Bedeutende Werke, die noch nie ausgestellt wurden

Engelhartszell: Privatmuseum von Josef Schütz öffnet am Sonntag für Besucher seine Pforten

Moderne Architektur und Kunst prägen künftig Engelhartszell: das Schütz Art Museum.
Moderne Architektur und Kunst prägen künftig Engelhartszell: das Schütz Art Museum. © Schütz Fine Art GmbH/Christian Huber

Am Ortsende von Engelhartszell zieht seit kurzem ein 27 mal 27 Meter großer, weißer Würfel die Blicke auf sich. Der hochmoderne Bau mit 1600 Quadratmetern Fläche setzt einen gelungenen Kontrapunkt zum Stift aus dem 13. Jahrhundert und fügt sich an der Donau liegend ins Gesamtbild von Ortschaft und umliegender Natur ein.

Der aus Walding stammende Kunsthändler Josef Schütz (67) hat hier seinen „Alterssitz“ errichtet, den er großzügig mit Besuchern teilt: ein Privatmuseum, in dem ab 14. November Schätze zu sehen sein werden, die zum Teil noch nie öffentlich zugänglich waren.

„Alterssitz“, der alle zum Kunstgenuss einlädt

„Sehr, sehr gut“, antwortet Schütz zufrieden auf die Frage, wie er sich fühle, nachdem das alles nun fertig sei. Er habe sich in Engelhartszell schon eingelebt und mit seiner Frau Irene eine Wohnung im obersten Stock des Museums bezogen. Er plane, viel Zeit hier zu verbringen: „Das ist mein Alterssitz.“ Die Engelhartszeller waren auch schon ins Museum eingeladen und hätten sich nach anfänglichen Zweifeln nun „hellauf begeistert“ gezeigt.

Das Museum ist vom Linzer Architekten Thomas Blazek nach Feng Shui geplant. „Ein bissl Bauhaus, ein bissl Jugendstil und Quadrate“, beschreibt Schütz es. Lichtdurchflutet strahlt es viel positive Energie aus. „Alles, was möglich war, haben wir mit biologischen Baustoffen gebaut und wir sind ein Nullenergieprojekt.“ Bauzeit: ein Jahr, Kosten rund 4 Mio. Euro, alles eigenfinanziert.

Links: Moderne Architektur und Kunst prägenkünftig Engelhartszell: das Schütz Art Museum.Oben: Die Museumsbesitzer Irene und Josef SchützRechts: Albin Egger-Lienz, Zwei Mäher, um 1920Öl auf Leinwand
Die Museumsbesitzer Irene und Josef Schütz ©Fotostudio Fischerlehner, Schütz Fine Art GmbH

Große Fensterfronten lassen die Natur auf allen Ebenen herein. Das Herz bildet der großzügige Stiegenaufgang, der für eine spannende Durchlässigkeit sorgt und in Kombination mit dem Glas immer wieder neue Blickwinkel eröffnet. Die Streben auf der Skulpturenterrasse rahmen die umliegende Landschaft ein.

Gleich auf dem Vorplatz begrüßen Figuren wie die „Menschheitsfamilie“ des Julbacher Künstlers Erwin Reiter die Herannahenden und laden zum weiteren Erkunden ein. Die Edelmetall-Köpfe „King & Queen“ vom Chinesen Wu Shaoxiang seien, so Schütz, in einem aufwendigen, zwei Jahre dauernden Arbeitsprozess aus einzelnen Plättchen gefertigt worden.

Von Albin Egger-Lienz bis Franz von Zülow

Schütz zeigt in wechselnden Ausstellungen Werke aus seiner rund 600 Objekte umfassenden Sammlung, aber auch aus dem Fundus seiner Kunden. So wird man auch Malerei und Skulptur in Engelhartszell sehen können, die noch nie ausgestellt war. Das und die Tatsache, dass der Hausherr selbst die Ausstellungen kuratieren und auch Gäste führen wird, sind Alleinstellungsmerkmale, die für sich einen Besuch lohnend erscheinen lassen.

Der Schwerpunkt der Sammlung ist der Klassischen Moderne aus Österreich gewidmet, „die noch vor sich hin dümpelt, den internationalen Vergleich aber nicht zu scheuen braucht“, so Schütz. Kunst von weit her ist ihm mittlerweile zur zweiten großen Leidenschaft geworden: Seit er für den chinesischen Botschafter 2011 eine Ausstellung kuratiert hat, war Schütz rund 44 Mal in China und hat für seine Ausstellungen im Reich der Mitte schon Staatspreise erhalten. Mit Politik habe er dabei nicht zu tun. Im ersten Stock ist ein Raum spannenden zeitgenössischen Arbeiten aus China gewidmet.

„Das 20. Jahrhundert dominiert auch hier. Aber wir werden mit den guten Kontakten nach China auch einmal sehr alte Kunst von dort zeigen“, so Schütz. „Mein Ziel ist es, Kunst und Kultur in die Region zu bringen und auch Völker verbindend zu agieren.“ Und dabei einen niederschwelligen Zugang zu bieten: Arbeiten wie „Chinese Cats“ der Chinesin Jiang Shuo, ein überdimensionales Mobile aus Stoffkatzen, die im Stiegenhaus von der Decke baumeln, sollen auch ganz junge Menschen ansprechen. Schütz rechnet mit rund 40.000 Besuchern jährlich.

Einer der Höhepunkte der ersten Ausstellung ist das Bild „Tischgebet“ von Albin Egger-Lienz, das seit 1924 das erste Mal öffentlich gezeigt wird. „Bauer, Bäuerin und Knecht stehen um einen Tisch vor einer leeren Schüssel und beten. Sie danken Gott für nichts“, erklärt Schütz. Insgesamt werden Arbeiten von 55 österreichischen Künstlern gezeigt, darunter Koloman Moser, Franz Sedlacek, Oskar Kokoschka, Herbert Boeckl, Alfons Walde, Franz von Zülow, Hundertwasser, Klimt und Schiele. Schütz spickt seine Führung immer wieder mit interessanten Geschichten: Das „Bildnis Frau Gartenberg mit Tochter“ etwa bestehe nur aus einem Teil der ursprünglichen Arbeit, weil sich der Auftraggeber nach Beendigung nicht mehr das ganze Bild mit allen Familienmitgliedern habe leisten können.

Schon als Bub hat er mit Kunst gehandelt

Schon als ganz kleiner Bub habe er sich für Kunst interessiert, erzählt Schütz. „Und als Zwölfjähriger habe ich von Bauern kleine Kunstwerke wie Klosterarbeiten gekauft und mit 100 Prozent Gewinn an einen Händler in Ottensheim verkauft.“ Der geborene Kunsthändler. Bis er sich endgültig für diesen Weg entschieden hat, hat er sein Brot als Baumeister verdient.

Die Initialzündung für eine eigene Kunstsammlung kam in den 1980er-Jahren mit dem Erwerb eines Werkes von Willy Eisenschitz, der bis heute einer seiner Lieblingskünstler geblieben ist und von dem er mittlerweile die größte Sammlung weltweit besitzt. Sein großes Vorbild als Sammler ist Rudolf Leopold, ein Kunde, mit dem Schütz auch freundschaftlich verbunden war. Jedes Stück, das der Kunsthändler erwirbt, muss ihm auch gefallen. „Ich bin immer auf der Jagd“, sagt er. „Der Ankauf ist ein großes Vergnügen, jeder Verkauf ist schmerzhaft.“

In drei Atelierräumen werden gleich mit der Eröffnung des Museums zwei Künstler einziehen: der Mexikaner Enrique Fuentes und ein früherer Assistent von Ai Wei Wei. Die Räume sollen ständig für Artists in Residence zur Verfügung stehen, denen die Besucher bei der Arbeit auch zusehen können. Für den Ausstellungsshop hat Schütz in der ältesten Porzellanfabrik Chinas, gegründet 200 n. Chr., Geschirr mit Bildern von Kunstwerken aus seiner Sammlung fertigen lassen. In einer Glaskugel lässt sich die Miniaturausgabe einer Skulptur eines bekannten chinesischen Künstlers beschneien. Aber auch echte Kunstwerke wird es zu erwerben geben.

Von Melanie Wagenhofer

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