Chris de Burgh sieht „Robin Hoods in jeder Gemeinde“

Chris de Burgh im Gespräch mit der APA in Linz © APA/PHILIP BRUNNADER

Für „Robin Hood“ hat der 75-jährige Weltstar Chris de Burgh das erste Mal an einem Musical gearbeitet und acht Songs dazu komponiert. Über die Geschichte, seine 50-jährige Bühnenkarriere, Unterstützung für Künstlerinnen und Künstler, Frauenrechte und schöne Architektur plauderte der aus einem irisch-normannischen Adelsgeschlecht stammende Musiker am Mittwoch in Linz mit der APA. Am 10. Juli 2024 wird „Robin Hood“ im Linzer Musiktheater Österreichpremiere feiern.

Das Konzept von Robin Hood, von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben, sei eines, das man weltweit findet, umreißt der Ire die Faszination der Legende. „Was sich die Mehrheit der Menschen wünscht, ist nicht nur Geld, das vom Himmel fällt, sondern jemanden, der in ihrem Namen kämpft. Aber wissen Sie was? Es gibt Robin Hoods, Helden, in jeder Gemeinde, auch in Linz. Das sind Menschen, die sich zum Beispiel gegen große Bauprojekte wehren, Personen, die gegen viele Widerstände kämpfen“, verdeutlicht der Weltstar.

„Das ist der Punkt, wo Robin Hood in unserem Musical Spuren hinterlässt. Er ist privilegiert, reich, sein Vater ist der Earl of Huntington, aber er sieht um sich herum die Schrecken dessen, was die Besteuerung seinem Volk angetan hat, weil Marian ihm die Augen öffnet. Er will das zunächst nicht sehen, doch sie bringt ihn dazu und da wird er zum Helden“, unterstreicht der Musiker die starke Frauenfigur. „Sie ist für mich wie eine Jeanne d’Arc, eine Figur, die die Leute so oft ignorieren in der Geschichte – und auch heute.“ Chris de Burgh sieht sich als großen Unterstützer der Frauenrechte. Er erhielt zwar ursprünglich als erster westlicher Musiker die Erlaubnis, im Iran aufzutreten, zu dem Konzert kam es dennoch nicht. „Aber ich sagte, ich schreibe immer noch Lieder über die Tatsache, dass im Moment der Empfängnis Chromosomen entscheiden, ob jemand Mann oder Frau wird. Es ist so, dass die Mullahs eine der Frauen sein könnten, die sie unterdrücken.“

Das Musical soll nach China weiterwandern und vielleicht auch ins Englische übersetzt werden. „Die Schwierigkeit besteht darin, eine passende Sprache im Englischen zu verwenden, man muss der Zeit, den Menschen treu bleiben“. Er habe seine Songs mit Texten auf Englisch geschrieben, Textschreiber hätten dann deutsche Texte daraus gemacht. „Das hat sehr gut funktioniert.“

Kommendes Jahr geht Chris de Burgh, zu dessen größten Hits „Lady in Red“, „Don’t pay the Ferryman“, „Where peaceful waters flow“ und High on Emotion” zählen, in Deutschland auf Tournee, wird auch zur Premiere von „Robin Hood“ nach Linz kommen. „Es ist immer wieder eine Freude zurückzukommen, ich war schon in Linz, Wien, Innsbruck, Salzburg und fahre seit 40 Jahren nach Deutschland. Ich kann kommendes Jahr auf eine 50-jährige Bühnenkarriere zurückblicken. Ohne die Unterstützung des Publikums kann man keine so lange Karriere machen. Es ist eine großartige Gelegenheit, den Menschen hier für ihre Liebe und Unterstützung über so viele Jahre hinweg zu danken.“ Darum nehme er auch an der Promotion für „Robin Hood“ und den Premieren teil, weil es wichtig sei, das Produktionsteam zu unterstützen. „Ich weiß aus bitterer Erfahrung, wie furchtbar es ist, vor einem halb vollen Saal aufzutreten“, blickt er auf seine Anfänge zurück.

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„Ich habe ein paar Monate lang in einem Restaurant gesungen, und das ist furchtbar. Ich habe mich also den Berg hinaufgearbeitet. Heutzutage werden viele Menschen wie in einem Hubschrauber mitgenommen und auf dem Dach des Mont Blanc gesetzt“. Aber so geht das nicht, findet Chris de Burgh, der allein in Deutschland fünf Nummer-1-Alben hatte. „Ich sage, wenn man erfolgreich sein will, muss man über das Scheitern lernen, verstehen, wie man mit Misserfolgen umgeht, denn viele Menschen können das nicht, sie gehen in die Knie und stehen nie wieder auf“.

Sein Interesse an Geschichte und dem Mittelalter wurde auch durch das Aufwachsen in einem Schloss geweckt. „Dadurch habe ich Respekt davor, was diese Menschen geschaffen haben und Respekt davor, Teil der Geschichte zu sein. Ein Haus wie dieses sollte bei guter Pflege lange halten. Architekten sind für einige der besten und schönsten Gebäude der Welt und einige der hässlichsten verantwortlich.“ Er selbst verbrachte mit seiner Frau sieben Jahre damit, ihr Haus in Irland, „ein altes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert aus Originalstein“, herzurichten. Dennoch wurde es heuer verkauft, weil es zu groß war, als die Kinder auszogen, und der sympathische Künstler lebt mit seiner Frau wieder in dem kleineren Haus, „direkt in einem Dorf, aber mit hohen Mauern und nach Süden ausgerichtetem Garten“, in dem ihre drei Kinder zur Welt kamen.

Natürlich habe auch die Familiengeschichte, „die Tatsache, das mein Vorfahr Hubert de Burgh für King John arbeitete“, zu seinem Interesse an dem Musicalstoff beigetragen. Er selbst hat das 2022 uraufgeführte Musical bereits acht Mal gesehen – „und es gibt immer wieder zwei bis drei Szenen, bei denen ich Tränen in den Augen habe“, gesteht der Komponist. „Es ist auch sehr speziell, wenn jemand anderer deine Songs singt.“

(Das Gespräch führte Ulrike Innthaler/APA)

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