Künstler Christo mit 84 Jahren in New York gestorben

Der Verpacker der Welt ist tot. Der Künstler Christo starb am Sonntag mit 84 Jahren in seiner New Yorker Wohnung eines natürlichen Todes, wie seine Mitarbeiter bestätigten. Die Verhüllung des Berliner Reichstags 1995 zählte zu den spektakulärsten Werken des in Bulgarien geborenen Christo Wladimirow Jawaschew, der jahrzehntelang mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude zusammenarbeitete.

“Christo hat sein Leben in vollen Zügen gelebt, das Unvorstellbare nicht nur ausgedacht, sondern es verwirklicht”, hieß es in einer Mitteilung seines Büros. “Christos und Jeanne-Claudes Kunstwerk hat Menschen rund um die Welt durch gemeinsame Erlebnisse zusammengebracht, und ihre Arbeit lebt weiter in unseren Herzen und Erinnerungen.”

Der schmale Mann mit dem halblangen weißen Haar und seine Frau waren eines der prominentesten Künstlerehepaare der Gegenwart. Oft brauchten sie Jahre für die Planung ihrer zumeist kostspieligen Projekte, die oft nur für einen kurzen Zeitraum gezeigt wurden. 1985 verhüllte Christo die Pariser Brücke Pont-Neuf. Der verhüllte Berliner Reichstag lockte 1995 fünf Millionen Zuschauer an.

Es sei Christos Wunsch gewesen, sein letztes Projekt – die Verhüllung des Pariser Triumphbogens – zu vollenden, erklärte sein Büro. Das eigentlich für dieses Jahr geplante Projekt wurde wegen der Corona-Pandemie auf September 2021 verschoben.

Zum Lebenswerk Christos gehören auch Landschaftsprojekte wie “The Floating Piers” – mit gelbem Stoff bespannte Stege auf dem italienischen Iseosee – oder “The Gates” im New Yorker Central Park. Im Londoner Hyde Park stapelte er bunte Ölfässer zur “The London Mastaba” auf.

Geboren wurde Christo am 13. Juni 1935 im bulgarischen Gabrowo. 1957 floh er in einem Güterzug nach Wien vor dem kommunistischen Regime und dem an der Kunsthochschule in Sofia gelehrten sowjetischen Realismus. Anlässlich eines Österreich-Aufenthalts 2006 erinnerte sich Christo daran, dass er neun Monate lang in Österreich als Tellerwäscher gearbeitet hatte. Kurzzeitig war er auch an der Wiener Akademie der Bildenden Künste inskribiert.

In Paris traf er 1958 seine spätere Ehefrau: Jeanne-Claude Denat de Guillebon, die ihn nach Hause brachte, um ihre Mutter porträtieren zu lassen. So fing alles an. “Wir sind in einer bestimmten Art naiv”, sagte Jeanne-Claude einmal. Das Paar bekam einen Sohn.

Die Mitteilung von Christos Büro zu seinem Tod endete mit den Worten: “1958 schrieb Christo in einem Brief: ‘Schönheit, Wissenschaft und Kunst werden immer triumphieren.’ An diesen Worten halten wir uns heute fest.”

Das Pariser Centre Pompidou will dem verstorbenen Künstler Christo eine Hommage widmen. Die wegen der Corona-Krise verschobene Schau “Christo et Jeanne-Claude, Paris!” solle nun am 1. Juli öffnen, teilte das Centre Pompidou am Montag in Paris mit. Ursprünglich war die Vernissage schon im März geplant. Ein Termin für die Hommage, die mit der Familie abgestimmt sei, wurde nicht mitgeteilt.

Der Präsident des Kunstzentrums, Serge Lasvignes, nannte den am Sonntag in New York im Alter von 84 Jahren verstorbenen Christo einen “großen Künstler”. Er habe “Kühnheit, Entschlossenheit und eine tiefe Humanität” miteinander verbunden. Auch Bürgermeisterin Anne Hidalgo hob die Bedeutung des Künstlers hervor, der ein Liebhaber der französischen Hauptstadt gewesen sei.

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