Die Mediathek rettet das Archiv der Vereinigten Bühnen

Alte VBW-Tonträger werden nun digitalisiert © APA/dpa/Christian Charisius

Eigentlich ist das Theater ja eine transitorische Kunst, die in dem Moment vergeht, in dem sie entsteht. Und doch stimmt dies nur zum Teil, hat die Menschheit doch technische Hilfsmittel entwickelt, Aufführungen zumindest in dokumentarischem Charakter der Nachwelt zu erhalten. Dass dies mit kuratorischer Sorgfalt geschieht, dafür steht die Österreichische Mediathek, der nun die Vereinigten Bühnen Wien ihren Bestand anvertrauen – gerade noch rechtzeitig.

„Diese Bild- und Tonträger erfahren eine Rettung in der letzten Minute“, machte Peter Aufreiter als Generaldirektor des Technischen Museums bei der Präsentation der Kooperation am Dienstag deutlich: „Die Mediathek agiert wie ein Notsanitäter in gewissen Dingen.“ Schließlich schreite die technische Entwicklung unaufhaltsam voran und seien bisweilen nur wenige Jahrzehnte alte Aufnahmen mit gängiger Hardware praktisch nicht mehr lesbar. „Hieroglyphen waren wesentlich haltbarer als VHS-Kassetten“, machte auch Mediathek-Leiterin Gabriele Fröschl die Herausforderungen für ihr Haus deutlich.

Das nun übergebene VBW-Archiv umfasst Material zu Produktionen aus 70 Jahren Theatergeschichte. Seit Beginn wurden Aufführungen der einzelnen Häuser intern dokumentiert, seit den 1980ern auch mit Videoaufnahmen. „Wenn wir ein neues Stück entwickeln, dauert das im Schnitt vom ersten niedergeschriebenen Wort bis zur Premiere drei Jahre. Und diesen Weg dokumentieren wir“, unterstrich VBW-Geschäftsführer Franz Patay.

Mehrere Tausend Stunden Material umfasst nun das Archiv der VBW, die auch künftig ihre Materialien an die Mediathek weiterleiten. 23 Regalmeter davon wurden nun bereits digitalisiert, darunter 278 VHS-Kassetten. So gibt es primär Probenausschnitte diverser Stücke zu sehen, aber auch Erstaufführungen ganzer Stücke wie „Cats“ oder „Elisabeth“. Hinzu kommen Originalaufnahmen von Musicalaufführungen mit Josef Meinrad, Dagmar Koller oder Christoph Waltz, Lesungen mit Oskar Werner, Helmut Qualtinger oder Erich Kästner, aber auch Sonderveranstaltungen mit Juliette Greco, Georg Kreisler oder Friedrich Gulda.

Entweder machen sich Interessierte persönlich in die Mediathek in der Gumpendorfer Straße 95 auf. Zur wissenschaftlichen Forschung kann man die Institution auch online unter mediathek.at besuchen, wo die Daten zur Recherche freigeschaltet werden.

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