Das Feuer eines Progressiven

Brucknerhaus: Drei Musikerinnen und „Brahms, der Fortschrittliche“

Antje Weithaas (l.) und Silke Avenhaus
Antje Weithaas (l.) und Silke Avenhaus © LIVA/Oliver Erenyi

Drei renommierte deutsche Musikerinnen haben sich am Weltfrauentag zu einem exklusiven Kammermusikabend im Brucknerhaus zusammengefunden — mit einem Programm, das Einflüsse und schöpferische Anregung von Johannes Brahms auf die musikalische Moderne zum Inhalt hatte.

Eine gut durchdachte und großartig ausgeführte Veranstaltung, wie man sie sich öfter wünschen würde.

In allen Klangfarben glänzend

Dabei hat Brahms der Überlieferung nach zeitlebens weniger eine fortschrittliche, sondern mehr eine dauerhafte Musik gefordert, die die Musik der Vergangenheit aus einer gegenwärtigen Perspektive noch einmal zusammengefasst wissen wollte. Am Ende einer klassisch-romantischen Epoche hatte Brahms mit seiner Musik praktisch eine offene Einstellung zu Innovationen. Die Zusammenstellung dieser Gedanken offenbarte deutlich die Vortragsfolge.

Antje Weithaas (Violine), Marie-Luise Neunecker (Horn) — die übrigens erstmals in Linz war — und Silke Avenhaus (Klavier) achteten sogar auf die Chronologie der Brahms-Werke im ersten Teil. Zu Beginn spielten Weithaas und Avenhaus die 1886 spät entstandene Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 op. 100, die „Thuner“-Sonate, ein bekanntes Liedthema variierend, in erregter Erwartung einer Brahms-Freundin im Urlaubsdomizil, entsprechend heftig artikulierend vorgetragen mit dem unauslöschlichen Brahmsschen Feuer für die Widmungsträgerin. Erst das Horn brachte im nächsten Opus, dem Es-Dur Trio für Violine, Waldhorn und Klavier op. 40, Beruhigung durch ein homogenes Spiel. Man schrieb ja das Jahr 1865, in dem Erinnerungen an das „Deutsche Requiem“ quasi als Trauerarbeit für die verstorbene Mutter auftauchten. Das kostbare Juwel dieses Werkes glänzte in allen Klangfarben im herrlichem Gold der Hornstimme des romantischen Instrumentes, besonders im langsamen Satz, aus dem man eine starke musikalische Bindung zu dem Lieblingsinstrument von Brahms herauszuhören meinte. Der Hornistensohn spielte das Instrument bekanntlich ja selbst.

Nach der Pause dann die andere, neue, an Brahms orientierte Welt: Arnold Schönbergs Phantasy für Violine mit Begleitung des Klaviers op. 47 aus 1949, vom Komponisten selbst als ungemein schwierig bezeichnet, was die Interpreten kaum merken ließen. Der radikale, inzwischen 74-jährige Zwölftöner Schönberg, erfüllt von neuer Harmonik und alter Form, wollte weiterentwickeln und leitete zugleich eine neue Epoche ein. Absolut kein Widerspruch in seiner Musik, „in der das Herz den Kopf anleiten müsse“.

Zum Höhepunkt führte das Trio für Violine, Horn und Klavier aus 1982 des 2006 verstorbenen Ungarn György Ligeti, halb ironisch, halb tiefernst in vier Sätzen gegen die konventionelle Avantgarde auftretend, aber als Hommage an Brahms — mit wenn auch versteckten Zitaten — die Vergangenheit und Zukunft als Kern des außergewöhnlichen Programmkonzeptes erzielt zu haben. Eine Schubert-Zugabe war bewundernswert.

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