Anton Bruckner und sein Werk zur Zeit des Nationalsozialismus

Bruckner-Salon mit Musikhistorikerin Karin Wagner im MedienKulturHaus Wels

Musikhistorikerin Karin Wagner
Musikhistorikerin Karin Wagner © Land OÖ/Andreas Krenn

Das Jahresprogramm zu Bruckners 200. Geburtstag wartet mit unzähligen Veranstaltungen auf und strahlt weit über Oberösterreich hinaus mit vielfältigen Projekten zur neuen KulturEXPO im Lande. In einer Kooperation mit der Stadt Wels und Unterstützung der Stadt Linz fand am Samstag im MedienKulturHaus Wels eine Matinee statt, für deren hohes Niveau die Musikhistorikerin Karin Wagner gemeinsam mit dem künstlerischen Direktor des Brucknerjahres, Norbert Trawöger, sorgten.

Es ging um die Instrumentalisierung Anton Bruckners und seines Werkes durch die Nazis im Dritten Reich. Die Fokussierung darauf passiert genau zur richtigen Zeit, da Unsicherheit für die Zukunft, Sehnsucht nach Frieden und Spaltung in der Gesellschaft die Menschen verunsichern.

Der Vortrag Karin Wagners zeichnete ein unverrückbares Bild der Vergangenheit und wurde zu einer ausufernden Unterrichtsstunde für Zeitgeschichte. Das war der Ideenfülle und dem großen Wissensumfang der Musikexpertin zu verdanken. Auf feine Art und mit großer Distanz gelang es ihr, die Skrupellosigkeit des Machtmenschen Hitler und sein furchtbares Regime darzustellen.

Hitler verglich sich mit dem Komponisten

Was ging alles in seinem Kopf vor, für wen hielt sich Hitler? Krampfhaft gesuchte Vergleiche mit Bruckner verdeckten Hitlers Suchtstreben nicht, sie reizten ihn, den Komponisten in den Himmel zu heben. 1937 ließ er in einem feierlichen Staatsakt zu Ehren des großen Meisters Bruckners Büste in dem Marmortempel Walhalla aufstellen. Bei der Kranzniederlegung spielte man aus Bruckners Symphonie Nr. 8, Propagandaminister Goebbels hielt unter dem Jubel des Volkes die anfeuernde Festrede.

Die Vereinnahmung von Bruckner und seiner Musik nahm ihren Lauf und machte ihn zum deutschen Komponisten deutschnationaler Töne. Bruckner im Nationalsozialismus, das führte zu mehrfachen Mechanismen.

Aus dem „Volksempfänger“ tönte nicht nur klassische Musik, bei NSDAP-Anhängern beauftragte Operettenmusik klang aus Richard Taubers Kehle, in einer Welt der vertriebenen und ermordeten Musik und ihrer Schöpfer lag der Gestank einer grausamen Ausgrenzung.

Ein trauriges Kapitel, das die Expertin Wagner neben Musik auch mit einigen Videobildern ins Gedächtnis rief. Etwa am Beispiel der jüdischen Familie Erich Ziesel in ihrer Wohnung oder als ein besonderes Geschenk der Hinweis auf den aktuellen 150. Geburtstag Arnold Schönbergs, von dem Karin Wagner mit einem seiner Stücke, offiziell erstmals gegen den Diktator Hitler gerichtet, ihr flammendes Memorandum an die Nazizeit beendete. Es wird seine herausragende Rolle im Gesamtprogramm des Brucknerjahres 2024 behaupten.

Von Georgina Szeless

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