Das neue Wien Museum ist eröffnet

Die zentrale Halle mit Highlights der Dauerausstellung © APA/ROLAND SCHLAGER

Wien hat „sein“ Museum zurückerhalten: Am Mittwoch ist das umfänglich sanierte und teils neu gestaltete Haus am Karlsplatz nach rund drei Jahren Umbaupause wieder eröffnet worden. Das einstige Historische Museum der Stadt Wien, das seit 2003 als Wien Museum firmiert, ist in einem denkmalgeschützte Oswald-Haerdtl-Nachkriegsbau untergebracht. Dieser wurde völlig entkernt – und sogar aufgestockt. Die Dauerausstellung wurde völlig neu konzipiert, sie kann gratis besucht werden.

„Es ist wirklich ein Freudentag für diese Stadt“, zeigte sich Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) überzeugt. Die Arbeiten seien unter sehr schwierigen Bedingungen, also etwa während der Corona-Pandemie, erfolgt. „Es ist geglückt, in einem denkmalgeschützten Bau eine neue Architektur zu verankern, mit allen Schwierigkeiten, die das mit sich bringt“, hob sie hervor.

Auch Museumsdirektor Matti Bunzl schwärmte: „Das ist ein unglaublich surrealer Moment.“ Er sei „so happy und glücklich“. Der Chef des Hauses sowie Finanzdirektorin Christina Schwarz verwiesen darauf, dass man schon 2019 gesagt habe, im Dezember 2023 eröffnen zu wollen. Das sei geglückt. Und: Auch im Kostenrahmen ist man geblieben. „Wir haben keine zusätzlichen Mittel benötigt“, berichtete Schwarz.

108 Mio. Euro wurden 2018 als Budget für die Umgestaltung freigegeben. Steigen dürften lediglich die Kosten für den Betrieb der Museen der Stadt – zu der auch zahlreiche andere Standorte und die Depots gehören, wie betont wurde. Man verhandle derzeit über eine Inflationsanpassung.

Für die Neugestaltung des Hauses zeichnet das Architektur-Team Roland Winkler, Klaudia Ruck und Ferdinand Certov verantwortlich. Am 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich insgesamt 274 Büros aus 26 Ländern beworben. Die Sieger verfügen über Standorte in Graz, Klagenfurt und Wien. Sie haben dem Wien Museum unter anderem eine spektakuläre Halle spendiert. Dazu wurde das einstige Atrium umfunktioniert, also der große zentrale, überdachte Lichthof.

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In der Halle wurden Highlights der neuen Dauerausstellung versammelt. Es sind dies etwa der Prater-Wal „Poldi“, die Figuren des Donnerbrunnens, der alte Südbahnhof-Schriftzug, das Hrdlicka-Holzpferd aus der Waldheim-Debatte oder die ehemalige Dienstkutsche der Wiener Bürgermeister. Die neue Dauerschau mit dem Titel „Wien. Meine Geschichte“ wird sich künftig über drei Etagen erstrecken und auf 3.300 Quadratmetern rund 5.000 Jahre Stadtgeschichte präsentieren. Damit ist sie deutlich größer als früher. Die Sammlung spannt den Bogen von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Im „alten“ Wien Museum war Anfang des 20. Jahrhunderts Schluss.

Der Eintritt für diese permanente Schau wird gratis sein. Allerdings gibt es eine erlaubte Höchstkapazität, wie heute betont wurde. Sollte der Andrang zu groß werden, muss notfalls vorübergehend zugesperrt werden, erläuterte Bunzl. Im ersten Monat der Öffnung können auch Zählkarten für bestimmte Timeslots online reserviert werden.

Ein klassisches Museumsticket braucht man nur noch für die Sonderausstellungen, die im aufgesetzten neuen Schwebegeschoß untergebracht sein werden. Dieses wurde dem Bestandsgebäude quasi aufgesetzt. Konkret ruht der Betonkubus-Hut auf Säulen und nicht direkt auf dem Gebäude, zu dem mehrere Zentimeter Abstand gehalten wurden. Das neue Wien Museum ist nun 25 Meter hoch. Der Haerdtl-Bau allein misst 16 Meter. Nahezu verdoppelt hat sich damit auch die gesamte Ausstellungsfläche, nämlich von 6.900 auf 12.000 Quadratmeter.

Im Zwischengeschoß wurde ein Cafe samt Terrasse eingerichtet, die einen beeindruckenden Blick auf Karlsplatz und -kirche ermöglicht. Auch im Eingangsbereich gibt es nun Gastronomie, wobei das Entree des Wien Museums ebenfalls völlig neu gestaltet wurde. Ein Glaspavillon reicht dort nun in den Vorplatz. Er soll auch den Lärm der benachbarten Straße ein wenig dämpfen. Im Sommer kann die neu gewonnene Fläche auch bespielt werden – etwa kulinarisch mit einem Schanigarten.

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