„Ein paar Takte heben wir für Improvisation auf“

Im Musiktheater wurde ein dichtes Programm für das 1. Trimester des Brucknerjahres präsentiert

V.l.: LH Stelzer, Stadträtin Lang-Mayerhofer, Landeskulturdirektorin Nazzal und Norbert Trawöger, künstlerischer Leiter des Brucknerjahres
V.l.: LH Stelzer, Stadträtin Lang-Mayerhofer, Landeskulturdirektorin Nazzal und Norbert Trawöger, künstlerischer Leiter des Brucknerjahres © Land OÖ/Peter Mayr

„Bruckner steht für Tradition und Innovation und als künstlerisches Markenzeichen für unser Land. Entsprechend vielfältig, dicht und breit wird das Angebot im Jubiläumsjahr“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer gestern bei der Vorstellung des Programmes für das erste Trimester das Brucknerjahres 2024, mit dem der 200. Geburtstag des großen oö. Komponisten gefeiert wird. Neben Stadt und Land beteiligen sich an der ersten KulturEXPO 34 Brucknergemeinden, es gibt Kooperationen mit der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 Salzkammergut und internationalen Partnern. Aus den Einreichungen zu einem Call wurden insgesamt 18 Projekte ausgewählt. Bereits bei der ersten Durchsicht bestätigt sich die Ankündigung, dass wirklich für alle etwas dabei ist.

Schon in den letzten Tagen dieses Jahres kann man sich einstimmen. Sozusagen als Ouvertüre lädt das Bruckner Orchester am ersten Adventwochenende (2.12.) unter dem Titel „Tremolo: Bruckner 1“ zur Aufführung der 1. Sinfonie an den Ort der Uraufführung: in die Linzer Redoutensäle. In Crashkursen können Interessierte sich schon mit Bruckner beschäftigen: Es geht dabei quer durch die Biografie, man lernt wie einst Bruckner Paschen, hört Musikbeispiele. „Danach hat man ein Gespür für den Mann und warum er so Musik gemacht hat, wie er sie gemacht hat“, versichert die Leiterin der Vermittlungsprogramme, Lydia Zachbauer. Es gibt ein breites Vermittlungsangebot, mit „Bruckner³“ ist man schon jetzt in 3. und 4. Klassen in Volksschulen präsent, für Landesmusikschulen wurde Brucknerisches leicht arrangiert, so dass schon junge Talente damit reüssieren können („Play.Sing.Bruckner“).

Der tatsächliche Startschuss fällt dann am 1. Jänner mit dem Neujahrskonzert im Brucknerhaus: Das Bruckner Orchester und Chöre aus nah und fern zelebrieren das „Locus iste“ des großen Meisters. Es folgen bis zum Ende des ersten Drittels des Brucknerjahres 79 Veranstaltungen. Am 4. Mai werden Ausstellungen eröffnet, die in Zusammenarbeit mit der OÖ Landes-Kultur GmbH entstehen: im Stift St. Florian unter dem Titel „Wie alles begann. Bruckners Vision“, auch im Anton Bruckner-Museum Ansfelden widmet man sich dessen Leben und Schaffen. Die Linzer Landesbibliothek feiert nicht nur Bruckners Jubiläum, sondern auch das eigene 250-jährige Bestehen, im Stifterhaus gesellt sich zum Namensgeber dann thematisch auch Bruckner.

Eine Orgel am Spielplatz und Bruckner im Wald

Ein originelles Projekt ist gerade im Entstehen: Auf Anregung von Norbert Trawöger, künstlerischer Leiter des Brucknerjahres, arbeitet der Linzer Architekt und Künstler Klemens Bauder an einer Schorgel. Sie fragen sich, was das ist? Eine Mischung aus Spielgerät und Orgel. Die darf dann auf ihrer Tour durch OÖ in 18 Brucknergemeinden auf Spielplätzen von den Besuchern bespielt werden. Dabei kommt je nach Bewegung und Zusammenspiel klanglich immer wieder Neues heraus. Die Welser Minoritenkirche wird zum Schauplatz für die hochinteressante Klanginstallation „Dark matter“ von Lucas Norer, die sich mit der Vereinnahmung von Bruckner durch die Nationalsozialisten auseinandersetzt. Der Linzer Komponist Peter Androsch macht aus dem Kürnberger Wald einen Klangwald und Bruckners Musik zum Mittel der Entschleunigung.

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sieht im Brucknerjahr ähnliche Chancen für seine Stadt wie 2009 als Kulturhauptstadt. Dieses will man neben Konzerten, so Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer, für eine „moderne, zeitgenössische Reise zu Bruckner“ nutzen: „Playing Anton“ heißt ein Tool im Ars Electronica Center, mit dem man spielerisch mit seinem Körper Orchestermusik hörbar machen können wird. Die Klänge dafür hat das Bruckner Orchester eingespielt. Dazu gibt es ebendort die Ausstellung „Being Anton“. Auch das Nextcomic- und das Stream Festival setzen Schwerpunkte zum Jubilar: Im Rahmen von Letzterem werden Kirchen von DJs und mit Performances bespielt. Im Brucknerhaus stellen sich — auch zum 50-Jahr-Jubiläum des Hauses — am 22. 3. das Bruckner Orchester und am 23.3. die Wiener Philharmoniker unter Zubin Metha jeweils mit der 1. Sinfonie Bruckners ein.

Gemeinsame Projekte mit der Kulturhauptstadt

Netzwerkend und international für das Brucknerjahr werbend ist die Landeskulturdirektion im Einsatz. Leiterin Margot Nazzal nannte in diesem Zusammenhang gemeinsame Projekte mit der Kulturhauptstadt 2024:etwa den Auftritt des Bruckner Orchesters mit 400 Sängerinnen und Sängern in der Saline („Bruckners Salz“) und das Projekt „Silent Echoes: Dachstein“, bei dem Klänge der Glocken von Notre-Dame in den Eishöhlen hörbar werden. Am 30. 11. wird es ein gemeinsames Fest in der Papierfabrik Laakirchen geben.

Von Beginn an bietet das Brucknerjahr also ein dichtes Programm, das aber auch noch Überraschungen parat hält: „Ein paar Takte haben wir uns für Improvisation aufgehoben“, sagt Norbert Trawöger. Wer unschlüssig ist, was er vom Brucknerjahr erleben möchte, der wird in einen digitalen Kulturplaner persönliche Interessen eingeben können, der dann Vorschläge ausspuckt. mel

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