Banjo-Star Bela Fleck öffnete Wien sein „Bluegrass Heart“

Béla Fleck (hier in Nashville, Tennessee. nicht im Wiener Konzerthaus) © APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/JASON KEMPIN

Mit einem Repertoire, das die Grenzen seines Instruments sprengt, hat Banjo-Virtuose Bela Fleck Sonntagabend für Herzrasen in Wien gesorgt. Mit einer All-Star-Besetzung feierte die Tour „My Bluegrass Heart“ im Konzerthaus einen würdigen Abschluss, der vom Publikum mit Standing Ovations bedacht wurde. Abseits von herrschenden Hillbilly-Klischees hatte Fleck den Bogen von den Wurzeln des Genres über die sogenannte Weltmusik bis hin zu George Gershwin gespannt.

Bluegrass muss man mögen. Dass die in Europa in die musikalische Nische verdammte aber in den USA höchst erfolgreiche Spielart des Country auch in Österreich zieht, bewies ein voller Großer Saal im Konzerthaus. Für ein derartiges Interesse bedarf es allerdings der absoluten Superstars des Genres. Die betreten nach und nach die Bühne, letztlich steigt Fleck selbst – unprätentiös, wie oft im schwarzen schlabbrigen T-Shirt – in den Opener „Blue Mountain Hop“ ein.

Fleck hat Musiker mit auf Tour genommen, die jenseits des Atlantiks jeweils selbst eine Konzerthalle füllen könnten: Fiddler Michael Cleveland, Sierra Hull an der Mandoline, Gitarrist Bryan Sutton, Mark Schatz am Kontrabass und Multiinstrumentalist Justin Moses, der von der Dobro mühelos zur Geige wechselt und sich selbst mit Fleck am Banjo messen kann. Wettbewerb ist aber ohnehin nicht angesagt, vielmehr lässt der Bandleader jedem Instrumentalisten Raum zur Konversation miteinander.

Die musikalischen Unterhaltungen auf der Bühne fallen vor allem genrebedingt schnell aus. Und selbst wenn Fleck ankündigt, das Tempo zu bremsen, wird augenzwinkernd trotzig noch einmal aufs Gas getreten. In gemächlicheren Gefilden kommt das Septett erst an, als bei Flecks Komposition „Big Country“ nicht ganz unbeabsichtigt das schottische Traditional „Loch Lomond“ mitklingt. Die Grenzen der Weltmusik lösten sich noch weiter auf, etwa bei „Psalm 136“, einem jüdischen Lied aus Uganda.

Vor der Pause hatte es aber noch mehr als nur einen Schuss „ernste Musik“ gegeben: Bela Anton Leos Fleck, der aufgrund seines musikaffinen Vaters nach den Komponisten Bartok, Dvorak und Janacek benannt worden war, hatte sich zum 100. Geburtstag des Stücks ein Neuarrangement von Gershwins „Rhapsody In Blue“ angetan – und daraus sorgfältig eine „Rhapsody In Blue(grass)“ geschneidert. Anleihen „ernster Musik“ durchziehen auch Flecks – ein erklärter Bach-Fan – restliches Repertoire.

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Jene, die den großen Banjo-Spieler kennen, waren aber ohnehin nicht überrascht. Es gebe zwei Arten von Bluegrass hatte Fleck gleich recht früh klargestellt: Traditionellen Bluegrass und die andere Art – „das ist die andere“. Und doch verbeugten sich die sieben Virtuosen regelmäßig vor ihren Vorfahren, etwa dem „Father of Bluegrass“, Bill Monroe. Oder dem erst vor wenigen Jahren verstorbenen Gitarristen Tony Rice, der das Genre mit in dessen „Moderne“ geführt hatte.

Nicht zuletzt sorgte Bassist Mark Schatz für Auflockerung, als er sein Instrument abstellte, an den Bühnenrand trat und – wie in der US-amerikanischen Mountain Music üblich – zum akustischen Drive hinter ihm einen Steptanz hinlegte. Nötig gewesen wäre das nicht, raste das „Bluegrass Heart“ des Publikums, das auch aus den Nachbarländern angereist war, zum Tempo der Musik. Entlassen wurde die Band erst nach zwei Zugaben.

(Von Christian T. Schwei/APA)

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