68. Song Contest: Kein klarer Favorit und Sorgen wegen Israel

Österreich geht mit Sängerin Kaleen am 9. Mai mit Startnummer 6 in das zweite Semifinale des ESC.
Österreich geht mit Sängerin Kaleen am 9. Mai mit Startnummer 6 in das zweite Semifinale des ESC. © APA/Manhart

Für die Fans soll es eine heiter-schrille Party werden — doch erneut bedrückt die Weltlage die Stimmung beim Eurovision Song Contest (ESC): Wenn in gut einem Monat in Malmö die Künstler aus 37 Ländern in den Wettbewerb um die europäische Gesangskrone treten, könnte es am Rande zu Protesten gegen das Vorgehen Israels in Gaza kommen. Musikalisch sieht es so aus, als wird das ESC-Finale am 11. Mai eines der spannendsten der vergangenen Jahre.

In den Wettbüros gab es zuletzt bei den Favoriten ein Wechselspiel. Derzeit steht der Schweizer Sänger Nemo mit seinem Lied „Code“ vorn. Dieses erzählt die Geschichte des Sängers, der von sich sagt, sich weder als Mann noch als Frau zu fühlen, und sich als nicht binär einstuft. In den Wettbüros folgt der kroatische Sänger Baby Lasagna mit dem überdrehten „Rim Tim Dagi Tin“.

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Das Lied erzählt die Geschichte junger Kroaten, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Land in Massen verlassen. Bei den in den vergangenen Jahren beim Siegertipp treffsicheren Buchmachern ist aber noch viel Bewegung drin — so rutschte das lange als Favorit geltende ukrainische Duo alyona alyona & Jerry Heil mit „Teresa & Maria“ inzwischen ab.

Österreich geht am 9. Mai mit Startnummer 6 in das zweite Semifinale. Für Popsängerin Kaleen und ihren Song „We Will Rave“ geht es dabei um den Einzug ins große Finale. Alle ESC-Shows sind live in ORF 1 ab jeweils 21 Uhr zu sehen.

Erneut Desaster für Deutschland?

Für Deutschland scheint sich neuerlich ein Desaster anzubahnen. Sänger Isaak war beim Vorentscheid im Februar mit seinem „Always on the Run“ zwar der klare Sieger, der stimmstarke 29-Jährige überzeugte Jury und Publikum. Seitdem droht das Lied aber zu einem Rohrkrepierer zu werden — wie fast alle deutschen ESC-Beiträge der vergangenen Jahre. Das zeigt sich schon an den deutschen Singlecharts, wo es Isaak nicht einmal in die Top 100 schaffte. Auch international fliegt Isaak unter dem Radar der Wahrnehmung.

Während die Künstler in allen Ländern sich jetzt in der heißen Phase auf den weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb vorbereiten, ist die Polizei in Schweden schon länger in Vorbereitung. Es gibt die Sorge, dass das Vorgehen Israels im Gazastreifen den ESC überschattet. „Dies ist das erste Mal seit dem Krieg in Gaza, dass Israel an einer internationalen Veranstaltung teilnimmt“, sagte der Politikwissenschaftler Anders Persson von der Linnaeus-Universität in Växjö der Nachrichtenagentur AFP. Persson erwartet Proteste.

Es gibt bereits einen Boykottaufruf gegen Israels Teilnahme, mehrere Demonstrationen — allerdings auch proisraelische — sind in Malmö während des ESC angemeldet. Ulf Nilsson, Sicherheitschef der Stadt Malmö, zählte die verschiedenen Sicherheitsrisiken auf: „Wir haben den Konflikt zwischen Israel und der Hamas, den Krieg in der Ukraine, der Schweden getroffen hat, ein größeres Risiko hybrider Kriegsführung, es gibt Cyberangriffe.“

Das Selbstverständnis des seit 1956 stattfindenden ESC ist, ein unpolitischer Musikwettbewerb zu sein. Die Fans wollen Feuerfontänen und Windmaschinen, schrille Outfits und mitreißende Lieder — doch zumindest auf den Straßen Malmös wird sich auch die weltpolitisch angespannte Lage zeigen.

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