Dramaturg Ulrich Lenz wird Intendant der Oper Graz

Der Deutsche Dramaturg Ulrich Lenz wird ab der Saison 2023/2024 die Intendanz an der Grazer Oper übernehmen. Nora Schmid, die derzeit die Oper leitet, wird 2023 an die Spitze der Dresdener Semperoper wechseln. Lenz hat sich unter 21 Mitbewerberinnen und Mitbewerbern – zwei davon bewarben sich als Doppelspitze – durchgesetzt. Er arbeitet derzeit als Chefdramaturg und Mitglied des Leitungsteams an der Komischen Oper Berlin.

Bernhard Rinner, Geschäftsführer der Bühnen Graz, sagte am Freitag bei der Präsentation von Ulrich: „Das Wetter bringt zwar trübe Aussichten, aber meine sehr geehrten Damen und Herren, der Lenz ist da.“ Er sei aus einem umfangreichen Auswahlverfahren hervorgegangen und setzte sich am Ende auf der Shortlist gegen einen anderen Mann und eine Frau durch.

Elisabeth Freismuth, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bühnen Graz und Juryvorsitzende, erklärte die Gründe für die Entscheidung, Lenz zum Intendanten zu machen: „Er hat die Jury mit seiner Persönlichkeit, seiner breit gefächerten beruflichen Expertise und seinen auf das Opernhaus Graz fokussierten konkreten Vorstellungen für ein zeitgemäßes Musiktheater mehr als überzeugt. Es war die einhellige Meinung aller Jurymitglieder, dass Ulrich Lenz die Besucherinnen und Besucher des Opernhaus Graz mit seinen künstlerischen Positionen inspirieren und dabei ein sichtbares Zeichen in der internationalen Opernwelt setzen wird.“ Er habe ein vielseitiges Papier mit Ideen für einen Spielplan vorgelegt und dafür intensiv auch vor Ort recherchiert. Es handle sich um ein für Graz „maßgeschneidertes Konzept“.

Lenz wolle sowohl die Tradition in Graz – mit den vier Säulen Mozart, Wagner, das italienische Repertoire des 19. Jahrhunderts und das slawische Repertoire – aufrechterhalten, und diese durch Ausnahmeformate, Neuentdeckungen im Bereich der Barockoper und Uraufführungen ergänzen. Graz soll ein „internationaler Ort der Uraufführungen werden“, berichtete Freismuth von Lenz’ Plänen. „Besonders sprühend waren auch seine Ideen zum Thema Kinderoper, Operette und Musical. Und zwar auch hier abseits des Mainstreams, wo er uns überzeugt hat, was es alles zu entdecken und zu sehen gibt und wie man das auch frech darstellen und umsetzen kann, um gegebenenfalls auch neue Publikumsschichten zu erreichen.“

Lenz selbst sagte bei seiner Vorstellung, dass er sich „fast schon ein bisschen zu Hause“ fühle. Nach seinen Jahren am Landestheater Linz schlage mindestens die Hälfte seines Herzens für Österreich. Das Land sei für ihn „immer am Puls der Zeit“, und er schätze auch die Nähe zu Ungarn, Slowenien, Kroatien und Italien. „Die Oper Graz ist ein gut aufgestelltes Haus mit einer großen Tradition und großem Potenzial, also beste Voraussetzungen, um an die wunderbare Arbeit von Nora Schmid anzuschließen.“ Er wolle ihren Weg weiter beschreiten, manches vielleicht ausweiten, andere Akzente setzen, „das gehört ja dazu“. Lenz will auch „die Schwellenängste vom heiligen Tempel Opernhaus abbauen“ und so neue Publikumsschichten erreichen.

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Der Grazer Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) empfand die „Leidenschaft und Austrophilie“ von Lenz als „sehr verheißungsvoll“. Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) unterstrich das professionelle Auswahlverfahren und dankte Nora Schmid noch einmal für „den Zauber, den sie in die Stadt gebracht hat“.

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