Emotionaler Höhepunkt in kritischer Zeit

Giuseppe Verdis „Missa da Requiem“ im Linzer Brucknerhaus

Leidenschaftlich und emphatisch führt Markus Poschner das Bruckner Orchester.
Leidenschaftlich und emphatisch führt Markus Poschner das Bruckner Orchester. © Reinhard Winkler

Giuseppe Verdis „Requiem“ für vier Solostimmen, großen Chor und Orchester ist ein singuläres Werk, das in seiner Verbindung von musikalischer Intensität und Kunstfertigkeit, einmaliger Konzeption und überwältigender Aussage seinesgleichen sucht.

Der immense orchestrale und chorische Aufwand zur Bewältigung dieser Herausforderung macht intensive Vorbereitung notwendig; wohl auch deshalb wird diese großartige Komposition sehr selten aufgeführt.

Kein Wunder daher, dass der Große Saal des Brucknerhauses beim dritten Konzert des Zyklus des Bruckner Orchesters am Donnerstag zum Bersten voll von erwartungsvollem Publikum war.

Allen Opfern des Krieges gewidmet

Doch bevor die ersten Pianissimo-Töne des Introitus einsetzten, griff Chefdirigent Markus Poschner zum Mikrofon: In einer kurzen, tief berührenden Ansprache nahm er Bezug auf die aktuelle ukrainische Tragödie, und bekannte sich dazu, die Musik als Zeichen der Hoffnung gegen den Krieg zu setzen. Im Namen aller Mitwirkenden, die aus 23 Nationen stammen und das Requiem gemeinsam gestalten, widmete er die Aufführung allen Opfern des Krieges. Tosender Applaus schon vor dem ersten Ton!

Eine Interpretation, die zur Legende werden wird

Dann gelang eine Interpretation, die nicht nur auf Grund ihrer künstlerischen Qualität, sondern auch wegen der hochgradig emotionalen Atmosphäre wohl zur Legende werden wird. Besonders packend: Das dieses Werk wie eine Klammer durchziehende „Dies irae“, das zwar die Schrecken des Jüngsten Gerichts zeichnet, aber in der aktuellen Situation an Kanonendonner erinnerte. Hervorzuheben: Die hohe Fugen-Kunst der Chöre (Philharmonischer Chor Brno, Chor ad Libitum) und die Strahlkraft der Blechbläser, besonders im „Tuba mirum“ und „Liber scriptus“ der „Sequenz“.

Hervorragende Solisten (Fagott im „Quid sum miser“, Oboe im „Ingemisco“) sowie das ganze Orchester verdienen für die intensive Gestaltung Pauschal-Lob. Aus dem Solistenquartett ragte der mächtige, facettenreiche und deutlich artikulierende Bass von Tareq Nazmi heraus, während der lyrische Tenor von Alexey Dolgov etwas blass blieb. Susanne Bernhards Sopran entwickelte in der Höhe allzu metallische Strahlkraft, erwies sich in der Mittellage jedoch als flexibel. Olga Syniakovas Mezzosopran verfügte über eine weitgehend nuancierte Ausstrahlung.

Markus Poschner übertraf sich selbst mit einem in jeder Sekunde leidenschaftlichen und emphatischen Dirigat, das eine riesige dynamische Palette auskostete.

Das eineinhalb Stunden erschütternde Requiem klang mit einem gehauchten „Libera me“ aus, dem ergriffene Stille folgte. Doch dann heftiger Applaus und minutenlange Standing Ovations.

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