Alter Bridge verknüpften in Wien Härte mit Eingängigkeit

Gitarrist Tremonti (hier beim Nova Rock 2017) geht unter die Autoren © APA/HERBERT P. OCZERET

Auf sie ist Verlass: Seit bald 20 Jahren serviert das US-Quartett Alter Bridge moderne Rocksongs, die gekonnt zwischen Härte und Eingängigkeit oszillieren. In diese Kerbe schlägt auch das kürzlich erschienene, siebente Studioalbum „Pawns & Kings“, mit dem man aktuell durch Europa tourt. Der gestrige Zwischenstopp in der Wiener Stadthalle wurde für Myles Kennedy und Co zum Triumphzug, bei dem es nur Kleinigkeiten zu bemängeln gab.

Von der ersten Sekunde an wurde ein Sound aufgezogen, den man wohl am ehesten mit einem Hollywood-Blockbuster vergleichen konnte: Eine Spur zu überdimensional in die Halle gezimmert, gab es an allen Ecken und Enden bombastische Klänge zu vernehmen, umschwirrten sich die Gitarren der Songwriter Kennedy und Mark Tremonti, während die Rhythmusfraktion Brian Marshall (Bass) und Scott Phillips (Drums) in stoischer Manier nach vorne arbeitete. Zum Glück wurden die Regler mit der Zeit eine Spur nach unten gedreht, was der Dynamik sehr zugute kam.

Immerhin gibt es bei Stücken wie dem eingängigen „Addicted To Pain“ oder der neuen Großtat „Sin After Sin“ so einige Details zu entdecken. Alter Bridge mögen zwar am massentauglichen Rock und Metal geschult sein, wissen ihre Stücke aber durchwegs mit progressiven Einfällen aufzufetten, was nicht zuletzt für das neue Material zutrifft. „Es ist dichter als vieles, was wir bisher gemacht haben“, meinte Tremonti dementsprechend vor dem Gig im APA-Interview. „Man könnte auch sagen: Da steckt extrem viel Information drin. Dabei war es uns wichtig, dass die Platte grundsätzlich sehr reduziert ist. Was man in diesen Songs hört, bieten wir auch auf der Bühne. Keine Streicher, keine Synthies, einfach nur wir.“

Stimmt. Riff um Riff spielten sich Kennedy und Tremonti die kreativen Bälle zu und ergänzten sich auch am Mikrofon auf eine Weise, die man am ehesten mit blindem Vertrauen beschreiben könnte. Sicherlich gibt es andere Rockacts, die in Sachen Überraschung mehr zu bieten haben. Aber Alter Bridge sind eben die Zuverlässigkeit in Person, wenn Headbanger ebenso bedient werden sollen wie jene, die inbrünstig stadiontaugliche Refrains mitsingen wollen. Und die zarten Momente? Gab es natürlich auch, wie das akustisch dargebotene „In Loving Memory“ bewies.

Was im Livekontext so leicht von der Hand ging und von gut 3.500 Fans frenetisch gefeiert wurde, ist letztlich aber auch harte Arbeit. Gerade im Songwritingprozess bleibe für wenig anderes Zeit, gab Tremonti zu bedenken. Dabei ist der Musiker keineswegs jemand, der sich nur mit einer Sache zufrieden gibt. Erst im Frühjahr hat er ein Sinatra-Coveralbum veröffentlicht, mit dem er Geld für die National Down Syndrome Society in den USA sammelt. Und zwischendurch schreibt er an seinem ersten Roman. „Es geht um diese Wüstenstämme, die um ihre Ressourcen kämpfen. Wahrscheinlich könnte man es als Science-Fiction bezeichnen, aber gleichzeitig könnte es durchaus so passieren. Es ist irgendwo zwischen ‚Indiana Jones‘, ‚Blade Runner‘ und ‚Mad Max‘ angesiedelt“, lachte Tremonti.

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Und Alter Bridge? Werden wohl einfach so weitermachen wie bisher und mehr als solide Rockshows abliefern. Selbst wenn aus Sänger Myles Kennedy, der seinen 53. Geburtstag am Sonntag in Wien verbrachte, kein Entertainer mehr wird – bei diesem Songmaterial war es durchaus zu verschmerzen, dass die wenigen Publikumsinteraktionen zwischendurch eher hölzern blieben. Ein Wermutstropfen war allerdings, dass nach eineinhalb Stunden erstmals auf dieser Tour die Zugabe „Cry of Achilles“ im Köcher blieb, immerhin eines der besten Stücke dieser Band. Dann einfach beim nächsten Mal – es kommt bestimmt.

alterbridge.com

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