Auf Bruckners Pfaden zu eigener Größe

Brucknerfest setzt konsequent auf „moderne“ Neuentdeckungen

In stimmungsvollem Rahmen: die Prague Philharmonia und der Prager Philharmonische Chor
In stimmungsvollem Rahmen: die Prague Philharmonia und der Prager Philharmonische Chor © Reinhard Winkler

Bruckner gab es am Freitag im Linzer Mariendom in einem Chor- und Orchesterkonzert mit namhaften Ausführenden — konkret der Prague Philharmonia unter Eugene Tzigane und dem Prager Philharmonischen Chor (Lukás Vasilek).

Als Solisten beeindruckten Claudia Barainsky mit höhensicherem Sopran und der russische Bariton Nikolay Borchev.

Richard Wetz, Kenner und Verehrer des Meisters

Auf dem Programm standen außer dem 150. Psalm von Bruckner und erstmals Arvo Pärts elegischer „Cantus in memoriam Benjamin Britten“ für Streichorchester und Glocke. Eine Neuentdeckung auch ein Requiem des Bruckner-Verehrers Richard Wetz (1875–1935), der zu Unrecht völlig in Vergessenheit geriet.

Wetz studierte die Partituren seines abgöttisch geliebten Meisters und widmete ihm sogar eine Monografie. Eine Art Seelenverwandtschaft muss die beiden wohl verbunden haben, denn persönlich sind sie einander nicht begegnet. Was ihr Schaffen anbelangt, nimmt darin die geistliche Vokalmusik zentralen Stellenwert ein.

Die legendäre Qualität tschechischer Musiker

Das Requiem h-Moll für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester op. 50 von Wetz, uraufgeführt 1926, offenbart deutlich Einflüsse Bruckners. In der technischen Beherrschung des Tonsatzes ist Wetz unverkennbar ein Schüler Bruckners ohne epigonale Merkmale. Die eigenständige Sprachweise seiner Totenmesse im Stile des ausgehenden 19. Jahrhunderts bedient sich keiner Homophonie oder einer streng kontrapunktischen Durchführung.

Vielmehr imponiert das Werk durch großartige Fugensätze und den für damals typischen Vokalstil geistlicher Kompositionen. Dunkle, impressionistisch gefärbte Klangbilder erwecken eine emotionale Tiefe und führen zu harmonisch wie melodisch eingängigen Chorstellen.

Die Qualität tschechischer Musiker ist ja fast legendär, was auch diesmal den Erfolg sicherte, am Pult stand – heuer hier schon zu Gast gewesen – der US-amerikanische, aus Japan stammende Dirigent Eugene Tzigane (40). Der eineinhalbstündige Abend beeindruckte an der sakralen Stätte ganz besonders, wenn auch wegen der doch kaum idealen Akustik für Kirchenkonzerte so manche dynamische Klangfeinheiten schwer realisierbar waren.

Leider zerklatschte das Publikum aus Unkenntnis die einzelnen Messteile, der erhabene Inhalt der mittelalterlichen Texte vom rhapsodisch packenden Beginn bis zum Jüngsten Gericht aufsteigend zu Wagnerischer Größe litt unter der fehlenden Spannung einer geschlossenen Darbietung litt. Dankbarer Applaus für eine wertvolle Neubegegnung.

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