Die Ordnung der Milchschaumplättchen

Premiere: Linzer Kollektiv „Das Schauwerk“ spielt im Theater Phönix „Generation Why“

Oh Schreck, Generation Y! Die „neuen Boomer“? Stefan Parzer, Sarah Baum, Julia Frisch und Stefanie Altenhofer
Oh Schreck, Generation Y! Die „neuen Boomer“? Stefan Parzer, Sarah Baum, Julia Frisch und Stefanie Altenhofer © Andreas Kurz

Überqualifiziert, aber mit dem Gefühl, nichts richtig zu können. Die Partnerbörse dieser komplizierten Individuen die Hölle: „Ich bin ganz bei dir, aber leider nicht ganz bei mir.“ Den „woken“ (wachen) Verstand nützen sie für exquisite Kaffeeauswahl, die Milchschaumplättchen bitte symmetrisch! – Schlaumeier und Hohlköpfe wie in jeder Generation.

Flott beginnt „Generation Why – Leben am Limit oder ich habe mir eine Pfanne gekauft“. Eine Tanzeinlage und ein Lied (Musik und Songtexte: Daniel Feik) über „Leben am Limit“. Passenderweise in Joggingkluft, was zufällig die Edelgewandung der nächsten Lockdown-Wochen vorwegnimmt.

Reminiszenz an die Boy- und Girl-Groups, als die Möglichkeiten grenzenlos schienen, zumindest in den prägenden Medien. Kein Limit, dafür „Challenges“.

Uraufführung von „Generation Why“ in der Regie von Anja Baum war am Donnerstag im Linzer Theater Phönix. Das Linzer Kollektiv „Das Schauwerk“, 2019/20 mit dem Anerkennungspreis für Bühnenkunst des Landes OÖ ausgezeichnet, mit einer Collage, die nie ins Boshafte driftet, sondern das eigene fragwürdige Dasein liebevoll aufs Korn nimmt.

Rasante Show, Standing Ovations. Achtzig Minuten blendende Unterhaltung mit Hirn und einem enorm spielfreudigen Ensemble. Keine 20 mehr, der 40-er rückt bedrohlich nahe. Das Dazwischen – was? Geboren, um den Eltern das Smartphone einzurichten? Eine „unsichere, unnötige, uncoole“ Generation, übler Verdacht: „Wir sind die neuen Boomer!“

Jobbewerbung als Sitcom, für proaktive Persönlichkeiten geht sich ein unbezahltes Praktikum aus. Immerhin Gelegenheit zum – haha! – Netzwerken. Mit dreißig drängt sich langsam Kinderwunsch auf. Der wird im Horror-Genre abgehandelt („Ich weiß, dass du letzten Sommer nicht verhütet hast“).

Noch einmal mächtig gute Laune vor der Zombie-Existenz im Lockdown. Samstag und Sonntag, 19.30 Uhr.

Von Christian Pichler

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