Als das „Filmsackerl“ mit dem Zug nach Wien kam

50 Jahre Landesstudio: Franz Rohrhofer, Pionier der Fernsehberichterstattung im ORF OÖ, erinnert sich

Franz Rohrhofer mit Interviewpartner
Franz Rohrhofer mit Interviewpartner © Rohrhofer

Als junger Innenpolitik-Ressortleiter beim (damals noch Linzer) Volksblatt war er 1964 in die Entwicklungen rund um das Rundfunkvolksbegehren eingebunden, wirkte an der Seite von Kapazunder wie Hugo Portisch, Thomas Chorherr und Otto Schulmeister mit. „Das war eine große Ehre für mich“, erinnert sich Franz Rohrhofer (85).

Dass dann neue Landesstudios in vier Bundesländern gebaut wurden, sei ein Ausfluss dieses Volksbegehrens und der folgenden Rundfunk-Reform gewesen. „Das hat mein Interesse geweckt“, sagt der Journalist, der 1969 vom Linzer Volksblatt in den Aktuellen Dienst beim Rundfunk wechselte. Im Gespräch erinnert sich der ehemalige Chefredakteur von ORF und Volksblatt daran, wie es war, als vor 50 Jahren das neue Landesstudio in Linz bezogen wurde.

Vom Juchee am Hauptplatz in die „Bacher-Torte“

Im Juchee des alten Finanzamts am Linzer Hauptplatz saßen Ende der 1960er-Jahre auf engstem Raum die Mitarbeiter des ORF Oberösterreich zusammen und arbeiteten an ihren Beiträgen. Die wurden von Sprechern im Studio einen Stock tiefer aufgezeichnet. Damals gab es drei Info-Sendungen — eine morgens, eine mittags und eine längere am Abend. „Es war schön am Hauptplatz, wir sind überall schnell hingekommen, mittags in der Altstadt eine Kleinigkeit essen und am Abend auch einmal gemeinsam auf ein Bier gegangen“, erinnert sich Rohrhofer. Freilich seien die Arbeitsbedingungen eher beschränkt gewesen. „Musikaufnahmen fanden aus Platzgründen in einem Wirtshaus in Keferfeld statt.“

Die Begeisterung sei anfänglich trotzdem nicht so groß gewesen, als man vom Neubau eines Funkhauses an der Franckstraße erfahren habe, was man als relativ weit entfernt vom Zentrum empfunden habe, so Rohrhofer. Zunächst sei dafür der Freinberg, wo ja der Sender steht, angedacht worden, und ein Standort am Bauernberg, wo sich heute die Landwirtschaftskammer befindet. „An der Franckstraße waren wir zwischen Franckfabrik (Anm., Hersteller von Kaffeeersatz) und Gleisen angesiedelt. In den Studios machte sich ständig Kaffee-Geruch breit“, erinnert sich Rohrhofer. Mit dem Peichl-Bau, der auch in Linz anfangs als „Bacher-Torte“ oder „Schlachtschiff“ belächelt wurde, sei aber dann schnell ein neues Selbstbewusstsein bei den ORFlern spürbar geworden. Großzügige Studios und Regieplätze wurden eingerichtet, jeder Mitarbeiter bekam seinen eigenen Schreibtisch. „Und wir erhielten eigene Dienstkleidung und wurden so nach außen hin sicht- und erkennbar“, so Rohrhofer. Entwicklungen, die auf Generalintendant Gerd Bacher zurückgehen.

Eine Zeit lang hat ein freier Kameramann Fernsehbeiträge, die er nach eigenem Gutdünken erstellte, nach Wien geschickt. Als ein großer Linzer Betrieb 200 Mitarbeiter kündigte, kam ein Anruf aus Wien: Der ORF erwarte von den Linzern Fernsehinterviews zum Thema. Rohrhofer rückte aus und interviewte Betroffene. Bald wurde regelmäßig das „Filmsackerl“ nach Wien geschickt. „Wir hatten noch keine eigene Entwicklung für Filmmaterial, die Beiträge mussten bis 13.30 Uhr geschrieben sein“, erzählt Rohrhofer. Das Material wurde dann im besagten Sackerl zum Bahnhof gebracht, einem Lokführer übergeben und in Wien vom ORF abgeholt. „Es war jedes Mal spannend zu sehen, was dann im Fernsehen tatsächlich am Abend daraus geworden war.“ Für das erste „Österreich-Bild am Sonntag“ lieh man sich 1975 noch einen Schneideplatz von einer privaten Firma aus: „Ein Beitrag über einen Pendler, der jeden Tag zur Arbeit in die Voest gefahren ist.“

Nach und nach kam Elektronik dazu. Ein Manko des Peichl-Gebäudes sei es gewesen, so Rohrhofer, dass es als Funkhaus, also fürs Radio und nicht fürs Fernsehen konzipiert und errichtet worden war. Das Fernsehstudio wurde erst Jahre später dazu gebaut. Anfangs hätte auch immer mit Wien verhandeln werden müssen, ob und was aus Oberösterreich untergebracht wird. „Der Durchbruch kam unter Generalintendant Teddy Podgorski, als ab 1986 die eigene Bundesländer-Sendung ,Oberösterreich heute´ gestartet wurde.“ Die ersten Ausflüge mit der Fernsehkamera ins Land hinaus hätten jedes Mal für großes Aufsehen gesorgt: „Die Leute waren begeistert und wollten wissen, wie das damals noch junge Fernsehen funktioniert. Es war spannend, aber auch anstrengend, Pionierarbeit in der Fernsehberichterstattung zu leisten.“

Von Melanie Wagenhofer

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