Lauda: „Kultur ist auch ein Lebensmittel“

Sie gehören zu den ersten Kultureinrichtungen, die wieder öffnen: Viele Museen nutzen Chancen

Klaus Landa
Klaus Landa © Flora Fellner Fotografie

Klaus Landa ist der Geschäftsführer des Verbundes Oberösterreichischer Museen, dem rund 300 Häuser im Land angehören, die ab 15. Mai ihre Tore nach coronabedingtem Schließen — unter bestimmten Auflagen — aufmachen dürften.

VOLKSBLATT: Noch sind die Museen in Oberösterreich geschlossen, am 15. Mai öffnen die Landesmuseen wieder. Wie schaut es mit den übrigen Häusern im Land aus?

KLAUS LANDA: Wir sind gerade im Erheben und von den ersten Rückmeldungen wissen wir, dass es sich recht gleichmäßig zwischen 15./16. Mai und Pfingstwochenende mit Wiedereröffnungen aufteilt. Wenige haben bekannt gegeben, mit 1. Juli zu öffnen. Das sind eher Häuser, wo es von den Räumlichkeiten her schwierig ist, weil sie etwa in historischen Gebäuden sind. Auf unserer Homepage (ooemuseen.at) haben wir eine Liste der Wiedereröffnungstermine, die ständig aktualisiert wird.

Wie schwer wird es denn für die Museen, die aktuellen Vorgaben umzusetzen?

In den Museen haben wir großteils ehrenamtliche Mitarbeiter. Oft gibt es da auch Ängste, weil Mitarbeiter älter sind. Am herausforderndsten sind sicher die Abstandsregel und die 10m²-Regel. Wir haben beispielsweise Museen, die haben kaum Räume, die größer als 20 m² sind. Jetzt sind die Regeln ja so, dass man maximal neun Gäste durchs Haus führen darf. Das kann ich aber nur machen, wenn mein Haus mindestens eine Fläche von 100 m² hat. Das ist für manche Häuser fast nicht machbar. Aber die meisten sagen, wir kriegen das hin, wir schaffen das.

Welche Funktion übernimmt denn in dieser Phase der Verbund oö. Museen?

Wir versuchen, immer umgehend zu informieren und haben auch auf der Homepage die ganz aktuellen Informationen, auch was es wo an Unterstützung gibt. Wir können den Museen natürlich nicht die unmittelbare Arbeit abnehmen, aber wir schauen, dass die Infos, die wir hinausgeben, wirklich verlässlich sind, weil doch sehr viele Fehlinformationen kursieren, etwa via Social Media.

Welche Bedeutung haben denn die Museen für uns – oder anders gefragt: Was geht verloren, wenn sie geschlossen sind?

Während des harten Shutdowns hatten natürlich medizinische Versorgung, Lebensmittel, etc. Priorität. Das ist keine Frage. Man merkt aber nach ein paar Wochen, dass Kultur genauso zu einer Lebensqualität dazugehört und es auch ein Lebensmittel ist. Man merkt, dass eine Gesellschaft ärmer wird, wenn das kulturelle Angebot wegkippt. Museen sind Lern- und Wissensorte, aber natürlich auch Orte, wo man Menschen treffen kann, sich austauschen. Das fehlt schon, wenn man Wochen im Home Office ist oder in Quarantäne. Jetzt sind ja Museen und Bibliotheken die ersten Kultureinrichtungen, die wieder öffnen und etwas anbieten können. Das ist eine Chance, dass man Museen, vielleicht auch im eigenem Ort, als kulturelle Nahversorger wahrnimmt.

Sie denken also, dass sich die Menschen auch wieder trauen, in die Museen zu gehen …

Das ist die große Frage und wir können es alle ganz schwer sagen. Ich habe auch schon mit Menschen gesprochen, die gesagt haben: In das erste Museum, das offen hat, gehe ich, weil ich will die Häuser unterstützen. Ein großer Run ist mit den Maßnahmen nicht möglich, aber ich hoffe schon, dass die Leute in der Region einen Ausflug machen, sich Museen anschauen, um ein kulturelles Angebot zu nutzen.

Eine Alternative in den vergangenen Wochen war ja das Internet. Inwiefern funktionieren denn Museen digital?

Grundsätzlich ganz gut. Wir stehen da, gerade was die kleineren Museen betrifft, eher am Anfang, das ist auch eine Ressourcenfrage. Aber da ist sehr viel Potenzial drinnen, beispielsweise Sammlungen online vorzustellen, auch bei Regionalmuseen. Ich sehe das Digitale als Appetitmacher oder zusätzliches Angebot, das den Museumsbesuch nie ersetzt. In dieser Situation ist es natürlich gut, überhaupt etwas anzubieten und jetzt ist es wirklich ein kleiner Ersatz für den Museumsbesuch.

Haben sich manche Häuser jetzt vielleicht auch Gusto für Onlineauftritte geholt?

Ich habe schon einige kleinere Häuser bemerkt, die jetzt etwa virtuelle Rundgänge machen. Gemeinsam mit der Akademie für Volkskultur bieten wir Kurse an und da haben wir künftig vor, dieses digitale Thema mehr auszubauen. Es gibt beispielsweise schon die Möglichkeit, mit dem Smartphone kleine Museumsvideos zu drehen, wo man nicht viel an Ausstattung braucht, aber eben etwas Anleitung.

Prognosen sind derzeit mehr als schwierig. Aber wenn Sie so ein, zwei Jahre in die Zukunft schauen, wie wird sich dann diese Krise auf die oberösterreichisches Museenlandschaft ausgewirkt haben?

Ob alle Häuser überleben werden, ist die Frage. Aber ich denke schon, dass die meisten die Krise überstehen. Mittelfristig — also, so lange es Auflagen gibt — wird man sich Gedanken über neue Formen der Vermittlung machen müssen. Ein Thema könnte sein, verstärkt auf Audioguides zu setzen, die mittels QR-Code am Smartphone funktionieren. Auch bei guten Museumstexten an den Objekten gibt es in manchen Häusern Nachholbedarf. Dann kann man sich als Besucher auch gut orientieren, ohne unbedingt eine Führung zu brauchen. Ein Anliegen von uns wäre es auch, sich wieder stärker um die Sammlungsobjekte zu kümmern. In vielen Häusern gibt es Objekte wo man nie Zeit hatte, die durchzuschauen. Jetzt wäre die ideale Zeit. Vielleicht stößt man auf Unbekanntes und kann dann auch einmal eine Schau „Schätze aus dem Depot“ machen.

Mit KLAUS LANDA sprach Mariella Moshammer

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