Rennen um Johnson-Nachfolge gestartet

Alle warten auf den nächsten Mieter in Donwning Street Nr. 10 © APA/AFP/CARLOS JASSO

Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden britischen Premierministers Boris Johnson haben acht Kandidaten aus der Konservativen Partei die erste Hürde genommen. Das teilte der Vorsitzende des zuständigen Parteigremiums, Graham Brady, am Dienstagabend im Parlament in London mit. Als Favoriten gelten der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak, Außenministerin Liz Truss und Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt. Die Entscheidung soll bis Anfang September fallen.

In der ersten Runde waren mindestens 20 Stimmen von Unterstützern aus den Reihen der Tory-Fraktion erforderlich. Das eigentliche Auswahlverfahren für den Parteivorsitz und damit auch den Posten des Regierungschefs beginnt an diesem Mittwoch. In dieser Runde sind auch die konservative Chef-Justiziarin Suella Braverman, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat, Finanzminister Nadhim Zahawi, Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt sowie die Abgeordnete Kemi Badenoch dabei.

Noch am Abend stand Berichten zufolge in der Fraktion eine Vorstellungsrunde auf dem Programm. Am Mittwoch brauchen die Kandidatinnen und Kandidaten dann mindestens 30 Unterstützer aus der Fraktion, um eine Runde weiterzukommen. Am Donnerstag soll eine weitere Abstimmung abgehalten werden. Sollten mehr als zwei Kandidaten übrig bleiben, sind weitere Runden in der kommenden Woche geplant. Zwischen den beiden letzten Kandidaten sollen die Parteimitglieder in einer Stichwahl über den Sommer entscheiden.

Für Truss sprachen sich am Vormittag mit Kulturministerin Nadine Dorries und Brexit-Staatssekretär Jacob Rees-Mogg zwei Tories aus, die dem Premier zuletzt besonders loyal waren. Ihre Parteinahme für Truss gilt daher als Hinweis darauf, dass auch Johnson die Außenministerin unterstützt.

Truss präsentierte sich in einem Gastbeitrag im „Telegraph“ in dieser Woche als Kandidatin des rechten Flügels und mit dem Versprechen, Steuern zu senken. Sie positionierte sich damit als Alternative zu Sunak, der erst Steuern senken will, wenn die Wirtschaft wieder angekurbelt ist.

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Truss und Sunak gelten in politischen Kreisen bereits als Favoriten. Wie eine Umfrage der Webseite Conservative Home unter Parteimitgliedern ergab, sind an der Basis jedoch Penny Mordaunt und die bisher kaum in Erscheinung getretene Abgeordnete Kemi Badenoch beliebter. Das letzte Wort haben die Mitglieder, doch es ist fraglich, ob eine der beiden bis zur finalen Runde des Auswahlprozesses kommt.

Um einen rascheren Abschied Johnsons aus dem Regierungssitz 10 Downing Street zu erzwingen, wollte die oppositionelle Labour-Partei am Mittwoch ein Misstrauensvotum im Parlament abhalten. Die Regierung blockte das jedoch ab. Es galt ohnehin als unwahrscheinlich, dass der Vorstoß Erfolg gehabt hätte. Trotzdem ist die Ablehnung des Labour-Antrags ein Bruch von Konventionen. Labour warf der Regierung vor, Angst vor einer Niederlage gehabt zu haben.

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