die Air Berlin noch mit der britischen Linie easyJet — wobei dabei auch noch andere Interessenten zum Zug kommen könnten. Etwa der deutsche Ferienflieger Condor.

Niki mit AUA Seite an Seite

Laut Angaben der Air Berlin wird die Lufthansa die Dortmunder Luftverkehrsgesellschaft Walter (20 Propellermaschinen), die österreichische Marke Niki (21 Airbus A321) sowie weitere 20 Flugzeuge aus dem Bestand der Konzernmutter Air Berlin kaufen. Laut Angaben der Air Berlin sind dafür 210 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Darüber hinaus hat die Lufthansa 20 Jets aus der Flotte der Air Berlin schon seit längerem unter ihrer Kontrolle. Heißt: 81 von 139 Flugzeugen des zahlungsunfähigen Air-Berlin-Konzerns gehen an die Lufthansa Group (Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Eurowings, Brussels Airlines). Für 30 Flugzeuge der Air Berlin hat der britische Billigflieger EasyJet ein Angebot in Höhe von 50 Millionen Euro gelegt, dieses aber offenbar zuletzt verringert, sodass die Verhandlungen laut Air Berlin gestern noch am Laufen waren. Auch insgesamt ist die Filetierung der Air Berlin noch nicht in trockenen Tüchern. Zustimmen müssen nämlich erst noch der Gläubigerausschuss und die Europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel. Der Flugbetrieb der Air Berlin neigt sich aber definitiv dem Ende zu: am kommenden Sonntag starten die letzten Langstreckenflüge, mit Ende Oktober müssen dann auch die restlichen Passagierflugzeuge im Hangar bleiben.

Lufthansa will beruhigen

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr gab sich gestern zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörde längstens in drei Monaten grünes Licht geben werde. Bedenken, die Lufthansa könnte bald allein am europäischen Himmel sein (und damit der absolute Preistreiber) versuchte Spohr mit der innerbetrieblichen Konkurrenz zwischen Lufthansa, Swiss, AUA und Eurowings zu entkräften. Insbesondere die Flotte der Eurowings werde deutlich aufgestockt, die Marke können weiter „eigenständig arbeiten und alles tun, um ihre Jets zu füllen. „Von einem angeblich drohenden Monopol kann also keine Rede sein“, beteuert der Lufthansa-Chef. Marktbeobachter und Juristen beurteilen die Situation aber anders und gegen davon aus, dass Lufthansa einen Teil der Air-Berlin-Strecken wird an die Konkurrenz abgeben müssen.

Weitere Airlines in Nöten

Gleichzeitig will das Lufthansa-Management aber offenbar bei der Verteilung der flügellahmen italienischen Fluglinie Alitalia demnächst wieder mit am Tisch sitzen. Als Konkurrenten treten dort dem Vernehmen nach neuerlich die britische Linie easyJet sowie der US-Investmentfonds Cerberus auf. Und: der umkämpfte Markt wird laut Experten bald die nächsten europäische Airlines in wirtschaftliche Turbulenzen bringen — Linien aus Skandinavien, aus Ost- und Südosteuropa sowie aus der Türkei.