Demi Lovato in Ischgl: Von „Pop-Demi“ zu „Rock-Demi“

Demi Lovato kann es auch rockig © APA/Getty (Archiv)/MIKE COPPOLA

Die US-amerikanische Popsängerin Demi Lovato hat Samstagabend mit dem „Top of the Mountain Opening Concert“ die Skisaison in Ischgl musikalisch eröffnet. Mit ihrer reinen Frauenband kredenzte sie den 15.500 Besuchern Brachial-Rockiges, bei dem leise Zwischentöne wenig bis keinen Platz hatten. Ein Abend im Schnee, der überzeugte. Mit einer „neuen Demi.“

Mit einer selbst an der Gitarre hantierenden Lovato brauchte es für dieses recht rustikale Unterfangen nicht viel mehr als eine zweite Gitarre, Bass und Schlagzeug. Für diese damit einhergehende Klarheit im Ausdruck und ihren kraftvollen Gesang, der sich sehr gut an das Konzept und an die Band anpasste und dieser trotz enormer Lautstärke Paroli bieten konnte, hagelte es gleich nach dem Anfangssong „Holy Fuck“ ausgiebige „Demi, Demi, Demi“ Rufe, die vor allem aus weiblichen Mündern drangen. Fortgesetzt durch „Freak“ und „Eat Me“ dachten im Anschluss weder Lovato noch ihre Band daran, Lautstärke, Tempo oder Brachialität zu drosseln. Stattdessen wurden dem Publikum bei zunehmend starkem Schneefall ordentliche Rock-Kracher vor den Latz geknallt, die in ihrer Zusammensetzung als eine Mischung aus Black-Sabbath-Riffing mit Soundgarden-Einflüssen vermengt mit einem Hauch Punk-Rock durchgehen konnten.

Das Publikum bewegte sich tapfer und tatsächlich in Teilen auch textsicher durch diese eher ungewohnten und rauen Töne, an deren vorläufigem Ende der Hit „Sorry Not Sorry“ stand, dem aber auch ein eher rockiges Kleid angezogen wurde. Lediglich die Stimme von Lovato, die sich bei diesem Song gekonnt-virtuos in luftige Höhen schwang, erinnerte an die „Pop-Demi“, die sie früher einmal gewesen sein mochte. Am ehesten war diese auch noch bei den gelungenen Visuals anwesend, die mit Vertigo-Effekten und modifizierten Kreuzen operierten.

Angesichts der insgesamt dennoch vorherrschenden Rockkulisse überzog Lovato aber die eine oder andere Gesangspassage. Um pure Präsenz zu erzeugen griff sie zum Teil zu wenig subtilen Gesangsmitteln, die ihre Stimme hin und wieder auch in eine Art von exaltiertem Ausdrucksgesang kippen ließen, bei dem zudem nicht jeder Ton wirklich fest im Sattel der allgemein üblichen Tonalität saß. Diesen leichten Hang zu „Schiefheit“ verzieh man ihr aber geflissentlich, merkte man ihr das ungeschminkte Engagement doch stets an, das wohl auch tatsächlich ernst gemeinte Leidenschaft interpretiert werden konnte.

Als Highlights bei recht mittelmäßiger Soundabmischung stellten sich schließlich „29“ , „City of Angels“ und das unkaputtbare „Heart Attack“ heraus, bei dem Lovato noch einmal fast so klang, wie im Jahr 2013, als der Welthit erstmals erschienen war. Hier schien auch ihre Band etwas differenzierter und weitsichtiger zu agieren: Statt alles mit hartem Rock zu überziehen zitierte man den damals unschuldigen Punk-Gestus, der schamlos mit Mainstream-Pop flirtete.

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Nach zwei weiteren Zugaben beendeten Lovato und ihre Mitstreiterinnen ihr knapp 80-minütiges Set. Weitere Zugabe-Rufe verhallten ungehört, wenig später nahm schon ein DJ auf der Bühne beim Sportplatz in Ischgl das Zepter in die Hand und ließ die Meute noch eine Weile mit ganz anderen Klängen weitertanzen.

Somit hatten sich Lovato & Co. mit harten Klängen in die Annalen der Ischgl-Geschichte eingeschrieben. Von der relativen Wortkargheit bei der vorangegangenen Pressekonferenz am Nachmittag, war auf der Bühne nur noch wenig zu spüren gewesen. Die Bühne war somit wohl eher ihr Element als Pressekonferenzen. Bei letzterer hatte sie sich etwa sehr zurückhaltend dazu geäußert, ob sie demnächst – ähnlich wie ihre Popstar-Kollegin Britney Spears – demnächst auch ihre Memoiren niederschreiben möchte. Außerdem hatte sie sich dort als leidenschaftliche Snowboarderin mit positivem Gemüt zu erkennen gegeben.

(Von Markus Stegmayr/APA)

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