Ein solistisches Klangerlebnis

Begeisterung beim musica sacra-Konzert in der Linzer Martinskirche

Benedikt Mitterbauer
Benedikt Mitterbauer © musica sacra/Herzenberger

Eine Viola aus Cremona (ca. 1810 von Giovanni Battista Ceruti) als Leihgabe der Nationalbank ist in den Händen von Benedikt Mitterbauer (*1994) einen Abend lang in der Martinskirche im Zuge der musica Sacra-Reihe zum solistischen Klangereignis geworden.

Mitterbauers umfassende Musikausbildung begann sehr früh im musikalischem Elternhaus, fand im Landesmusikschulwerk Vöcklabruck und an der Anton Bruckner Privatuniversität ihre Fortsetzung und reichte bis ans Salzburger Mozarteum und nach Wien.

Er kommt wie so viele Berufsmusiker aus der „Stifterstraßenschmiede“ und wird bald bei berühmten internationalen Orchestern am Bratschenpult gefragt sein. Seit 2020 ist Mitterbauer führender Solo-Bratschist des Bruckner Orchesters.

Bach, Hindemith und Sulzer am Programm

Zum Start dieses Abends wählte Mitterbauer Bachs Solo Suite Nr.1 G-Dur BWV 1007 als Tanzsuite, die ursprünglich für Violoncello piccolo oder kleines Cello entstand, und für Solobratschisten als spielerische Abwandlung immer einen großen Reiz bietet. In den sechs Sätzen war bereits das „Prelude“ mit seinen reichen Figurationen und den klangsatten Akkordbrechungen ein faszinierender Anfang.

Die folgenden Tanzsätze brachten eine makellos spieltechnische Abwandlung, die in der geheimnisvollen Akustik der Martinskirche einen Ruhe ausströmenden Nachklang erzeugte. Ganz anders war die Wende zu Paul Hindemith (1895-1963) mit der Sonate für Bratsche allein op. 25/1., die wild und aufbegehrend als musikalisches Sturm- und Drangstück eines erst 27-jährigen Komponisten und Bratschenspielers in die Musikgeschichte einging.

Die völlig neue Klangsprache war für Hindemith als damaliger „Bürgerschreck“ fast ein Aufruf zum musikalischen Rebellen. Auch dies gelang dem Solisten auf dem kostbaren alten Instrument und wurde mit der nötigen Angriffslust gemeistert. Für Balduin Sulzer (1932-2019) war Benedikt Mitterbauer quasi ein „Enkelschüler“, der in persönlichen Begegnungen den Stil Sulzers erfahren konnte.

Bei der „Aria für Viola solo“konnte Mitterbauer die anfängliche Gelassenheit, die quirlige Spielfreude, die rhythmische Herausforderung und oft überraschende Harmonik in edle Bratschentöne kleiden. Kein Wunder – das Konzertpublikum war begeistert über diese Begegnung mit dem jungen oberösterreichischem Künstler, der im Alleingang einen großen Konzertabend gestaltete.

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