„Eine öffentliche Frau“: Erika Pluhar wird 85

Langjährige Burgschauspielerin, Sängerin, Filmemacherin und Autorin

INTERVIEW: ERIKA PLUHAR

Lesungen aus ihrem jüngsten Buch „Gitti“, Konzerte mit Kollegen wie Otto Lechner oder Adi Hirschal, ein Fest und eine Retrospektive im Metro Kinokulturhaus und die Bildbiografie „Trotzdem“: Rund um ihren 85. Geburtstag am 28. Februar ist der Terminkalender von Erika Pluhar gut gefüllt. In einem Interview mit dem „anzeiger“ sagte sie kürzlich: „Solange ich auf die Bühne gehen und singen kann, solange werde ich das machen.“

Als langjährige Burgschauspielerin, vielseitige Sängerin, Autorin und Filmemacherin hat sich Erika Pluhar fest in die heimische Kulturszene eingeschrieben; als Ehefrau von Udo Proksch und André Heller hat die Wienerin darüber hinaus Schlagzeilen gemacht. Dass sie stets eine „öffentliche Frau“ war, wie sie auch einen autobiografischen Roman genannt hat, habe sie nicht gestört, sagte sie einmal im APA-Interview.

„Irgendwann in der Mitte meiner Jahre war mir ganz klar, dass ich versuchen werde, diese Öffentlichkeit als Verantwortung zu sehen.“ Eine Verantwortung, die sie mit öffentlichen Wortmeldungen, aber nicht mit der Übernahme öffentlicher Ämter wahrgenommen hat. Dass sie als Bundespräsidentin ebenso wie als Kulturministerin im Gespräch gewesen sei, habe sie zwar als höchst ehrenvoll empfunden, sie habe aber immer gewusst, „dass ich zwar ein politischer Mensch bin, aber nie in die Parteipolitik einsteigen könnte“.

Von der Salondame bis zum Charakterfach

Erika Pluhar wurde am 28. Februar 1939 in Wien geboren. Direkt vom Max Reinhardt-Seminar wurde sie ans Burgtheater engagiert. Ihr Rollenrepertoire reichte von der Salondame bis zum Charakterfach, große Erfolge feierte sie etwa mit dem szenischen Monolog „Eine gebrochene Frau“ (1982) nach Simone de Beauvoir und in der Hauptrolle von Lars Noréns „Dämonen“ (1985).

An ihrem 60. Geburtstag beendete die Kammerschauspielerin mit einer Festvorstellung von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ ihre Burgtheaterlaufbahn. „Ich danke den Göttern, dass sie meinen kindlichen Wunsch erfüllt haben – damals nach dem Krieg, als ich das zerstörte Burgtheater vor mir sah und mir dachte: ,Dort möchte ich einmal Schauspielerin sein.’“, sagte sie in ihrer Abschiedsrede und schied ganz ohne Trauer: „Ich wünsche diesem Theater das Beste. Lebt wohl.“

Auftritte geplant

Auf der Bühne steht sie freilich weiterhin häufig und gerne. Ihre Karriere als Chansonsängerin begann Pluhar Mitte der 70er-Jahre angeregt durch ihren zweiten Mann, André Heller. Nachdem sie zunächst Hellers Texte und Evergreens aus den 20er- und 30er-Jahren sang, begann sie später, ihre Lieder selbst zu schreiben. Sie arbeitete eng mit dem gebürtigen Bulgaren Peter Marinoff, dem portugiesischen Komponisten und Pianisten Antonio D’Almeida und dem österreichischen Gitarristen und Komponisten Klaus Trabitsch zusammen. Am 3. März steht sie gemeinsam mit Roland Guggenbichler unter dem Titel „Lieder vom Himmel und der Erde“ im Theater Kulisse auf der Bühne, für Juni ist im Wiener Musikverein unter dem Titel „Geh’ dein’ Weg“ ein gemeinsamer Auftritt mit u. a. Trabitsch und Adula Ibn Quadr geplant.

Hollywood-Angebote ausgeschlagen

Der große Durchbruch bei einem breiteren Kinopublikum gelang ihr 1968 in Helmut Käutners Verfilmung von Maupassants „Bel ami“. Von da an konnte sie sich Film- wie Fernsehrollen aussuchen, zwei Hollywood-Angebote schlug sie jedoch aus. Dafür begann sie, für das Fernsehen als Drehbuchautorin und Regisseurin zu arbeiten. Mit dem TV-Streifen „Marafona – Ein Film über das Lieben“, bei dem sie für Buch und Regie verantwortlich war, debütierte sie 2001 auch als Co-Produzentin.

Mit ihrem Enkel Ignaz, dem Adoptivsohn ihrer verstorbenen Tochter Anna, drehte sie den Film „Sahara in mir“ über die erste Konfrontation des jungen Mannes mit seinen Wurzeln bei den Sahauris in der Westsahara. Es folgte die Coming-of-Age-Story „Laguna“, die im Rahmen der Retrospektive des Filmarchivs ebenso zu sehen ist wie Wim Wenders Handke-Verfilmung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von 1971 oder die 2014 entstandene Doku „Erika Pluhar – Trotzdem. Mein Leben“ von Sigrid Faltin.

An die zwei Dutzend Bücher geschrieben

1981 trat Pluhar, die kurze Zeit auch mit dem Schauspieler Peter Vogel verbunden war, der sich 1978 das Leben nahm, erstmals als Autorin an die Öffentlichkeit. Nach viel beachteten Tagebuchaufzeichnungen und autobiografischen Büchern erschien 1999 der erste rein fiktive Roman, „Matildas Erfindungen“. In „Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?“ (2001) verarbeitete sie ebenso wie in „Anna – Eine Kindheit“ (2018) den frühen Tod ihrer an den Folgen eines Asthmaanfalls gestorbenen Tochter Anna aus ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch bzw. ihre zu wenig wahrgenommene Mutterrolle. An die zwei Dutzend Bücher hat Erika Pluhar bisher geschrieben, zuletzt erzählte sie im Vorjahr in „Gitti“ die Kindheit der Schwester nach.

Mit der großformatigen Bildbiografie „Trotzdem“ gibt sie noch einmal Einblicke in ihren vielfältigen Lebensweg und zeigt bisher unbekannte Fotos aus ihrem Privatarchiv. Darin trennt sie ihre zahlreichen „Rollen“ in einzelne Kapitel auf und blickt – mit kurzen Texten aus Liedern und Notizen – hinter die Kulissen ihrer Zeit als Schauspielerin, Musikerin aber auch Privatperson. Vorangestellt ist – titelgebend – der Text des 1981 erschienenen Liedes „Trotzdem“, in dem es da heißt: „Trotzdem kämpfen wir / Trotzdem glauben wir / Und trotzdem lieben wir / Trotzdem!“

Zum Geburtstag, dem Pluhar mit einem Fest im Metro Kinokulturhaus feiert, sendet ORF 2 am 3. März um 9.05 Uhr „Orte der Kindheit“ mit Peter Schneeberger (2015), in Ö1 steht bereits am 25. Februar (14.05 Uhr) die 2005 entstandene „Menschenbilder“-Sendung „Am Ende des Gartens“ auf dem Programm. „Erfolg kann einen Lebensweg nicht ersetzen“ lautet der Titel von „Im Gespräch“ am 1. März (16.05 Uhr), wenn Renata Schmidtkunz mit Erika Pluhar anlässlich des Geburtstags einen Rückblick auf ihr bewegtes Leben wirft.

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