Das „Panini-Album“ zu Stifter

Ausstellung „Stifter: Illustriert“ im Linzer Stifterhaus – Eröffnung am Dienstag

Die Ausstellungsmacher Georg Hofer, Thomas Pauli und Stifterhaus-Direktorin Petra-Maria Dallinger
Die Ausstellungsmacher Georg Hofer, Thomas Pauli und Stifterhaus-Direktorin Petra-Maria Dallinger © Stifterhaus

Schimpfen lernen mit Adalbert Stifter, vielleicht hat ja auch Beschimpfungsmeister Thomas Bermhard beim Dichter des „Nachsommer“ gelernt. „Welcher Schrek (sic)! Da ist alles verfehlt“, schrieb Stifter in einem Brief am 30. November 1852 an seinen Verleger Gustav Heckenast. Stifter weiter über den Illustrator von „Bunte Steine“: „Zweiter Band. Noch viel schlechter. Ist das der Schusterknabe naiv, beobachtend, wißbegierig thatkräftig? Das Angesicht ist das schlechteste und stümperhafteste, es ist geradezu elend, wie es häufig Anfänger machen.“

Stifter konnte auch anders, den Illustrationen von Peter Johann Nepomuk Geiger gab er sogar den Vorzug vor dem eigenen Text: „Dieser Witiko ist weit schöner als der meinige.“ Gekränkte und befriedigte Eitelkeit des Dichters oder berechtigte Kritik? „Kunst war für Stifter tatsächlich heilig“, erläuter Petra-Maria Dallinger, Direktorin des Linzer Stifterhauses. DIE Kunst bei Stifter als Vermittlerin zwischen irdischem Dasein und göttlicher Sphäre – da konnte es den Dichter schon ordentlich wurmen, wenn eine Bebilderung so gar am Text vorbei gestaltet wurde. Die Empörung legitim, „sanftes Gesetz“ (Stifters Glaube an eine Weltharmonie) hin oder her.

Surfen durch 150 Jahre

„Stifter: Illustriert“ heißt die exzellente Ausstellung im Linzer Stifterhaus, ein Streifzug nicht durch Stifters textliches Werk, sondern durch rund 150 Jahre Illustrationen von Stifters Dichtungen und Briefen bis in die Gegenwart. Petra-Maria Dallinger, die mit Georg Hofer und Ivan Slavik, Direktor des Regional Museums in Krumau, kuratiert hat, nennt die Ausstellung – passend zu ballesterisch aufgeladener Zeit – ein umfassendes „Panini-Album“ zu Stifter. Die Illustrationen zuvorderst aus dem hauseigenen Archiv bezogen sowie aus den Krumauer Sammlungen. 1470 Bilder, die erstaunlich übersichtlich (Gestaltung: Thomas Pauli) an den Wänden des großen Saals im Stifterhaus aufgefädelt sind: Stifters Werke durch Farbgebung klar getrennt, die Illustrationen von rund 100 Künstlerinnen und Künstlern jeweils zu einem Werk zeitlich geordnet. Zu sehen sind als Stifters Favoriten besagter Peter Johann Nepomuk Geiger, Josef Maria Kaiser oder der „akademische Kupferstecher“ Josef Axmann, mit dem Stifter auch eng befreundet war.

Buchillustrationen waren zu Stifters Zeit ein wesentliches, auch verkaufsförderndes Element. „Das Buch“ ein Gegenstand, der in der Familie herumgereicht wurde, in dem geblättert wurde, der gemeinsam betrachtet wurde. Ein Rundgang lohnt aus mehreren Perspektiven, historisch interessant: Was lasen die Künstler aus den Texten heraus? Wie rau, wie lieblich zeichneten sie zu ihrer Zeit? Wie idyllisch, wie düster, wie abstrakt, wie „realistisch“ illustrierten sie?

„Stifter: Illustriert“ lädt ein zum Staunen, zum Genießen. Kunsthandwerk und Zeitreise, und natürlich sanftes Anstupsen: Stifter lesen.

Von Christian Pichler

„Stifter: Illustriert“ im Linzer Stifterhaus, bis 30. März 2023, Di-So 10-15. Eröffnung am Dienstag (29.11.), 19.30 Uhr, mit LH Thomas Stelzer

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